GM-Europastrategie: Im Westen Klasse - im Osten Masse

General Motors sieht sich mit seinen Marken für das Geschäft in Europa gut aufgestellt. Im Osten suche man das Wachstum über die Menge, erklärte Jonathan Browning, Vizepräsident Vertrieb, Marketing und Aftersales bei General Motors Europe und Chairman der Vauxhall Motors Ltd. Im Westen gehe es darum, den erzielten Umsatz pro Fahrzeug und die Handelsspanne zu verbessern, berichtete Browning aus Anlass der Kongresses der Fachpublikation Automotive News Europe in Prag.

Die Kaufkraft in Europa sei - so Browning - extrem unterschiedlich. Setze man das Bruttosozialprodukt von Deutschland mit 100, dann erreiche die Türkei 15 Prozent und die Ukraine nur fünf Prozent davon. Darauf habe GM mit seinem Markenportfolio reagiert, wobei Überschneidungen nicht auszuschließen seien. "Daraus muss man eben das Beste machen."

GM brauche die Markenvielfalt, weil man eine Marke nicht so weit spreizen könne, dass sie die Bedürfnisse in allen Märkten gerecht werde. Chevrolet sieht man als Marke für den preissensiblen Markt. Opel und Vauxhall bedienen die Mitte und Hummer sowie Saab das Premiumsegment. Browning ließ keinen Zweifel daran, dass er für die Marke Saab unter dem GM-Dach eine große Zukunft sieht. Sie biete noch viele Möglichkeiten, auch über Europa hinaus.

Auch für Cadillac sieht Browning in Europa Chancen. Man werde den Markt sehr vorsichtig aufbauen. Browning sieht die Präsentation des Cadillac CTS als Zwischenbilanz, bei der man feststellen wolle, wie weit der Markenaufbau bereits fortgeschritten sei. Aber offenbar wünscht sich Browning noch mehr Marken, die dem Premium- und dem von GM sogenannten Value-Segment zugerechnet werden könnten. Experten sehen GM als einen der Interessenten, die von Ford die Marke Jaguar erwerben wollen.

Seit GM im Westen Europas sein Kostensparprogramm begonnen hat, wurden insgesamt 30 000 Arbeitsplätze abgebaut, was etwa zwei Drittel des Spareffekts ausmacht. Das gesamte Programm habe die Marge pro Autokauf seit 2004 um etwa 15 Prozent gesteigert. Im Westen sei der Umsatz pro verkauftem Fahrzeug seit 2004 um 16 Prozent gewachsen. Zum Bemühen um eine bessere Qualität gehöre auch ein Abbau des kurzfristigen Flottengeschäfts. Der betrug - laut Browning - seit 2004 rund 20 Prozent.

Browning erläuterte die Politik zur Verbesserung der Margen am Beispiel des Astra GTC. Während vielfach noch Dreitürer zum Fünftürer-Preis abzüglich der beiden Türen angeboten würden, beschreite GM einen anderen Weg. Man habe den Dreitürer sportlicher gestaltet und erziele jetzt 1850 Euro mehr für den GTC als für den entsprechenden Fünftürer.

Im Osten gehe es um die Menge der verkauften Fahrzeuge, damit man die notwendige Infrastruktur aufbauen könne. Diese Aufgabe übernimmt Chevrolet. Seit 2001 habe man im Osten rund 505 000 Chevrolet verkauft. Browning rechnet damit, dort auch die Eine-Million-Marke überspringen zu können. Dabei soll Russland eine besondere Rolle spielen. Dort gibt es inzwischen 130 GM-Händler. Mit 240 000 Fahrzeugen aller Marken im laufenden Jahr ist Russland auf dem Weg, nach Deutschland und Großbritannien für GM der drittgrößte Markt in Europa zu werden. (ar/Sm) Letzte Änderung: 26.06.2007









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