Bosch-Motorpressekolloquium: Schwerpunkt Billigauto

Die Marschrichtung ist für den Stuttgarter Automobilzulieferer Bosch offenbar völlig klar: Asien und das mit Niedrigpreisautos. "Wir erwarten, dass wir im Jahr 2010 eine Milliarde Euro Umsatz mit der Ausrüstung von Low Price Vehicles (LPC) realisieren", erklärte jetzt Dr.-Ing. Bernd Bohr, Vorsitzender des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik der Bosch-Gruppe beim 58. internationalen Motorpressekolloquiums auf dem Bosch-Testgelände in Boxberg.

Gemessen am Bosch-Gesamtumsatz von 27,2 Mrd Euro nimmt sich diese Vorhersage eher bescheiden aus. Aber immerhin steht dahinter die Absicht, das bis dahin auf rund zehn Millionen Fahrzeuge pro Jahr angewachsene Segment zu bedienen. Dabei sind die Definitionen, was ein Niedrigpreisauto ist, schon beim Preis sehr unterschiedlich. In Europa rechnet Bosch alle Fahrzeuge dazu, die unter 7000 Euro angeboten werden. Dieser Markt wächst mit fünf Prozent pro Jahr doppelt so stark wie der für bestehenden Fahrzeugklassen und wird bereits in drei Jahren einen Anteil von rund 13 Prozent erreicht haben.

In Indien wächst er sogar um 14 Prozent pro Jahr. Hier bietet der indische Hersteller Autos für 2000 Euro. Aber mehr noch als in Indien wird diese Bewegung die Entwicklung in China erfassen. Bosch erwartet, dass sich dort die Hälfte des weltweiten Marktes für Niedrigpreisautos abspielen wird, denn die Wachstumsraten liegen heute schon ebenfalls im zweistelligen Bereich. Bereits in diesem Jahr werden in China sechs Millionen Personenwagen gebaut, vorwiegend Fahrzeuge im Niedrigpreissegment.

Die Erwartungen der Kunden an Billigautos sind durchaus unterschiedlich. In Europa greifen heute Käufer zu, die bisher den Gebrauchtwagenmarkt frequentiert haben. Sie erwarten ein hohes Sicherheitsniveau, angemessene Fahrleistungen und hohe Zuverlässigkeit. Der Erstkäufer eines solchen Autos in Indien steigt vom Motorrad aufs Billigauto um. Ihm geht es mehr um Robustheit, Familientauglichkeit, Reparaturfreundlichkeit und niedrige Betriebskosten.

Aber in Europa wie in Asien müssen neue Autos alle gültigen Standards erfüllen. Bei den Abgaswerten bewegen sich China und Indien heute bereits auf dem Niveau der Abgasvorschrift Euro 3. Sie werden aber auch alle kommenden Vorschriften bis hin zur Euro 6 erfüllen müssen und sollten mit möglichst vielen Kraftstoffarten und -qualitäten klaglos laufen, auch mit Bio-Kraftstoffen wie Ethanol oder Diesel.

Es reicht also nicht aus, europäische Technik durch Abspecken billiger anzubieten. Hier sind Innovationen gefragt, mit deren Hilfe bekannte Funktionen zu einem heute noch undenkbar günstigen Preise umgesetzt werden können. Bosch konzentriert sich bei der Motorsteuerung auf Zwei- und Vierzylinder-Motoren mit Saugrohreinspritzung, wird also Turboladung und Direkteinspritzung nicht mit einbeziehen. Ziel der Stuttgarter ist es, bei Motorsteuerungen einen Marktanteil von 30 Prozent zu erreichen. Also auch in diesem Marktsegment eine dominante Rolle zu übernehmen.

Wenn das gelingt, wird das nicht ohne Folgen für die Fahrzeugpreise in den Märkten Nordamerika, Japan und Europa blieben können. Kein Hersteller wird sich dagegen wehren, wenn Systeme mit gleichen Funktionen zu niedrigeren Preisen aus den Niedrigpreisfahrzeugen in die Autos einziehen, wie sie in besser situierten Gegenden der Welt gekauft werden. (ar/Sm)
http://www.tvservicebox.de/clips/player/play/internationales-motorpressekolloquium-2007-video-podcast.html Letzte Änderung: 13.06.2007









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