Gastkommentar: Antreten zur Versöhnung

Beschlossene Sache also: Klimawandel! Dabei will gegen die Behauptung, dass es auf der Erde wärmer werden könnte, überhaupt niemand opponieren. Schließlich lässt die wissenschaftliche Beobachtung des Klimas über lange Zeiträume der Erdgeschichte erkennen, dass sich sogenannte Kalt- und Warmzeiten tatsächlich ablösten.

Eine neue Erscheinung ist folglich nicht, was möglicherweise zu unseren Lebzeiten einsetzt. Und schon gar nicht lässt sich beweisen, dass der Mensch beim Klimawandel seine Finger im Spiel hat. Weil es Klimaveränderungen ganz offensichtlich schon gegeben hat, als an einen homo sapiens noch nicht zu denken war.

Die Krone umweltpolitisch-ideologischer Narretei ist die Behauptung, dass der CO2-Ausstoß der Autos das Klima beeinflusse und für eine Erwärmung der Atmosphäre sorge, die Mensch Tier- und Pflanzenwelt unmittelbar umgebe. Hier wird's politisch! Eine zweckgebundene Argumentation. Macht man Erdenbewohnern nur ein schlechtes Gewissen, lässt sich - so glauben Politiker - moderner Ablasshandel aufziehen. Einst hieß es: "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt."

Zahlen fürs vermeintliche Sündigen! Heute heißt es zuerst: Autofahrer an die Umweltfront! Zuerst soll es automobilen Verbrennungsmotoren, den vermeintlichen CO2-Sündern, an den Kragen gehen.

Doch mittlerweile gerät die von der Politik propagierte klimapolitische Gegenwehr in Sachen CO2 zunehmend in die Bredouille. Kohlekraftwerke etwa müssten ganz oben auf der Abschussliste stehen, aber Atomkraftwerke, die den Energiespender Kohle weitgehend CO2-neutral ersetzen könnten, will die Koalition in Deutschland auf keinen Fall. Oder sagen wir besser so: Man sei an frühere Zusagen gebunden. Abwarten! Vorerst überlässt man die energiepolitische Zukunftsvorsorge Nachbarländern. Immer wieder stolpert die Politik über Hürden, die sie selbst einmal aufgestellt hat.

Die an Biokraftstoff geknüpften Erwartungen seien "zu optimistisch", hält der Naturschutzbund der Bundesregierung und der EU-Kommission vor. Die Potenziale von nachwachsenden Rohstoffen im Strom-, Wärme- und Kraftstoffmarkt würden offensichtlich "gleich mehrfach verplant". Dass Deutschland den Anteil an Biokraftstoffen bis zum Jahr 2020 sogar auf bis zu 20 Prozent erhöhen wolle, sei unrealistisch, wenn man ja gleichzeitig auch im Wärme- und Strombereich auf hohe Biomasseanteile setze, ist die NABU-Argumentation. Man kann sich ihr anschließen.

Die Deutsche Umwelthilfe setzt derweil ihre Attacken gegen die Automobilindustrie fort. Jetzt auf einem Pfad, der mit Komik gepflastert ist. Was DUH sonst von CO2 hält, ist hinreichend bekannt. Nun verlangt sie, dass Auto-Klimaanlagen umgehend "mit dem natürlichen Kältemittel CO2" befüllt werden. Die gegenwärtig eingesetzten fluorhaltigen Kältemittel (R 134a) belasteten "die Atmosphäre 1420-mal stärker als dieselbe Menge CO2". Und weiter: "Ausgedrückt in CO2-Äquivalenten, betrage die unnötige Mehrbelastung der Atmosphäre durch Auto-Klimaanlagen auf Basis von R 134a allein in Deutschland jährlich 2,6 Millionen Tonnen", zitiert die DUH ihren Bundesgeschäftsführer. Ergo: Man befülle Klimaanlagen mit CO2, einem "natürlichen und weltweit verfügbaren Kältemittel". Es habe das geringste Treibhauspotenzial. Außerdem müsse es "als natürliches Gas" bei der Verschrottung eines Autos "nicht aufwändig entsorgt" werden.

Mit CO2 lässt sich offenbar alles machen. Dass es erklärter Feind des Klimas, aber auch dessen Retter sein kann, weckt spontan das Bedürfnis, sich mit diesem vermeintlichen klimapolitischen Unhold - seit Monaten nur Schelte beziehend - eiligst zu versöhnen. (ar/PS/WR)

(Entnommen aus der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes PS-Automobilreport) Letzte Änderung: 22.07.2007









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