Jaguar XF-Design: Mit den Wölfen heulen

Jaguars Designchef Ian Cullum sieht den Jaguar XF als einen Beleg dafür, dass Jaguar seine Rolle als führende Kraft im Automobildesign ernst nimmt: "Klassiker wie der erste XJ6 haben ein großes Erbe geschaffen - und meine Ambitionen gingen dahin, den XF in diese Tradition zu stellen." Doch die Meinungen zum neuen Vertreter der sportlichen oberen Mittelklasse aus Großbritannien fallen keineswegs einhellig aus. Hat er wirklich das Zeug zu einer neuen Design-Ikone wie der Mark II aus den 50-gern oder der unvergessene E-Type?

Alle Autojournalisten hatten seit der Premiere des XF ei der IAA im September vergangenen Jahres die Gelegenheit gehabt, sich eine Meinung zu bilden. Umso mehr überraschte jetzt bei der Präsentation des Neuen im prestigeträchtigen Monaco, wie häufig die Frage zu hören war: Wie findest Du denn den XF? Hinter dieser Frage stand nicht nur die sonst übliche Polarisierung in diejenigen, die ein Design mögen und die anderen, die es ablehnen. Vielmehr schien Unsicherheit gegenüber dem Neuen aus den Fragen zu sprechen.

Was ist der Grund dafür, dass der XF sich dem Betrachter nicht so spontan erschließt wie das bei anderen Fahrzeugen normalerweise geschieht? Liegt es an dem Anspruch, den Jaguar schon vor der Enthüllung der ersten Exemplare formulierte? Danach wollte man Zeichen setzen und dabei nicht nur den Sprung der Marke in die Zukunft einleiten, sondern eben auch das automobile Design voranbringen. Das klang so, als plane man den großen Schnitt oder die komplette Überwindung der Vergangenheit, die schließlich in jüngster Zeit wenig geschäftlich wenig erfolgreich verlief.

Jetzt hörte man bei den Präsentationen der Designer viel über das Jaguar-Erbgut, das man auch beim XF wiederfinden könne. Dabei war aber nicht das Jaguar-Image als klassische Sportlimousine mit starken Motoren und guten Fahreigenschaften gemeint. Plötzlich und unerwartet sahen die Designer nahezu jede Fläche, Rundung oder Kante als ein Zitat eines Jaguar-Designs der Vergangenheit.

Fakt ist, dass der Jaguar XF keineswegs den mutigen Sprung in die Zukunft des automobilen Designs darstellt. Er reiht sich vielmehr ein bei den sportlichen coupéähnlichen Limousinen der gehobenen Mittelklasse - anders als ein Audi, eleganter als ein BMW, sportlicher als ein Mercedes-Benz mit deutlichen Parallelen zum hauseigenen Sportwagen XK, vehement abgestrittenen Ähnlichkeiten mit dem Lexus und einem leichten Schielen auf den Maserati Quattroporte.

Es ist nicht der Windkanal, der die Formen beim Jaguar glatter wirken lässt. Dahinter steht auch die Absicht, mit der gerade in Deutschland heftig aufgeladenen Marke Jaguar und einem ebenso gefälligen wie modernen Design genau die Kunden der angesprochenen Marken von der britischen Alternative zu überzeugen. Jeffrey L. Scott, Deutschlandchef von Jaguar, freut sich schon nach den ersten 500 Bestellungen des XF aus Deutschland, dass 40 Prozent der Käufer nicht gestandene Jaguar-Fans, sondern Neukunden sind.

Weil die Marke und das Design so anziehend wirken, hofft Scott sogar, bei den Neukunden rasch einen Anteil von 60 Prozent zu erreichen. Besonders im Auge hat er dabei bisherige BMW-Käufer, die man bei Jaguar-Händlern offenbar häufiger als früher trifft. Der Verdacht liegt nahe, dass Jaguar in diesen Fällen nicht nur die eigenen Qualitäten, sondern auch das polarisierende Design des aktuellen 5-er BMW helfen. Nicht alle lieben die als richtungweisende und spannunggeladene gepriesene Gestaltung des Münchners. Die Sehnsucht nach Harmonie und Eleganz wollen viele ebenfalls befriedigt sehen.

Was erwartet also den zweifelnden BMW-Fan bei seinem ersten Kontakt samt Probefahrt? Die berühmte Kühlerfigur des springenden Jaguars, die auf den Namen "Leaper" hört, haben die Vorschriften zum Fußgängerschutz von der Motorhaube vertrieben. Sie findet sich beim XF im Halbprofil auf der Heckklappe wieder. Traditionalisten mögen das bedauern, Aerodynamiker nicht.

Innen sieht er sich einer typischen Jaguar-Armaturentafel gegenüber, wie sie früher zu Recht die Bezeichnung "Armaturenbrett" trug, weil sie komplett aus Wurzelholz bestand. Heute reicht eine ebenfalls senkrecht stehende Aluminiumtafel über die gesamte Fahrzeuginnenbreite. Holz hat sich in andere Bereiche des Innenraum verzogen, wirkt dort unauffälliger, auch wenn im XF mehr edle Hölzer verwandt werden als bei klassischen Jaguar-Limousinen. Ansonsten gefällt der Lederbezug der waagerechten Flächen des Armaturenträgers..

Doch neben diesen und anderen klassischen Elementen aus dem Erbgut der Marke hat sich Jaguar viel einfallen lassen, um zu zeigen, dass sich der XF auf der Höhe der Zeit bewegt. Dazu dient Elektronik allerorten und eine kräftig blau leuchtend Ambientebeleuchtung bei Nacht. Am auffälligsten präsentiert sich der XF, wenn der Fahrer ihn zur Fahrt einlädt. Denn mit dem Druck auf den Startknopf springt nicht nur der Motor an. Der ganze XF wacht dann scheinbar und sichtbar auf: Die im Ruhezustand verschlossene Lüftung fährt ihre Ausströmer auf, und aus der Mittelkonsole erhebt sich großes Drehrad, mit dem man das Getriebe steuert. Im Übrigen findet man für ein Fahrzeug dieser Klasse erstaunlich wenig Knöpfe und Regler vor.

Fahrer und Beifahrer sind derweil in den Tiefen des XF versunken wie in einem Sportwagen. Genau diesen Eindruck will Jaguar mit der tiefen Sitzposition erreichen. Das Gefühl, in einem Sportcoupé zu sitzen, wird zusätzlich herausgestrichen durch die Ausrichtung des Cockpits auf den Fahrer und die typische Enge des Fußraums. Hier nimmt der Fahrer nicht einfach nur Platz, er wird eingebettet in seinen Arbeitplatz und wartet auf die innere Startampel.

Angesichts des XF-Charkters und vor dem Hintergrund des sich offenbar einstellenden Erfolgs des Briten, kann man sich die Antwort nach der Qualität des Designs also sparen. Er folgt dem Zeitgeist, bietet ein paar Besonderheiten, entwickelt sogar ein paar schrullige Züge, wie die Deutschen sie an den Briten so schätzen. Außerdem hilft Jaguar mit dem Preis nach; denn der XF liegt leicht bis deutlich unter dem Preisniveau der anderen Fahrzeuge seiner Leistungsklasse. Der Jaguar kann also mit den Wölfen heulen. (ar/Sm) Letzte Änderung: 02.03.2008





Aus dem springenden Jaguar auf der Motorhaube wurde beim Jaguar XF eine Plakette im Kühlergrill. Foto: Auto-Reporter/Jaguar
Aus dem springenden Jaguar auf der Motorhaube wurde beim Jaguar XF eine Plakette im Kühlergrill. Foto: Auto-Reporter/Jaguar
Beim Jaguar XF auf die Heckklappe verbannt: die alte Kühlerfigur als flachrelief. Foto: Auto-Reporter/Jaguar
Beim Jaguar XF auf die Heckklappe verbannt: die alte Kühlerfigur als flachrelief. Foto: Auto-Reporter/Jaguar
Jaguar XF
Foto: Auto-Reporter/Jaguar
Jaguar XF Foto: Auto-Reporter/Jaguar






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