Gastkommentar: Klimahysterie kontra Verkehrssicherheit

Die Politik dreht durch. Anders kann man es nicht nennen, wenn man die Ideen zur Gängelung und Bevormundung der Bürger allein der letzten Woche unter die Lupe nimmt. Da fordern die Grünen im Berliner Senat, die in Gartenlokalen und Straßenrestaurants selbstverständlich gewordenen "Heizpilze" zu verbieten.

Felicitas Kubala, umweltpolitische Sprecherin der Fraktion, kritisiert, dass "diese Energiefresser bis 3,5 Kilogramm CO2 pro Stunde" ausstießen. "Bei 5000 Heizpilzen in der Stadt bedeutet dies: 10 000 zusätzliche Tonnen CO2 in die Atmosphäre und für den Klimawandel - das entspricht der Jahresemission von 5000 Autos."

Jetzt will der Berliner Senat prüfen, ob der Betrieb dieser Heizgeräte verboten werden kann. "Bis dahin hoffen wir auf die Einsicht der Gastronomen und Gäste, dass nicht bei jedem Wetter der latte macchiato im Freien getrunken werden muss. Dem Klimaschutz zuliebe." Die Bürger sollen sich wieder einmal vorschreiben lassen, was sie wie zu tun und was zu lassen haben.

Ein ähnlicher Bevormundungsskandal zeichnet sich in Sachen Klimaanlagen in Autos ab. Die Berliner Umweltsenatorin von den Linken, Katrin Lompscher, hat jetzt die Kriterien für das Leasen oder den Kauf neuer Dienstfahrzeuge verschärft. Dass sie dabei an die Abgase und den Verbrauch denkt, könnte man ja noch verstehen. Sie will aber auch noch die Klimaanlagen in Automobilen verbieten.

Dass ein kühler Kopf im sommerlichen Hitzestau auch ein sicherheitsrelevantes Element ist, wird dabei völlig ausgeblendet. Nur dem Regierenden Bürgermeister und dem Innensenator soll noch eine Klimaanlage im Dienstwagen zugestanden werden - wegen der besonderen Sicherheitskriterien, die ein gepanzertes und deshalb schweres Auto erfordern. Allerdings ist der Zusammenhang zwischen klimatisiertem Innenraum und dem Gewicht eines gepanzerten Fahrzeuges nicht sehr plausibel. Wahrscheinlicher ist, dass Regierungschef Wowereit es einfach abgelehnt hat, künftig schwitzend bei seinen vielen Terminen anzukommen.

Wenn Schule macht, was die Linken hier durchsetzen, dann könnte so eine Schnapsidee "zur Rettung des Weltklimas" schnell bundespolitische Tragweite entwickeln. Es wird nicht lange dauern, bis irgendein Klimaretter dazu auffordert, Klimaanlagen in Pkws ganz zu verbieten. Und damit wird die Bevormundung nicht zu Ende gehen. Wann wird vorgeschrieben, welche Temperaturen in unseren Wohnungen erlaubt sind, wie warm das Badewasser sein darf und wie oft wir duschen dürfen?

Die Klimaanlage im Auto zu verbieten, käme dem Verbot wichtiger Sicherheitsfeatures gleich. Warum denn nicht auf ESP oder ABS verzichten, die unnötig Gewicht kosten und damit zu Mehrverbrauch führen? Jahrelang haben wir uns bemüht, die Klimaanlage nicht als Luxusartikel, sondern als eine die Verkehrssicherheit steigernde Technik zu vermitteln. Was sie ja wirklich ist. Dass sie nun offiziell von der Politik geächtet wird, müsste eigentlich einen lauten Aufschrei auch des VDA, sämtlicher Automobilhersteller und Verkehrsexperten nach sich ziehen. (ar/PS/HU)

(Entnommen aus der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes PS-Automobilreport) Letzte Änderung: 22.07.2007









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