Gastkommentar: CO2-wertig? Alles relativ!

Bleibt die gebotene Verhältnismäßigkeit bei der Einschätzung lauernder Gefahren für Gesundheit und Leben auf der Strecke, wird die Debatte unsachlich. Prompt steht der Vorwurf im Raum, dass da wohl gezielt Partei in dieser oder jener Richtung ergriffen werden soll. Und leider ist es eine menschliche Neigung, das Kind gern mit dem Bade auszuschütten, wo immer sich vermeintlich Ungereimtes abzeichnet, das aus der Welt geschafft werden soll.

Wenn neuerdings vorwurfsvoll mit dem Finger auf Automobile gezeigt wird, weil deren Verbrennungsmotoren neben Schadstoffen auch CO2 ausstoßen - für manchen offenbar überraschenderweise - haben wir einen solchen Fall. Vom Menschen produziertes Kohlendioxid geriet in Verdacht, auf der Erde einen spürbaren Klimawandel auszulösen.

Nahe liegt ein Zwischenruf: Ist es nicht verantwortungslos, dass von Klimaexperten gedopte Politiker solchen Zusammenhang erst jetzt offenbaren? Es sei fünf vor zwölf, sagen sie, und räumen auch sich selbst nur noch wenig Zeit ein, um etwas gegen den vermeintlich drohenden Klimawandel zu unternehmen. Wer hat denn da bisher geschlafen? Offenbar genossen andere, wichtigere Hiobsbotschaften immer wieder Vorrang.

Nun aber ran an den Feind, weg mit Autos, die sich, CO2-grenzwertig gesehen, völlig danebenbenehmen! Eine Richtlinie, nach der Pkw mit großen, kräftigen Motoren schnellstens ausgemustert werden sollen, wird von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas vorbereitet. Rücksicht auf eine nationale griechische Automobilproduktion braucht er nicht zu nehmen. Es gibt keine. Da lässt sich leicht ausrechnen, wie unbefangen solch ein Mann darangeht, an entsprechender Order zum vorbeugenden Killen automobiler Leitwölfe mit hohem CO2-Ausstoß zu basteln.

Noch ist offen, ob sich Dimas etwa die einigermaßen alberne Vorstellung eines einheitlichen, marken- und modellübergreifenden Kohlendioxid-Grenzwertes zu eigen macht, auf die dem Vernehmen nach französische, spanische und italienische Automobilhersteller setzen. Aus gutem Grund. Im automobilen Oberhaus regieren andere. Die Premiumliga mit entsprechend stattlicher Motorpower hat in Deutschland ihre Heimstatt.

Soll per Dekret der Bau von großkalibrigen Autos nicht grundsätzlich verboten werden, was die Brüsseler Kommission doch wohl nicht ernsthaft erwägt, kann es nicht anders sein, als dass auch bei der Festlegung von CO2-Grenzwerten das Prinzip der Verhältnismäßigkeit gilt. Das hieße: niedrigere Grenzwerte für schwächer motorisierte Kleinwagen, höhere für Autos größerer Dimension mit kräftigeren Triebwerken. Die CO2-Grenzwerte nach Größenklassen der Autos zu staffeln, wie das EU-Industriekommissar Günter Verheugen fordert, ist der einzig plausible Weg, Automobilherstellern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Allerdings hat das Brüsseler Diktat schon öfter jede überzeugende Logik vermissen lassen. Vom blinden Ehrgeiz, möglichst alles in Europa einheitlich zu regeln, kommen die EU-Bürokraten offenbar einfach nicht los. Mit immer neuen Ausbrüchen ihrer Regelungswut dürfte vor allem unter der Parole "Umweltschutz" zu rechnen sein. Zunehmend kommt "Grenzwertiges", das Gegenwehr geradezu provoziert, aus Brüssel.

Sich gegen Unsinniges zur Wehr zu setzen, ist des Bürgers und der Länder Recht. Noch lässt sich Widerstand nur in zaghaften Ansätzen ausmachen. Das kann, das wird sich ändern. (ar/PS/WR)

(Entnommen aus der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes PS-Automobilreport) Letzte Änderung: 10.06.2007









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