Hintergrund Energie 1: Wasserstoff-Sackgasse?
Im Jahr 1974 gab das damalige Forschungsministerium unter dem Eindruck der Ölpreiskrisen eine sorgfältig recherchierte Studie heraus ("Neuen Kraftstoffen auf der Spur"), in der auch Wasserstoff als Ersatz für Benzin und Diesel untersucht wurde. Die Autoren haben Energieaufwand und Kosten für flüssigen und gasförmigen Wasserstoff errechnet. Danach müsste beim damaligen Stand der Stromerzeugung für die Umstellung auf eine Wasserstoffwirtschaft die 6,4-fache Menge elektrischer Energie aufgewendet werden. "Dieses Verhältnis sollte auch bei einer Extrapolation auf die Jahre 1990 und 2000 noch gültig sein", war zu lesen.
Daran hat sich bis heute nichts geändert, denn nach wie vor werden zur Elektrolyse von einem Kubikmeter gasförmigen Wasserstoffs aus Wasser 4,5 Kilowattstunden Strom benötigt. Für die Gewinnung von Wasserstoff muss also erheblich mehr Energie aufgewendet werden als der Wasserstoff enthält. Bei Lagerung und Transport geht Wasserstoff verloren, sodass etwa ein Brennstoffzellenauto nur einen Bruchteil des erzeugten Wasserstoffs in Vortrieb umsetzen kann. Die Energiebilanz spricht jeder Vernunft Hohn. Aus der einstigen Brennstoffzellen-Hochburg in Stuttgart - Mercedes - sind seit einiger Zeit auch keine Wasserstoff-Jubelarien mehr zu hören.
Angesichts der katastrophalen Energiemisere, in die unsere derzeitige Regierung wegen der angeblichen "Klimakatastrophe" hineinsteuert, verbietet sich jeder Gedanke an Wasserstoff. Werden unsere sicheren Kernkraftwerke gegen jede Vernunft tatsächlich abgeschaltet, hinterlassen sie ein nicht schließbares Loch in der Energieversorgung, das nur notdürftig durch neue Kohlekraftwerke gestopft wird. Die schon heute viel zu hohen Strompreise werden unablässig weiter steigen, demnächst verstärkt durch den unsinnigen Emissionshandel. Er ist nichts anderes als eine zusätzliche Steuer, die von den Stromherstellern in voller Höhe an uns ohnmächtige Bundesbürger durchgereicht wird. Umweltminister Gabriel erhält dagegen rund 800 Millionen Euro, um weitere Projekte zu fördern. Was wir an Strom künftig nicht mehr selbst erzeugen können, kaufen wir dann einfach von den französischen Kernkraftwerken, was offensichtlich keinen Ökofreak stört. Die "erneuerbaren Energien" dagegen sind niemals in der Lage, auch nur die Kernenergie zu ersetzen, geschweige denn die Kohlekraftwerke gleich mit.
Nirgendwo zeigt sich der gerade Weg aus der Markt- in die Planwirtschaft so deutlich wie im Energiebereich. Stück für Stück wird die Marktwirtschaft ausgehebelt, bis von ihr nichts mehr übrig bleibt - die DDR lässt grüßen! Die Leidtragenden sind wir, das Volk, das sich nicht wehren kann.
Die Stromerzeugung ist nur ein Teil der Energiewirtschaft, die Kraftstoffbereitstellung ein zweiter. Auch hier wurde die Marktwirtschaft bereits durch das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) untergraben. Die unsinnigsten Fördermaßnahmen haben dafür gesorgt, dass von der hoch gelobten Biomasse bald nichts mehr übrig ist. Sie wird mit oftmals miserablem Wirkungsgrad durch unwirtschaftliche Verfahren verschleudert, die unter marktwirtschaftlichen Bedingungen niemals entstanden wären. Dennoch können die fossilen Energieträger nicht einmal im Ansatz ersetzt werden.
Diesem Zustand wird auch BTL, Biomass to Liquid, synthetischer Dieselkraftstoff aus Biomasse nach dem Choren-Verfahren, von VW "Sunfuel" genannt, zum Opfer fallen, denn es gibt bald keine verfügbare Biomasse mehr. Sie hat sich längst "ökologisch sinnvoll" in Rauch aufgelöst, hat - siehe Mais- und Rapsanbau - Nahrungspflanzen von den Feldern verdrängt, wurde zu minderwertigem Biodiesel der 1. Generation und Alkohol umgewandelt oder in Biogas.
Die Bauern verbrennen in zunehmenden Mengen Weizen, weil das billiger ist als das teure Heizöl. Die private Holzheizung wird bald an ihre Grenzen stoßen, weil die Holzpreise stetig steigen und die Kosten einer Öl- oder Gasfeuerung nicht nur erreichen, sondern übersteigen werden. Nur nebenbei soll erwähnt werden, dass die Holzheizungen heute bereits mehr Feinstaub produzieren als alle Straßenfahrzeuge zusammen. Aber das Verfeuern von Holz ist ja "ökologisch sinnvoll"!
Die Hoffnung der Motorenentwickler richtet sich darum auf GTL (Gas to Liquid), von dem nach VW-Forscher Wolfgang Steiger im Jahr 2015 weltweit bereits 30 Millionen Tonnen zur Verfügung stehen werden - mit steigender Tendenz. Bis auf die CO2-Bilanz sind BTL und GTL identisch, denn auch GTL ist ein synthetischer Dieselkraftstoff höchster Qualität. Er ist die Voraussetzung, um den Diesel wieder sparsamer zu machen und Schadstoffe im Abgas nahezu vollständig zu vermeiden. Er ist aber auch Voraussetzung zur Verschmelzung von Otto- und Dieselmotor, die sich schon heute aufeinander zu bewegen.
Das von VW "CCS" genannte Verfahren wird sowohl von den Wolfsburgern wie auch Mercedes mit Hochdruck vorangetrieben. Wir haben einen solchen VW TDI bereits gefahren, der in einem recht großen Bereich des Kennfeldes homogen lief und rund acht Prozent sparsamer war als heutige Diesel. Alle Beteiligten, einschließlich Bosch, sind der Ansicht, ein homogen betriebener Diesel könnte gegenüber dem heutigen Stand rund 15 Prozent sparsamer sein.
Wichtig auch, dass er im homogenen Bereich weder Stickoxide noch Partikel im Abgas enthält. Eine der Voraussetzungen dafür ist die Einführung der Drucksteuerung des Verbrennungsprozesses, die im kommenden Jahr erfolgen wird, eine weitere die Einführung der verbesserten Abgasrückführung. Schon vor einigen Jahren hatte uns Pierburg von der Aufteilung der Rückführung in einen Niederdruck- und einen Hochdruckkreis berichtet, was bei Forschungs- und Versuchsfahrzeugen von VW bereits erprobt wird.
Es ist bekannt, dass sich die VW- Forschung zum Fahren mit Wasserstoff stets sehr zurückhaltend bis negativ geäußert hat, denn in Wolfsburg wird neben der Brennstoffzelle auch die Batterietechnik intensiv verfolgt. Das Thema war VW so wichtig, dass man zusammen mit Degussa und dem Spezialisten für Elektrodenwerkstoffe Chemetall in Münster eine Stiftungsprofessur einrichtete, in der an der Weiterentwicklung der Batterietechnik geforscht wird. Und die bleibt bei der heutigen Lithium-Ionen-Batterie nicht stehen. Die Forscher kennen längst deren Schwachpunkte und sind nun dabei, die Elektroden zu verbessern. Degussa hatte bekanntlich eine Keramik-Trennmembran entwickelt, die der erste Schritt zur Herstellung von großen Batterien dieser Art war.
VW-Forscher Steiger hält es für möglich, die Leistung einer herkömmlichen Li-Ionen-Batterie mit neuartigen Elektroden und vielleicht auch einem neuartigen Elektrolyten mindestens um das Dreifache, vielleicht aber auch um das Zehnfache zu übertreffen. Wenn das gelingen sollte, würde die Reichweite von Elektroautos die von Wasserstoffvehikeln in den Schatten stellen, und der Preis für den Antrieb würde nicht auf Brennstoffzellenhöhen klettern.
Die Geschichte hat nur einen Haken, nämlich den elektrischen Strom. So wie die Herstellung von Wasserstoff riesige Strommengen fressen würde, die wir nicht haben, stoßen batteriebetriebene Autos gegen die gleiche Barriere. Denn das uns von der vorigen und der jetzigen Regierung eingebrockte Energieszenario lässt für die Umstellung etwa auf eine steigende Zahl von Elektroautos keinerlei Spielraum. Nicht nur unseren gegenwärtigen Kernkraftwerken müssten die Laufzeiten verlängert werden, es müssten heute schon weitere geplant und in absehbarer Zeit gebaut werden.
Hat in Deutschland die Mär von der "menschengemachten Klimakatastrophe" den Verstand aus den Köpfen mancher Politiker etwa gänzlich verdrängt?
(ar/CB)
(Entnommen aus der aktuellen Ausgabe des Brnachen-Informationsdienstes PS-Automobilreport) Letzte Änderung: 30.06.2007
Leser dieser News interessierten sich auch für folgende Themen:
- Continental investiert 58 Millionen Euro
- EuroNCAP benennt neuen Generalsekretär
- Beim Audi R8 packen auch ältere Mitarbeiter an
- Kommentar: Heilsamer Schock
- Opel setzt auf emissionsarme Ecoflex-Modelle


