Hintergrund: "Billigheimer" gehen in die Offensive

Der Dacia Logan ist ein Renner. Renaults Rechnung, ein Billigauto für die Weltmärkte zu kreieren und selbst damit Geld zu verdienen, scheint aufzugehen; allen pessimistischen Vorhersagen zum Trotz, die vorab in der Branche und bei den Medien die Runde machten. Es ist, als sei der Logan geradezu eine Provokation für die Autobranche. Prompt sieht man sich herausgefordert, ein Auto zu noch erschwinglicherem Preis anzubieten.

Genau das passiert. Und schon ist der Ehrgeiz entbrannt, in Aussicht gestellte Preise ein weiteres Mal zu unterbieten. Was, fragt man sich, soll am Ende dabei herauskommen? Der Vorgang ist amüsant. Dass andere Automobilhersteller nicht ungerührt zugucken würden, wenn Renault ein Auto, den kompakten Dacia Logan, für weniger als 10.000 Euro anbietet, war zu erwarten. Der beeindruckend florierende Absatz der Limousine und des Kombis MCV hat manche Marke offenbar regelrecht aufgeschreckt.

Es kam, was kommen musste: Der Ehrgeiz entbrannte, die gefragte Billigtour noch besser hinzukriegen als Renault. Natürlich weiß man, dass das nicht leicht wird, ist der Logan ja keineswegs ein kleines gedrungenes Auto. Die Kombiversion lässt sich sogar zum Siebensitzer machen. Obendrein werden dem Dacia von der Fachpresse "solide Technik" und ein "sensationeller Preis" bemerkenswert einstimmig bescheinigt.

Einem Dominoeffekt gleich stieß das Erscheinen dieses Autos den Entwurf konkurrierender Konzepte bei anderen Marken an. Hauptziel: Der Preis sollte noch einmal deutlich unterboten werden. Tata, indischer Mischkonzern, und Fiat beeilten sich, gemeinsam ein Auto aus der Taufe zu heben, das nicht mehr als 2500 US-Dollar kosten sollte. Wer würde es kaufen? - Im Blick hat man solche Autoanwärter, die heute lediglich ein Motorrad oder einen Motorroller besitzen und sich vermutlich in absehbarer Zeit auch noch keinen Logan leisten könnten.

Die Motivation zum Bau eines kleinen Autos, das noch wesentlich leichter bezahlbar ist als ein Dacia, hat mittlerweile auch andere Marken erfasst. Diese Aktivitäten wertet Carlos Ghosn, nach wie vor Renault- und Nissan-Chef in einer Person, als Herausforderung. In kürzester Frist, innerhalb von zwei Jahren, soll nun ein schnell gefasster Beschluss verwirklicht werden. Renault baut zusammen mit Nissan und dem indischen Automobilunternehmen Mahindra & Mahindra einen "Superpreiswert"-Viertürer. Dank der Verwendung besonders kostengünstiger Materialien und auf die Spitze getriebener Produktionseffizienz werde das Gefährt wirklich extrem preiswert sein, heißt es. Als Absatzmarkt für ein so konzipiertes Billigauto werde nicht nur Indien gesehen. Osteuropa, Länder des Mittleren Ostens und Südamerika kämen ebenso infrage.

Renault ist davon ausgegangen, dass sich die Fertigung eines Billigautos erst rentiert, wenn das in sehr großem Umfang und an mehreren Standorten geschieht. Im Fall Dacia ist man dazu auf bestem Wege. Inzwischen wird das Auto sogar im Iran und in Russland gebaut. Mit den kommenden automobilen "Billigheimern" wird das Geldverdienen für die Bauherren noch mühsamer. Vermutlich aber geht auch deren Rechnung irgendwann auf. Ein neues Auto, das gegebenenfalls weniger kostet als so manches gar nicht mal großes Motorrad, dürfte es kaum schwer haben, Interessenten zu finden.

Durchaus vorstellbar ist, dass es weltweit Marken geben wird, die eines Tages bedauern, der von Renault gelegten Billigauto-Spur nicht entschlossen gefolgt zu sein. (ar/PS/WR)

(Entnommen aus der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes PS-Automobilreport)
Letzte Änderung: 12.08.2007









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