Gast-Glosse: Reschs Märchenstunde

Eigentlich fangen Märchen doch so an: "Es war einmal ..." Das schafft erst einmal beruhigenden Abstand. Selbst wenn es dann ganz schlimm kommt, kann man sich sagen, dass das alles längst passiert und obendrein eben ein Märchen ist.

Nicht so beim Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch. In dessen Märchenstunde, getarnt als Pressekonferenz zur IAA, erzählte er wahrhaft schauerliche Geschichten über die deutschen Automobilhersteller. Alles Erzählte sei wahr, gab er vor. Was? - Mit üblen Tricks führe die Automobilindustrie Autokäufer hinters Licht. Mit "geschönten CO2- und Verbrauchsangaben. Das geschehe "immer fantasievoller" und - "systematisch"!

Wer so schwere Geschütze auffährt, tut gut daran, aus dem Hinterhalt zu operieren. Und so wurde dann auch die Pressekonferenz der DUH in einem Frankfurter Hotel außerhalb des Messegeländes anberaumt. Hingefunden hat auch "PS Automobil Report". Uns macht nun mal neugierig, auf welche Ideen die Umwelthelfer noch so alles kommen, um der deutschen Automobilindustrie einmal mehr einen Hieb zu verpassen und sie an den Pranger zu stellen.

Zimperlich sind die Herrschaften nicht. Boulevardblätter liefern sie Schlagzeilen quasi gratis. Von "organisierter Verbrauchertäuschung durch die Automobilhersteller" ist jetzt die Rede, vom "gedopten Kleinwagen smart CDI, der nicht 3,3, sondern nahezu fünf Liter Diesel auf 100 Kilometern verbrauche. Auch viele andere Pkw-Modelle lägen "im realen Leben bei Spritverbrauch und Emissionen regelmäßig zehn bis 25 Prozent höher" als von Herstellern behauptet. Der Trick sei, für den EU-weit normierten CO2- und Verbrauchswert "offensichtlich ein besonders rollwiderstandsarmes ?goldenes Auto' mit speziellen Motor- und Getriebeölen, mit Ultraleichtlaufreifen und einem massiv erhöhten Reifendruck" zu präparieren. Gezielte Manipulation also!

Wer hätte das geahnt! Da wandelt unsereins mit lauteren Gedanken über die Frankfurter Automeile und denkt in keiner Sekunde daran, dass man auf den deutschen Markenständen Menschen mit krimineller Veranlagung begegnen! - Für Resch spielt keine Rolle, dass es einen neuen europäischen Fahrzyklus (NEFZ) gibt, der vom europäischen Gesetzgeber als gemeinsames Verfahren zur Verbrauchsmessung vorgeschrieben wurde.

Der neuerliche Feldzug der DUH gegen die deutschen Automobilhersteller wird auch mit dem Vorwurf geführt, allein der Werbeauftritt der Marken sei grün modifiziert worden, nicht jedoch die Produktpalette. Da wird eine Klimadebatte losgetreten, die Klimahysterie heftig geschürt, und dann so getan, als brauchten Autohersteller nur noch auf den grünen CO2-Knopf zu drücken, um im Märchenland extrem spritsparender Pkws anzukommen. Als ob Ignoranz und Böswilligkeit im Spiel wären!

Was alles möglich wäre, theoretisierte Resch weiter, zeige doch das Angebot von VW, diesmal nicht nur ein Einliter-Auto als Einzelstück zu bauen. Reschs Anspielung auf jenes extrem windschlüpfige und ultraleichte Sparwunder, mit dem vor Jahren das Duo Piëch/Pischetsrieder nach Hamburg zur Hauptversammlung düste, übersah aber eben, dass ein derartiger Liliput mit Mangel an Platz und Nutzwert Autointeressenten sicher nicht in Verzückung geraten ließe. Selbst ein DUH-Chef scheint ausgesprochene Kleinwagen nicht in sein Herz geschlossen zu haben. Im Vergleich zu den beiden Hybridfahrzeugen von Toyota und Honda, die ihm inzwischen zur Verfügung stünden, habe er in einem kleinen Lupo auf insgesamt 140.000 Kilometern "gelitten wie ein Hund". - Die offenbar ziemlich bedrückende Phase seiner persönlichen Automobilität hat Resch inzwischen also überwunden.

Verbohrte wie Resch können es einfach nicht gelten lassen, dass ausnahmslos alle Automarken - deutsche wie ausländische - allein aus Wettbewerbsgründen sämtliche Möglichkeiten ausschöpfen werden, damit Pkw mit weniger Kraftstoff auskommen. In jedem Segment. Das geschieht nicht erst seit heute, sondern seit der Erfindung der Autos. Keineswegs aber zuerst, um das Klima zu schützen. Das Weltklima wird sich nicht am CO2-Ausstoß von Pkws orientieren, auch wenn dieses Märchen seit einem Jahr immer wieder erzählt wird.

Man kann es eigentlich nicht mehr hören. Auch stete Wiederholung macht es nicht wahr. Zur Erinnerung: Bei dem Anteil, den der gesamte Verkehrsbereich auf die CO2-Emissionen hat, sprechen wir von ganzen vier (!) Prozent. - DUH-Chef Resch warnt (!) die Bundesregierung davor, "die skandalöse Praxis der Verbrauchsminderung auf dem Papier noch länger zu tolerieren". - Starker Tobak. Wirklich schade, dass Märchenerzähler - selbst wenn sie sich nur profilieren wollen - nicht belangt werden können.

(Entnommen aus der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes PS-Automobilreport) Letzte Änderung: 16.09.2007









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