Fahrbericht Nissan Micra C+C: Irgendwie charmant

Cabriolets mit festem Klappdach sind gerade absolut im Trend. Dem konnte sich aus Nissan nicht entziehen und hat dem Kleinwagen Micra eine Metallkapuze verpasst. 22 Sekunden dauert der Weg zum luftigen Sommergefühl, dass je nach Wetterlage innerhalb kurzer Zeit ein Lächeln auf das Gesicht der Passagiere zaubert. Und auch Passanten mögen den kleinen Japaner und quittieren die Passage des Charmeurs mit einem Lächeln.

Der C+C ist länger und flacher als die Micra-Limousine. Die durch die flacher stehende Windschutzscheibe bestimmte Dachlinie läuft 122 Millimeter niedriger als beim geschlossenen Pendant; dafür ist der Micra C+C 90 Millimeter länger. Der gestreckte hintere Überhang war nötig, um das von Karmann kommende Verdeck ohne Probleme hinter den Rücksitzen verstauen zu können. Bei abgesenktem Dach fasst sein Kofferraum noch 225 Liter - bei aufgesetzter Kapuze steigt der Wert auf reisetaugliche 457 Liter an. Um sicherzustellen, dass für das Verdeck genügend Platz ist, muss zunächst ein ausziehbares Rollo in Position gebracht werden. Erst dann bewegt sich das zweiteilige Verdeck, sogar bis zu einer Geschwindigkeit von fünf km/h.

Die flache Dachlinie bringt allerdings auch Nachteile mit sich. Personen jenseits der 1,75 Meter drohen sich am Dachholm den Kopf zu stoßen oder kommen dem Dach zumindest unangenehm nahe. Der höhenverstellbare Fahrersitz lässt sich nicht weit genug nach unten fahren, um für ausreichend Platz nach oben zu sorgen. Die Folge: große Menschen müssen die Lehne des Fahrersitzes in eine flache Position bringen, was dem Rücken Probleme bereiten kann. Die hinteren Sitze sind eine Alibi-Lösung, hier können allenfalls Kleinkinder Platz nehmen. Als zusätzlicher Gepäckraum sind sie hingegen sehr willkommen.

Nissan hat die Karosserie mit zahlreichen Verstärkungen stabilisiert. Das Ergebnis überzeugt. Selbst schlechte Straßen bringen den C+C nicht aus der Ruhe und lassen die Karosserie weder zittern noch knistern. Bei geschlossener Fahrt sorgt ein serienmäßiges Glasdach für einen lichten Innenraum. Vor deftiger Sonneneinstrahlung schützt ein Rollo. Aber natürlich will man im C+C offen fahren. Bis Tempo 80 sorgt das nach hinten gezogene Dach für einen wirkungsvollen Windschutz, danach wird es stürmisch. Dann ist für zugempfindliche Naturen sicher das aufpreispflichtige Windschott eine Option.

Der Testwagen war mit 1,4-Liter-Basisaggregat mit 65 kW/88 PS ausreichend motorisiert. Um flott voran zu kommen, muss er bei Laune gehalten werden, das hochtourige Fahren quittiert er mit einem kernigen Sound, der nur bei langen und schnellen Autobahnpassagen an die Nerven geht. Ansonsten ist der Micra sicher kein Auto, das zum Rasen gemacht ist. Offen Gleiten ist seine Domäne, dafür reicht der kleine Motor mit 128 Nm bei 3200 U/min allemal. Dann gibt er sich mit sieben Litern Benzin zufrieden, wir verbrauchten im Durchschnitt acht Liter. Zusätzlich haben die Japaner den 1,6-Liter-Benziner mit 110 PS im Angebot, der natürlich spritziger ist und das Mehrgewicht von runden 100 Kilogramm im Vergleich zum geschlossenen Micra wirkungsvoll kompensiert.

Insgesamt fährt sich der offene Micra sehr agil. Er wieselt flott um Kurven und ist leicht untersteuernd jederzeit beherrschbar. Im Notfall bremst das ESP den Fahrer ab, es greift aber angenehm spät ein. Vier Airbags und ABS sind Serie. Der Komfort ist gut. Das gilt leider nicht für die zu weichen und kleinen Sitze. Das Lenkrad ist nur in der Höhe verstellbar. Der Armaturenträger wurde von der Limousine übernommen, das Hartplastik sieht gut aus und klapperte nicht. Die Bedienung ist tadellos. Der Testwagen in der "Premium-Ausstattung hatte unter anderem zusätzlich zur Basis Teilledersitze, einen 6-Fach-CD-Wechsler, einen Bordcomputer, eine Lenkradfernbedienung, eine Sitzheizung und eine Klimaautomatik an Bord und kostete 20 830 Euro. Die ebenfalls gut ausgestattete Basis ist ab 16 790 Euro zu haben. Sie verfügt nicht über das "Intelligent Key"-System, das ohne Anleitung einige Rätsel aufgibt. Wenn schon schlüsselloser Zugang, dann bitte ohne große Umstände. Hier muss der Fahrer einen Knopf drücken, den Gang rausnehmen und die Bremse treten, bevor etwas passiert.

Doch das sind Kleinigkeiten. Der Genussfaktor im Micra C+C ist hoch, die Optik trotz des pummeligen Hinterteils stimmig, der Fahrkomfort gut. Dazu stimmt der Preis für ein Cabriolet mit einer komplizierten Dachkonstruktion. Auf der Straße stieß der Charmeur auf positive Resonanz. Und was gibt es schöneres, als ein Lächeln in die Gesichter der Mitmenschen zu zaubern. (ar/sb) Letzte Änderung: 18.08.2006





Nissan Micra C+C. Foto: Auto-Reporter/Nissan
Nissan Micra C+C. Foto: Auto-Reporter/Nissan
Nissan Micra C+C,Interieur. Foto: Auto-Reporter/Nissan
Nissan Micra C+C,Interieur. Foto: Auto-Reporter/Nissan






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