Dialog-Displays sprechen Autofahrer wirksam an

Beim Bemühen, innerorts die Geschwindigkeit von Autofahrern zu senken, setzen viele Kommunen auf mobile Geschwindigskeitsanzeigetafeln. Ihre Wirksam- und vor allem Nachhaltigkeit wird von vielen Experten jedoch angezweifelt. Deutlich effektiver arbeiten so genannte Dialog-Displays, die den Autofahrer emotional ansprechen. Dies hat eine Langzeitstudie der TU Dresden ergeben.

Die Firma RTB aus Bad Lippsringe in Nordrhein-Westfalen, Spezialist für Ton- und Tastanlagen an Ampeln, hat eine Geschwindigkeitsmessanlage entworfen, die mit Worten statt mit Zahlen arbeitet. Anstelle der ermittelten Geschwindigkeit leuchten im Display je nach Tempo die Worte "Langsam!" in Rot oder ein grünes "Danke!" auf. Dabei hat der Autofahrer noch die Möglichkeit, durch Abbremsen den mahnenden Tadel auf der Anzeigetafel in ein Lob umzuwandeln. Bebildert sind die Displays mit verschiedenen großflächigen Kindermotiven.

Nicht nur an Durchfahrtsstraßen, sondern auch an Zebrastreifen können die Anzeigetafeln wirksam eingesetzt werden. Mit den beiden wechselnd aufleuchtenden Begriffen "Langsam!" und "Achtung!" eignen sie sich aber auch als Warntafeln vor kreuzenden Radwegen oder an unbeschrankten Bahnübergängen, an denen sich 2006 in Deutschland 230 Unfälle mit 40 Toten ereigneten.

Die TU Dresden hat an verschiedenen Stellen in Deutschland die Wirkung der Dialog-Displays untersucht. So sank beim Langzeitversuch vor einem Fußgängerüberweg in der Lützowstraße in Berlin die Durchschnittsgeschwindigkeit von 38,1 km/h auf 28,9 km/h. Ein Gewöhnungseffekt trat nicht ein. Nach drei Jahren betrug das Tempo im Mittel sogar nur 28,7 km/h. Grund dafür ist nach Angaben des Dresdener Verkehrspsychologen Jan Stern auch die "stärkere soziale Kontrolle" durch die anderen Verkehrsteilnehmer bei den Wort-Displays.

In Chemnitz stieg die Zahl der Autofahrer, die an einem Zebrastreifen anhielten, um 130 Prozent. An einem unbeschrankten Bahnübergang in Gütersloh sorgte die neuartige Anzeigetafel dafür, dass der Anteil der Autos, die sich mit weniger als 30 km/h den Gleisen näherten, um 70,4 Prozent zunahm. Das korrekte Sicherungsverhalten stieg um zwei Drittel.

In der Ortsdurchfahrt Lemsell (Sachsen-Anhalt) wurde festgestellt, dass die Wirkung des Displays bis zum Ortsausgang anhielt. Die Zahl der Lkw-Fahrer, die schneller als 55 km/h fuhren, sank um 67 Prozent. In Bad Meinberg nahm die Durchschnittsgeschwindigkeit vor einer Kreuzung mit querenden Radfahrern um 10 km/h auf 38 km/h ab und die Aufmerksamkeit der Autofahrer wurde ebenfalls nachweislich erhöht.

In Berlin wurde das Dialog-Display außerdem bereits als erfolgreich Lärmschutzhilfe getestet: Über dem Display mit den Worten "Leise!" und "Danke!" ist ein Babygesicht abgebildet. (ar/jri) Letzte Änderung: 08.01.2008





Dialog-Display in einer Lärmschutzzone. Foto: Auto-Reporter/RTB
Dialog-Display in einer Lärmschutzzone. Foto: Auto-Reporter/RTB






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