Diskussion in Goslar: Wollen Versicherte cash oder care?

Cash oder care? Was wollen die Kunden bei der Autoversicherung? Möglichst schnell ihr Geld oder vor allem guten Service? Dieser Frage ging am Rande des Verkehrsgerichtstages in Goslar gestern (29.1.2009) die ortsansässige Studiengesellschaft für verbrauchergerechtes Versichern in einer Diskussionsrunde nach. Die Antwort war ganz einfach: beides.

Unter Gesprächsleitung von n-tv-Moderatorin Carola Ferstl verteidigte HUK-Coburg-Vorstand Klaus-Jürgen Heitmann die neuen Tarifmodelle seines Unternehmens und anderer Versicherungen. Dabei werden die Kunden in der Kfz-Versicherung mit Prämiennachlässen belohnt, wenn sie sich für ein Servicepaket entscheiden, dass die Schadensregelung komplett übernimmt. Voraussetzung ist aber der Verzicht auf einen eigenen Gutachter und juristischen Beistand. Außerdem erfolgt die Reparatur des Fahrzeuges in einer von der Versicherung ausgewählten Werkstatt.

Unternehmensberater Wilhelm Alms merkte an, dass Juristen und Gutachter ohnehin nur in strittigen Fällen nötig seien. Diese bildeten nach wie vor die Ausnahme. Im Normalfall verursachten Sachverständige und Rechtsanwälte aber nur unnötige Kosten.

Publizist Manfred Poweleit (map-report) äußerte Verständnis für die Versuche der Versicherungen, auf diesem Wege Geld zu sparen. Immer mehr Autofahrer könnten sich die richtigen Prämien für ihr Fahrzeug gar nicht mehr leisten und sorgten so für Verluste in den Unternehmen. Gerade die Kfz-Versicherung als Pflichtversicherung sei ein wenig lukratives Geschäft.

Thomas Rudnik, Vorstandsmitglied beim Bund der Versicherten, war vom Grundsatz her mit den neuen Prämienmodellen durchaus einverstanden. Er gab aber zu bedenken, dass die meisten Autofahrer bis auf Bagatellschäden schnell mit Unfällen überfordert seien. Grundsätzlich rate der Bund der Versicherten den Verbrauchern bei Personenschäden, immer einen Anwalt einzuschalten. In der Kasko sei das neue Komplettmodell durchaus zu begrüßen, in der Haftpflicht sah Rudnik hingegen die Gefahr, dass den Kunden berechtigte Ansprüche vorenthalten würden. Er forderte grundsätzlich mehr Transparenz von den Versicherungen.

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die Versicherungen mit der Werkstattbindung auch eine große Macht auf die Reparaturbetriebe ausüben könnten. Angst vor schlecht ausgeführten Arbeiten müssten die Versicherten da wohl nicht haben.

Die HUK Coburg hat bislang gute Erfahrungen mit ihrem neuen Versicherungsmodell gemacht. In der Volkkasko hätten sich über 50 Prozent der Neukunden für den Bindungstarif entschieden. In der Teilkasko seien es etwas weniger. (ar/jri) Letzte Änderung: 30.01.2009

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