Fahrbericht Mazda6 MPS: Aufgeladen für die Freunde des Understatements

In das wachsende Angebot schneller Reisewagen hat sich auch Mazda mit dem Mazda6 MPS eingereiht. Mit seinen 191 kW (260 PS) darf sich diese Mittelklasse-Limousine nun die stärkste Limousine nennen, die der japanische Hersteller jemals gebaut hat. Mit seinem Komplettpreis für den Allradler von 33 900 Euro bekommt der Schnelle auch vom Mazda-Marketing Rückenwind verpasst, der ihm den Auftritt in seiner Zielgruppe erleichtern sollte.

Zu den Wunschkunden zählen ganz offensichtlich Familienväter, die zwar die Leistung honorieren, aber dennoch keinen überkandidelten Straßenrenner ihr Eigen nennen wollen. Bei der Anpassung der Karosserie an den MPS-Anspruch gingen die Designer zurückhaltend zu Werke. Die Motorhaube wurde mit einem "Power-Dome" angehoben, die Lufteinlässe vergrößert, ein Heckspoiler und ein neuer hinterer Stoßfänger mit Diffusor verwendet. Die beiden normal großen Auspuffendrohre verkleideten die Designer mit verchromten Ovalen der Dimension Ofenrohr, was wohl den Überholten zum Trost zeigen soll, dass dieser Mazda etwas Besonderes darstellt. Die angehobener Motorhaube und der Heckspoiler haben den angenehmen Nebeneffekt, dass der Fahrer sowohl eine Ahnung vom Anfang als auch vom Ende seines 4,77 Meter langen Mazda 6 MPS bekommt.

Auf den ersten Blick geht es innen sportlicher zu. Rasch zeigt sich aber, dass auch hier eine Mischung aus sportiven Elementen und Komfort das Erscheinungsbild bestimmt. Alu-Pedale mit Gumminoppen, das Dreispeichen-Lenkrad, die Rundinstrumente, die stark konturierten Ledersitze und die Grundfarbe Schwarz werden ergänzt um den ganz großen Mittelklasse-Komfort mit elektrisch verstellbaren Memory-Sitzen, Klimaanlage, großer Radioanlage und vielen anderen angenehmen und angenehm anzuschauenden Ausstattungen wie der Mittelkonsole im Titanium-Look und dem Klavierlack rund ums Radiobedienteil.

Eine Sechs-Gang-Schaltung ist heute bei den Schnellen schon fast Pflicht. Mazda hat seine für den MPD neu entwickelt. Sie lässt sich in den ersten vier Gängen schnell und knackig schalten. Die Gänge fünf und sechs könnten aber gern ein bisschen exakter geführt sein, schließlich gehört das schnelle Schalten beim Mazda6 MPS zum Vergnügen.

Kern des MPS ist sein erfrischend spontan hochdrehender Motor, der Gas nicht nur schnell annimmt, sondern geradezu nach Drehzahl zu lechzen scheint. Seine Höchstleistung erreicht der aufgeladenen 2,3-Liter-Vierzylinder bei 5500 Umdrehungen pro Minute (U/min), sein maximales Drehmoment von 380 Newtonmetern liegt bereits bei 3000 U/min an. Das bringt die rund 1700 Kilogramm schwere Limousine in 6,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und zu einer - elektronisch abgeregelten - Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h.

Gezähmt wird das alles vom Allradantrieb mit aktiver Drehmomentverteilung und Sperrdifferential, einem straffer gefedertem und stärker gedämpften Fahrwerk mit größeren Stabilisatoren gegen das Wanken, 18-Zoll-Leichtemetallrädern mit 215/45-Reifen und einer größeren Bremsanlage sowie ESP - bei Mazda DSC genannt. Zusammen mit der um 50 Prozent vergrößerten Torsionssteifigkeit der Karosse, ist das der Stoff, aus dem die Träume der Zielgruppe sind.

Der MPS lässt sich wirklich sportlich bewegen. Enge Kurven sind willkommen, die Lenkung arbeitet präzise und die Wankneigung hält sich in engen Grenzen. Bei hohen Geschwindigkeiten überzeugt der Geradeauslauf, wenn auch die großen Räder dazu neigen, tiefen Spurrinnen nachzulaufen. Überraschend gut ist die Abstimmung des Fahrwerks in Richtung Fahrkomfort gelungen. Das lässt auch lange Strecken mit dem MPS nicht zur Qual werden. Das gilt auch für Reisen mit vier Personen und Gepäck. Denn der MPS darf zusätzlich zum fast vollen Tank und zu seinem Fahrer noch rund 400 Kilogramm zuladen.

Windgeräusche stören kaum, und der Luftwiderstand ist mit einem Beiwert von 0,29 ebenfalls gut, was einen beim Nachtanken freut. Der Mazda6 MPS wird mit einem Durchschnittsverbrauch von 10,2 Litern Super Plus angegeben. Damit allerdings wird sich sein Fahrer nur selten zufrieden geben. Wenn er Leistung spüren will, wird es natürlich mehr. Unser Verbrauch lag bei 12,6 Litern.

Wir haben den Mazda6 MPS genossen als ein Fahrzeug, dass viel sportlicher und ausgewogener war als der Anschein vermuten lässt. Mit ihm werden die Freunde des Understatements ihre Freude haben. (ar/Sm) Letzte Änderung: 21.08.2006





Mazda6 MPS. Foto: Auto-Reporter/Mazda
Mazda6 MPS. Foto: Auto-Reporter/Mazda
Mazda6 MPS. Foto: Auto-Reporter/Mazda
Mazda6 MPS. Foto: Auto-Reporter/Mazda






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