Gastkommentar: Die Autoindustrie muss Flagge zeigen, auch gegen den Wind

Wahrnehmung ist Wirklichkeit. Und da kann jetzt die deutsche Autoindustrie noch so viele "klimafreundliche" Autokonzepte auf die IAA stellen: Der (einer wirklichen Grundlage entbehrende!) Eindruck bleibt, dass sie erst nach langem Zögern auf sparsame Automodelle setzt. Selbst in gewöhnlich gut unterrichteten Fachzeitschriften liest man, dass "endlich Sparmodelle auf der Entwicklungsagenda der Hersteller" stünden.

Keine Rede in der öffentlichen Wahrnehmung davon, dass die Hersteller durch die Bank seit Jahren sehr erfolgreich den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch ihrer Neufahrzeuge reduziert haben. Allein seit 1990 um 25 Prozent. Und das bei immer mehr eingebauter Sicherheit und Komfort, die beide das Gewicht und damit den Verbrauch erhöhen. Die Autoindustrie steht in diesem Jahr auf der Frankfurter IAA auf jeden Fall am Pranger. Egal, wie viele Sparmodelle auf den Ständen stehen.

Die Autohersteller sollten aufhören, den Versuch zu machen, sich den Forderungen von Umweltverbänden, Politik, Klimahysterikern und radikalen Autofeinden zu beugen! Die Autoindustrie muss Flagge zeigen! Vieles, was in Frankfurt zu sehen sein und angekündigt werden wird, ist eher der politischen Korrektheit geschuldet denn der ökonomischen oder ökologischen Vernunft. Warum soll ein sparsamer Diesel, der in Summe weniger Kraftstoff verbraucht als beispielsweise ein Hybrid, weniger klimafreundlich sein als der moralisch besser dastehende Hybrid? Unsere Automobilhersteller müssen klar sagen, was geht und was nicht geht. Die EU-Zielvorgaben als "äußerst ambitioniert" zu bezeichnen, reicht nicht aus. Die Hersteller dürfen sich vor allem moralisch nicht in die Sünder-Ecke treiben lassen. Sie haben schon viel geleistet. Doch die Autokritiker werden erst dann Ruhe geben - wir wiederholen uns -, wenn das Autofahren aufhört.

Man darf und muss sich aber fragen, warum das Image der deutschen Hersteller in Sachen Umweltfreundlichkeit so gelitten hat. Da gibt es nur eine Antwort: Sie hat nicht versäumt, Gutes zu tun, aber es unterlassen, viel darüber zu reden. Auch Öffentlichkeitsarbeit ist eine Frage der Nachhaltigkeit. Wer nur mal kurz ein PR-Strohfeuer entzündet, das Thema in den Medien dann über Monate einschlafen lässt, darf sich nicht wundern, wenn er schließlich wieder von vorn anfangen muss.

Dass die deutschen Hersteller jetzt in einer gemeinsamen Anzeigenkampagne des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) gemeinsam auftreten, ist ein richtiger, lange überfälliger Schritt. Er ist ein positives Signal zur IAA, ein Zeichen von Selbstbewusstsein. Dennoch werden sie auf der IAA keinen leichten Stand haben. Auch wenn der Erfolg auf den weltweiten Märkten vor allem den Premiumherstellern zuzurechnen ist. Im Luxussegment gibt es keine Kleinwagen, die mit drei Liter Sprit auskommen.

Da überrascht es schon, dass ausgerechnet der Chef der Deutschen Umwelthilfe liebsten Autofirma, Christian Streiff vom PSA-Konzern (Citroën und Peugeot), die CO2-Ziele der EU klar und unzweideutig "völlig unrealistisch" nennt. "Die 130 Gramm im Jahr 2012 sind nicht erreichbar", redet er nicht um den heißen Brei herum. Er fordert von der Brüsseler Eurokratie "realistischere Zielvorgaben". Und das sagt ein Hersteller, der überwiegend sparsame Kleinwagen anbietet! Und was tut die französische Regierung bzw. der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy? Er stellt sich hinter den Autochef.

Und wie sieht es in Deutschland aus? Natürlich ist es im Lande der Gutmenschen Pflicht, auf die böse Autoindustrie einzuprügeln und den umweltpolitischen Musterknaben zu mimen. "Umweltminister Sigmar Gabriel droht den Autobauern bei zu viel CO2-Ausstoß mit Strafzahlungen", lautet die Botschaft einer Schlagzeile. Und das von einem Politiker, der sich nicht scheut, einen 16-sitzigen Jet für sich allein durch Europa fliegen zu lassen. Wo ist die Moral dieses Moral-Apostels?

Abgesehen von seiner persönlichen Energiebilanz ist es leider eine deutsche Krankheit, die Leistungen des eigenen Landes schlechtzureden und schlechtzumachen.

Dass auch die deutschen Hersteller mehr oder weniger deutlich auf Distanz zu den Zielen für 2012 gehen, hält Gabriel gar für "unerträglich" und erklärt in seiner permanenten Drohhaltung: "Wir wollen und werden von dem Zeitplan nicht abweichen. Wir werden den Druck nicht vom Kessel nehmen." - Man muss sich schon fragen, warum die Politiker im Land der Erfinder des Automobils gegenüber diesem Exportmotor eine geradezu feindselige Haltung einnehmen. Herr Sarkozy käme nie auf die Idee, auf wichtige Teile seiner Wirtschaft einzuprügeln. Bei uns gehört es zum guten Ton.

Da fehlte es gerade noch, dass sich die Deutsche Umwelthilfe pünktlich zur IAA mit einem absurden Vorschlag zu Wort gemeldet hat: "Wir müssen nun über nationale Zulassungsverbote für Klimakiller-Pkws nachdenken." Forderungen nach einer Verzögerung der Grenzwertfestsetzung dürfe die EU-Kommission keinesfalls nachgeben. Und der Verband zeichnet bereits auf, wohin die Reise bis 2020 gehen solle: Bis dahin müsse der durchschnittliche Verbrauch auf 80 g CO2/km abgesenkt werden. Wunderbar, dass dann die europäischen Autohersteller nur noch Fahrzeuge der Größenordnung smart und Fiat 500 bauen dürfen! Die Automärkte der Welt mit ihren gestiegenen Ansprüchen brauchen auf Luxuswagen dennoch nicht zu verzichten. Denn bis dahin liefern die Chinesen nicht nur Luxusautomobile auf höchstem Niveau, sie werden auch in Sachen Sicherheit auf dem neuesten Stand sein. Gut, dass die deutsche Entwicklungshilfeministerin pro Jahr 68 Millionen Euro Entwicklungshilfe nach China überweist, um der Volksrepublik bei der Entwicklung ihrer Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Wahrscheinlich wird dieser Betrag künftig aus den von Gabriel geforderten Strafsteuern für die Nichteinhaltung der EU-Grenzwerte finanziert. Armer Industriestandort Deutschland. (ar/PS/HU)

(Entnommen aus der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes PS-Automobilreport) Letzte Änderung: 09.09.2007









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