Glosse: Etikettenschwindel

Da lässt in diesen Tagen die Deutsche Eisenbahn Versicherung (Warum wohl gerade die?) von ihrer PR-Agentur jubeln, nun endlich sei dem deutschen Autokäufer der Klimaschutz wichtiger als der Preis, den er für sein neues Auto zahlen soll. Nach der repräsentativen Umfrage, die TNS Infratest für den Versicherer durchgeführt hatte, halten heute vier von fünf Autofahrern das Thema Klimaschutz für wichtig oder sehr wichtig.

Wenn man den Begriff "Klimaschutz" durch den Begriff "Benzinpreis" ersetzt, entlarvt sich dieser PR-.Ansatz selbst. Den Leuten sind Benzin und Diesel schlicht zu teuer. Kein Wunder, wenn sie deswegen den Kraftstoffverbrauch des neuen Autos höher gewichten als früher. Kein Wunder auch, wenn sich mehr als 80 Prozent der Befragten als "umweltbewusste Autofahrer" bezeichnen. Kennen Sie jemanden, der das nicht tun würde?

Doch bekannten sich bei der Umfrage erstaunlicherweise fast 21 Prozent der Befragten dazu, sich nicht umweltbewusst zu verhalten, und mehr als die Hälfte der Befragten haben noch nicht darüber nachgedacht, sich beim Wechsel für ein umweltfreundliches Auto zu entscheiden. Das sind entweder die Rad- oder Bahnfahrer oder auch diejenigen, die sich zur Zeit kein neues Auto leisten wollen oder können und vielleicht auch ein paar, für die der Kraftstoffpreis keine Rolle spielt.

All denen kann man auch mit der berüchtigten Forderung nach "fünf Mark pro Liter" nicht beikommen. Aber man kann sich wundervoll profilieren, indem man das rasante Zunehmen des Benzinpreises als den Weg hin zum umweltfreundlichen Automobil erklärt. Das ist offenbar die Botschaft hinter dieser Meldung der Eisenbahnversicherung. Man will den "ÖkoGlobe, Deutschlands ersten Umweltpreis für die Automobilindustrie", verleihen. Wer wird den denn im Herbst verliehen bekommen? Die Mineralölindustrie? (ar/Sm)

Letzte Änderung: 04.06.2008









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