Gastkommentar: China - Sorge ums Geschäft

Spätestens beim Verinnerlichen listiger chinesischer Sprüche wird klar, dass man es mit einem Menschenschlag zu tun hat, dessen Seele nur schwer zu ergründen ist. Kostprobe? Der Chinese sagt: "Jedes Ding hat drei Seiten. Eine, die du siehst, eine, die ich sehe, und eine, die wir beide nicht sehen." Darauf kann man sich seinen Vers machen - oder auch nicht. Zurück bleibt der Eindruck einer geheimnisvollen Denkweise.

Dass chinesische Listen im Lande des Lächelns durchaus nicht als amoralisch gelten und gar zum Einmaleins erfolgreichen Managements gehören, ist bekannt. Vor Jahren hatte das "manager-magazin" auf den Fall Transrapid aufmerksam gemacht, der sich als typisches Beispiel für die westliche Listenblindheit gegenüber chinesischen Verhandlungspartnern erwiesen habe.

Jetzt könnte man, angesichts der nahenden Olympischen Spiele in Peking, hinter dem Fall Tibet eine Gelegenheit vermuten, die die chinesische Führung bewusst zu einer Machtprobe nutzen will. Natürlich weiß die KPC, dass der Westen, der die Menschenrechte einfordert, auf keinen Fall riskieren will, China als Markt und verlängerte Werkbank zu verlieren. Also wird man den Protest schon nicht auf die Spitze treiben. Schon lässt der Asien-Pazifik-Ausschuss (APA) der deutschen Wirtschaft verlauten: "Wir setzen auf Dialog statt Boykott." Der APA sorge sich, heißt es in einer Agenturmeldung, dass die chinesische Führung Aufträge für Großprojekte in andere, weniger kritische Länder vergeben könnte. Die angespannte Situation dürfte auch Automobilhersteller beschäftigen, die in China Fuß gefasst haben.

Wie wird der Streit enden? Man muss davon ausgehen, dass ein Boykott der Olympischen Spiele auch das gerade erwachende Selbstbewusstsein des chinesischen Volkes erschütterte und dessen Stolz verletzte. Das könnte auch zum Imageverlust ausländischer Firmen und Marken führen. Vor Augen halten sollte man sich, dass nach Angaben der Bundesbank mehr als 3000 deutsche Firmen allein 2007 in China 1,5 Milliarden Euro investierten. Der Vorstellung, dass das Tibet-Thema zum Olympiaboykott und zu Wirtschaftssanktionen führen könnte, begegnen Investoren verständlicherweise mit gemischten Gefühlen.

Zu einem Boykott der Olympischen Spiele wird es nicht kommen. Ein schlechtes Argument bleibt es aber allemal, dass der Sport "außen vor" bleiben sollte. Der versuchte Spagat aber, auf Menschenrechte zu pochen und gleichzeitig ersprießliche Geschäfte bewahren zu wollen, ist von vornherein nicht medaillenwürdig. (ar/PS/WR)

(Entnommen aus der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes PS-Automobilreport) Letzte Änderung: 20.04.2008









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