75 Jahre Renntransporter von Mercedes-Benz
1955 gewann Mercedes-Benz die Weltmeisterschaft der Formel 1, die Markenweltmeisterschaft der Sportwagen und die Tourenwagenmeisterschaft von Europa. Den schnellen Renntransporter jenes Jahres hatte der Prototypenbau von Mercedes-Benz auf Wunsch des legendären Rennleiters Alfred Neubauer eigens für besonders eilige Frachten entwickelt. Die einzigen Vorgaben: Er sollte schnell sein und einen Grand-Prix-Rennwagen oder einen Rennsportwagen befördern können. Ergebnis ist ein einzigartiges Fahrzeug, das heute noch fasziniert. Die Plattform bildet der verlängerte Rohrrahmen des Luxus-Coupés Mercedes-Benz 300 S. Den leistungsfähigen Motor - schon mit Benzin-Direkteinspritzung - steuert der Sportwagen 300 SL bei, Karosserieteile wie die Türen und Kotflügel sowie Elemente der Ausstattung kommen von der braven Limousine Mercedes-Benz 180.
Nach dem Rückzug von Mercedes-Benz Ende 1955 aus dem Rennsport diente der 6,75 Meter lange Renntransporter zunächst als Ausstellungsfahrzeug in den USA, dann verrichtete er zehn Jahre lang Arbeit im Fahrversuch von Mercedes-Benz. Rudolf Uhlenhaut, zur "aktiven" Zeit des Renntransporters Leiter der Rennabteilung und später Vorstand, lässt das Unikat 1967 verschrotten. Jahrzehnte später baute Mercedes-Benz den spektakulären Renntransporter nach alten Fotos wieder neu auf.
Den fahrgast- und ladefreundlich niedrigen Rahmen hatte Mercedes-Benz bereits in den zwanziger Jahren entdeckt und später als Plattform für Renntransporter genutzt. Schon 1934 im Geburtsjahr der Silberpfeile übernahmen Lastwagen den Transport. In großen weißen Lettern stand stolz "Mercedes-Benz Rennabteilung" auf der hölzernen Bordwand des Lo 2750, so die nüchterne Bezeichnung des ersten Renntransporters von Mercedes-Benz. Der zeitgenössische Prospekt versprach optimistisch eine "reiche Ausstattung". Gemeint war wörtlich: "An der Armaturentafel befinden sich die Schaltapparate für Beleuchtung, elektrische Winker, ferner Geschwindigkeitsmesser mit Kilometerzähler, Ölkontrollanzeiger, Brennstoffregulierung, Glüh- und Anlassschalter, Stecker für Handlampe." Komfort im heutigen Sinne kannte der Lo 2750 nicht.
Aber die Renntransporter dieses Typs transportieren Siegerfahrzeuge: Der damals neue Silberpfeil W 25 mit Kompressormotor siegte im Juni 1934 beim Internationalen Eifelrennen auf dem Nürburgring. Das war der Auftakt einer Siegesserie, die bis 1939 anhielt. Die Renntransporter waren stets dabei. Nach Siegen paradierten sie stolz mit den Silberpfeilen auf der Ladefläche. Mercedes-Benz hat eines dieser Fahrzeuge restauriert. Das Modell basiert auf einem zeitgenössischen Lastwagen von 1936. In aufwendiger Arbeit wurde der ehemalige Wassersprengwagen der Stadtreinigung München nach historischen Vorlagen zum Renntransporter umgebaut.
Aktuell setzt Mercedes-Benz den Actros als Renntransporter ein. kennen Sieger. Sie haben mit ihren Vorfahren kaum noch etwas gemeinsam. Im Obergeschoss bietet der Trailer des Actros Platz für zwei Rennwagen hintereinander. Sie werden über eine Hebebühne hinein- und hinausbefördert. Im Erdgeschoss ist jede Menge Platz für Werkzeugkästen, zum Teil zur Arbeit in den Boxen der Rennstrecken herausnehmbar in Rollcontainern untergebracht. Die Seitenwand ist klappbar, in außen zugänglichen Staufächern wartet weiteres Material. Vorn im Hals des Aufliegers öffnet sich hinter einer Glastür eine ganz andere Welt: Hier ist der Aufenthalts- und Rückzugsraum für die Rennfahrer. Im aufgeräumten Spind ist oben Platz für den Helm, unten stehen die Rennfahrerschuhe, dazwischen hängt die Rennmontur. Eine gemütliche Rundsitzgruppe und ein Kühlschrank runden die Ruhezone ab. (ampnet/jri)
Peter Schwerdtmann Letzte Änderung: 22.11.2009
Der Sechszylinder mit 141 kW / 192 PS treibt den Renntransporter auf eine Hchstgeschwindigkeit von 170 km/h.
Mercedes-Benz Renntransporter "Das blaue Wunder" mit einem Rennsportwagen Typ 300 SLR (W 196 S) auf der Ladeflche.
Der mehrfache Weltmeister Juan Manuel Fangio und der Mercedes-Benz Renntransporter "Das blaue Wunder" mit einem Formel-1-Rennwagen W 196 R auf der Ladeflche.
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