Hintergrund: Tanken für die Hälfte?
Nachdem der Rohölpreis im Laufe des Jahres stark angezogen hatte, stieg die Nachfrage nach Flüssiggas-Fahrzeugen drastisch. Sie sind noch weit vor Erdgas- und Hybridautos die meisten Fahrzeuge mit alternativem Antrieb. Weit über eine Viertel Million Stück sind mittlerweile zugelassen. Im Juli 2008 beispielsweise meldete das Kraftfahrtbundesamt ein Zulassungsplus gegenüber dem Vorjahresmonat von über 210 Prozent.
LPG (Liquified Petrol Gas) schont beim Tanken nicht nur den Geldbeutel, sondern beim Fahren auch die Umwelt. Bei der Verbrennung von Flüssiggas entstehen deutlich weniger Schadstoffe als beim Benzin. So liegt der CO2-Ausstoß um etwa 15 Prozent niedriger, es werden 85 Prozent weniger Stickstoffe, 50 Prozent weniger Kohlenwasserstoffe sowie weniger Schwefel und Ruß produziert. Erdgas ist zwar noch umweltfreundlicher, in der Fahrzeuganschaffung aber deutlich teurer. Außerdem ist das Tankstellennetz bei weitem nicht so gut ausgebaut wie das für Autogas.
Tanken für die Hälfte verspricht die Werbung bei einem Literpreis für Flüssiggas von derzeit um die 66 Cent. Doch so einfach eins zu eins ist die Rechnung nicht. Flüssiggas hat einen schlechteren Brennwert als herkömmlicher Kraftstoff. Das bedeutet in der Praxis einen Mehrverbrauch. Der wird häufig mit um die 15 Prozent beziffert, de facto können es im Alltag aber auch bis 30 Prozent sein. Dazu kommt der Einbau der Gasanlage und des Zusatztanks. Für den Einbau der Gasanlage und des Zusatztanks verlangen die Hersteller bei ihren LPG-Modellen um die 2500 Euro mehr als für einen Benziner. Da heißt es erst einmal, lange Zeit fahren, bis der günstige Preis an der Zapfsäule sich auch in bare Münze verwandelt. Als Faustregel gilt, je höher der Benzinverbrauch ist, desto lohnender ist der der Umstieg auf Autogas. 50 000 Kilometer müssen es meist sein, bis die Mehrkosten bei der Anschaffung eingefahren sind.
Immer wieder locken einige Hersteller aber auch mit befristeten Sonderverkaufsaktionen, bei denen die Flüssiggas-Neuwagen ohne Aufpreis verkauft werden. Da erübrigt sich dann jedes Nachrechnen. Ein gutes Umweltgewissen gibt es gratis obendrein. (ar/jri) Letzte Änderung: 19.12.2008
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