Deutsche Umwelthilfe schmiedet Allianz für Tempolimit
Die Zeit dafür sei reif, glaubt der VCD. Bundesvorsitzender Michael Gehrmann will wie Jürgen Reusch bemerkt haben, dass die Mehrheit der Bevölkerung bereits dafür sei. In einer Forsa-Umfrage hätten sich 73 Prozent der Befragten für ein generell gültiges Tempolimit ausgesprochen und auch der SPD-Parteitagsbeschluss zeuge vom geänderten Bewusstsein. "Alle Argumente gegen ein Tempolimit sind vorgeschoben. Wir sind der Meinung, die Gesellschaft ist weiter als die Politik", konstatiert Dr. Gerd Rosenkranz, Leiter Politik & Presse bei der Deutschen Umwelthilfe.
2,3 Millionen Tonnen CO2 könnten bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 130 km/h pro Jahr gespart werden. VCD-Vorsitzender Michael Gehrmann geht noch weiter: Tempo 120 brächte 3,3 Millionen Tonnen weniger CO2, Tempo 100 gar weit über sechs Millionen Tonnen. Es gebe keinen rationalen Grund, der gegen die Festsetzung einer maximalen Höchstgeschwindigkeit spreche. Und die Einführung eines Tempolimits "kostet so gut wie nichts".
Ein Tempolimit würde außerdem jährlich Dutzende, wenn nicht sogar über 100 Leben auf deutschen Autobahnen retten, ergänzt Polizeidirektor Martin Mönnighoff, Inhaber des Lehrstuhls für Polizeiliche Verkehrslehre an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. 60 bis 70 Prozent der schweren Autobahnunfälle passieren seinen Angaben nach auf Abschnitten ohne Geschwindigkeitslimit. Schon durch eine um einen Kilometer in der Stunde gesenkte Durchschnittsgeschwindigkeit würde die Zahl der Verletzten um zwei Prozent und die der Toten um vier Prozent zurückgehen, verweist Mönnighoff auf entsprechende Untersuchungen im Ausland. Leider gebe es in Deutschland schon seit einiger Zeit keine Studien mehr in dieser Richtung, bedauert er.
Auch psychologisch könnten alle Verkehrsteilnehmer vom Ende der freien Fahrt für freie Bürger profitieren. Die Geschwindigkeitsunterschiede auf der Autobahn führten immer wieder zu Stress und Aggressionen. "Die einen fühlen sich bedrängt, die anderen aufgehalten", fasst es Martin Mönnighoff kurz und bündig zusammen. Michael Gehrmann beklagt in diesem Zusammenhang den Abbau polizeilicher Kontrollen aus Kostengründen und stellt fest: "Auf einigen Autobahnabschnitten herrscht Anarchie."
DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch, bekannt für polarisierende und polemische Zuspitzungen, stellt fest, die "grüne IAA habe nur während der Pressetage stattgefunden, danach wurde umgeräumt". Er gibt zu Bedenken, dass der europäische Fahrzyklus, nach dem Verbrauch und Schadstoffausstoß bemessen werden, für Deutschland Augenwischerei sei. Gemessen werde nun einmal nur bis 120 km/h - ein Wert der für alle anderen Länder einen gewissen Aussagewert habe, aber eben nicht für Deutschland. So will Resch sogar wissen, dass bei vielen Autoherstellern der Katalysator jenseits von 130 km/h, 135 km/h einfach abgeschaltet werde, weil in der ganzen Welt ohnehin nicht schneller gefahren werden dürfe. Mit Ausnahme von Deutschland eben - und Nepal, Uganda und der Isle of Man.
Die Initiative "Pro Tempolimit" ist nach eigenen Angaben im Augenblick mit etwa zehn weiteren Organisationen im Gespräch, die sich der Aktion anschließen könnten. (ar/jri) Letzte Änderung: 06.11.2007
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