Deutsche Versicherer mahnen: ESP bei kleineren Autos immer noch viel zu selten

Zum Stichtag 15. Oktober stieg die serienmäßige Ausrüstung mit ESP, dem lebensrettenden elektronischen Schleuderverhinderer, bei den in Deutschland angebotenen Neufahrzeugen gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt zwar von 58 auf 64 Prozent. Doch immer noch gibt es in 14 Prozent (Vorjahr 20%) aller neuen Modellreihen das Elektronische Stabilitätsprogramm noch nicht einmal optional zu ordern, wobei dieses Manko vor allem die Minis und Kleinwagen sowie die so genanten Utilities (z.B. VW Caddy) betrifft. Fakten, die die Unfallforschung der Versicherer (UDV) in Berlin jetzt zum zweiten Male zusammentrug und dabei ebenfalls feststellte: Der ESP-Anteil im Pkw-Gesamtbestand in Deutschland stieg dadurch lediglich von 24 auf 30 Prozent an.

Auch wenn die EU analog zu den USA gegenwärtig plant, ab 2012 ESP in Neuwagen verbindlich vorzuschreiben, ist es also noch ein langer Weg, bis diese notwendige Sicherheitsausstattung in allen Fahrzeugen vorhanden ist. Dabei ist unumstritten, dass das ESP allein in Deutschland bei 25 Prozent aller Pkw-Unfälle mit Personenschäden und 35 bis 40 Prozent bei Crashs mit Todesfolge das Unglück verhindert, aber zumindest weniger tragisch hätte enden lassen. In Zahlen: Bei der sehr vorsichtigen Annahme, dass zumindest in 50 Prozent der Fälle ein schwerwiegender Unfall vermieden würde, gäbe es auf den deutschen Straßen mindestens 500 Tote weniger.

Ein Ergebnis, dass nicht nur die Autohersteller, sondern auch die Autokäufer von kleineren Fahrzeugen mehr als nachdenklich stimmen sollte. Denn während in Deutschland die Fahrzeuge der Oberen Mittelklasse (z.B. BMW 5er-Reihe) und der Oberklasse (z.B. Mercedes S-Klasse) zu 100 und die der Mittelklasse (z.B. VW Passat) zu 89 Prozent serienmäßig mit ESP ausgestattet sind, ist bei den Minis das ESP zu 44 und bei den Kleinwagen zu 27 Prozent noch nicht einmal optional erhältlich. Und auch die Orderquote als Zusatzausstattung ist mit geschätzten 20 bis 30 Prozent äußerst gering. Ein weiteres Problem stellen die so genannten Utilities (z.B. VW Caddy) dar, bei denen zu 43 Prozent kein ESP verfügbar ist. Sie werden häufig von Gewerbetreibenden gefahren, die auf jeden Cent gucken müssen. Doch ein wochenlanger Ausfall durch einen Unfall kommt viel teurer.

Für Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), ist ESP auch eine Folge der oft gewählten Aufpreispolitik der Hersteller. Beim neuen Fiat 500 muss man z.B. 350 Euro zahlen, beim Honda Jazz sogar 650 Euro und in zahlreichen Fälle gibt es ein optionales ESP nur in Verbindung mit einem bis zu 2420 Euro teuren Paket, dass dann u. a. Radio, Metallic-Lack, Tempomat und Nebelscheinwerfer beinhaltet. Das alles sind durchaus sinnvolle Dinge, aber eben nicht für denjenigen, dessen Geldbeutel nicht allzu dick ist.

Für Brockmann neben der grundsätzlichen Forderung, das ESP für alle Pkw serienmäßig einzuführen, auch der Grund, jetzt eine Datenbank im Internet (www.udv.de) einzurichten, in der jeder potentielle Käufer bzw. Interessierte nachschauen kann, welche Fahrzeugmodelle und Varianten seit Oktober 2007 serienmäßig, optional oder überhaupt nicht über ESP verfügen. In der Liste der rund 1800 Modelle von 38 Automarken ist dabei natürlich nicht jeder alte "Oldie" erfasst, so dass man sich beim Gebrauchtwagenkauf immer erkundigen sollte, ob der auch mit ESP ausgerüstet ist. (ar/hhg) Letzte Änderung: 14.11.2007









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