Aquaplaning
Kaum eine Fahrsituation ist unter Autofahrern so gefürchtet wie das unerwartete Aquaplaning, denn bei kräftigen Regengüssen oder großen Wasseransammlungen steigt das Aufschwimm-Risiko und damit die Unfallgefahr. Daher wird das Thema "Mehr Reifensicherheit" auch in 2004 einen Arbeitsschwerpunkt des DVR bilden.
Jeder Autoreifen ist von den technischen Leistungen her ein Kompromiss. Der Reifen muss auf den unterschiedlichsten Fahrbahnbelägen, bei extremen Temperaturen, Höchstgeschwindigkeiten und plötzlichen Bremsmanövern seinen Dienst leisten. Bei trockenen und guten Straßenverhältnissen wäre ein Slick (also ein Reifen ohne Profil wie er im Rennsport eingesetzt wird) die sicherste Lösung. Sobald aber der erste Regentropfen fällt, fahren die Rennprofis in die Boxen und lassen die Reifen wechseln - denn ohne Profil wird ein Reifen auf nasser Straße schnell zur Gefahr.
Nur ausreichendes Profil schützt vor Aquaplaninggefahren - bei nassen Fahrbahnverhältnissen erhöht sich das Unfallrisiko um das Zwei- bis Vierfache. Was ist das besondere Risiko von Aquaplaning? Wenn sich bei Regen vor den Reifen zunächst ein Wasserkeil bildet und dieser sich schließlich unter die Reifenaufstandsfläche schiebt, verliert der Reifen bei zu geringem Profil schlagartig den Fahrbahnkontakt und schwimmt auf. Dabei gilt: Je geringer das Profil und je höher die Geschwindigkeit, desto größer die Gefahr.
Je nach Straßenverhältnissen und Reifenzustand ist das Auto dann nur noch eingeschränkt manövrierfähig.
Auf regennasser Fahrbahn nehmen die Reibwerte zwischen Reifen und Straße - und damit die übertragbaren Kräfte für das Lenken, Bremsen oder Beschleunigen - deutlich ab. Das Reifenprofil kann je nach Geschwindigkeit die enormen Wassermassen nicht mehr schnell genug aufnehmen und zu den Seiten bzw. nach hinten abführen. Z.B. müssen bei 80 km/h pro Sekunde bis zu 25 Liter Wasser verdrängt werden!
Mit zunehmender Geschwindigkeit und steigender Wasserhöhe schiebt sich nach und nach ein Wasserkeil unter die Reifen, der ja auch bei trockener Straße nur einen Bodenkontakt im Format einer Postkarte hat. Schließlich reißt der sich rasch vermindernde Kontakt zur Straße völlig ab und das Fahrzeug schwimmt auf, ganz ähnlich einem schnell dahin gleitenden Surfbrett.
Die Warnsignale sind eindeutig: Heftiges Wasserrauschen von unten und eine zunehmend leichtgängigere Lenkung künden das drohende Aufschwimmen an. Schließlich reagiert die Lenkung nicht mehr, bei Fronttrieblern drehen die Antriebsräder blitzartig durch, der Motor heult auf. Das Fahrzeug ist außer Kontrolle geraten, der Zufall bestimmt über Unfall oder nicht.
Dieser Zustand entsteht meistens auf der Autobahn; und nur weil dort fast immer geradeaus gefahren wird, geht die Situation in der Regel glimpflich aus - vorausgesetzt, der Fahrer gerät nicht in Panik und reagiert übermäßig. Wenn in einer solchen Situation der Abstand zum vorherfahrenden Fahrzeug nicht stimmt und dessen Fahrer bremsen muss, ist ein Unfall vorprogrammiert.
Für diese Notsituation empfiehlt sich folgendes Verhalten: nicht lenken, Lenkrad fest halten, Kupplung treten und warten, bis die Reifen wieder den Fahrbahnkontakt hergestellt haben.
Dabei ist man dem Aquaplaning keineswegs hilflos ausgeliefert. Das Wissen um seine Entstehung und das Beherzigen einiger Tipps helfen, das Aufschwimmen zu vermeiden: Zu niedriger Reifenfülldruck, aber vor allem zu geringe Profiltiefe begünstigen das Aquaplaning drastisch.
Die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 mm reicht nicht aus. Fachleute raten, die Reifen und in jedem Fall die Breitreifen Querschnitt < 70 spätestens bei Erreichen von 3 mm Restprofiltiefe zu wechseln.
Die goldenen Regeln für sichere Regenfahrten heißen: ausreichendes Reifenprofil, korrekter Luftdruck (besser 0,2 bis 0,3 bar über dem vom Autohersteller angegebenen Mindestluftdruck), angepasste Geschwindigkeit, genügend Abstand zum Vordermann, erhöhte Aufmerksamkeit bei schlechter Sicht und wenn es regnet. Und noch ein Tipp: Häufig wundern sich Autofahrer, dass die LKW trotz Regen kaum die Geschwindigkeit reduzieren. Bei schweren LKW gibt es aufgrund der hohen Gewichte bzw. der große Massen das Phänomen Aquaplaning nicht. Also nicht an der Geschwindigkeit der LKW orientieren, das könnte "in`s Auge gehen".
Reifen sind das Einzige, was das Auto mit der Straße verbindet - deswegen führt der Deutsche Verkehrssicherheitsrat e.V. alljährlich im Juni die ReifenCheck-Aktion durch. Der ReifenCheck 2004 findet vom 01. bis 30. Juni in ganz Deutschland statt. Bei ca. 25.000 Prüfstellen von ACE, ACV, GTÜ und KÜS sowie in Kfz-Werkstätten, Autohäusern und bei Reifenfachhändlern erwartet Sie der kostenlose Service.
Unter www.reifencheck2004.de gibt es Wissenswertes rund um das Thema Reifensicherheit und die Adressen aller Prüfstellen, bei denen Autofahrer ihre Reifen checken lassen können. Der ReifenCheck 2004 wird vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen gefördert und wird von der Continental AG, den Berufsgenossenschaften, Ford und VW unterstützt.
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