Glosse: Völlig losgelöst

George Lucas war es vermutlich, der mit seinem Zukunftsepos "Krieg der Sterne" die Marketing- und Werbeexperten ermutigt hat, eine neue Sprache zu erfinden. Seine putzigsten Blech-Geschöpfe, seine "running gags", hießen "R2D2" und "3PO". Wenn man das englisch ausspricht, ergeben sich wohlklingende Lautkombinationen voller Vokale. Das Schriftbild war im Film ohne Interesse. Es zählte nur der Klang.

Dem sind Marketing- und Werbeexperten gern gefolgt, indem sie einen Haufen Geld in Namenfindungsagenturen steckten. Viele neue Unternehmensnamen entstanden so, wie Arcandor oder Infineon. Sinnfrei durfte der neue Name sein, schreibbar sollte er sein, aber eigentlich zählte nur der gute Klang - und das möglichst international.

Jetzt geht die Autoindustrie noch einen Schritt weiter, schafft Buchstabengruppen, kombiniert sie mit sinnlosen Satzzeichen und hofft darauf, dass der Kunde einen Sinn ahnt, wenn er sich mit der englischen Aussprache versucht. Wieder gilt: sinnfrei darf, Klang muss - und wenn es obendrein bei den wenigen des Englischen wirklich mächtigen Weltbürgern eine passende Assoziation auslöst, hat man als Namengeber einen guten Job hingelegt.

Was zum Beispiel mein "pro_ceed"? Wenn man sich das mit geschlossenen Augen vorsprechen lässt, könnte man meinen, es hätte etwas mit Saatgut zu tun, im übertragenden Sinne vielleicht mit Zukunft. Und Pro klingt sowieso positiv.

Das Kommando "up!" kenne ich nur aus amerikanischen Soldatenfilmen und würde im Deutschen wohl mit "Sprung auf! Marsch! Marsch!" übersetzt werden. Es kann sich aber auch um eine - zugegeben äußerst knapp ausfallende - Bitte an einen Liftboy handeln. Vielleicht soll es also symbolisieren, dass es mit dem Unternehmen wieder aufwärts geht. Vielleicht wird in einem solchen Namen aber auch eine unterschwellige Kritik am Führungsstil geübt.

Namen wie diese zu erfinden, erfordert ein hohes Maß an kreativer Losgelöstheit von allen Regeln. Einen hohen Intelligenzquotienten braucht es dafür nicht. Böse Zunge behaupten sogar, bei solch kreativen Prozessen sei nicht hinderlicher als ein hoher IQ. Hallo, das ist doch auch so eine Abkürzung, mit der sich etwas anfangen ließe. Die klingt sogar in Deutsch (Ihkuh) und in English (Eiquh) gut. Wenn man dann noch die Schreibweise so mixt, dass die auf jeden Fall auffällt, dann ist die Sache doch mal wieder gegen alle Regeln "geritzt". Wie wär's mit "Iq" oder "iQ". Wäre das nicht mal ein hübscher Name für ein Zukunftsauto? (ar/Sm) Letzte Änderung: 16.03.2008









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