Kommentar: Auf dem Weg in die europäische Bananenrepublik?

Während die europäischen Staatschefs über das große Ganze debattieren, mahlen die bürokratischen Mühlen in Brüssel unaufhaltsam weiter - manchmal sogar angetrieben von Europaparlamentariern. Gerade die sollten es als ihre Aufgabe sehen, das Auswuchern der EU-Bürokratie und die Regelungswut in Brüssel zu bremsen. Doch Chris Davies, der liberale Berichterstatter des Umweltausschusses im Europäischen Parlament hat sich eine neue Reglementierung einfallen lassen. Er will alle Autos auf eine Höchstgeschwindigkeit von 101 Meilen pro Stunde oder 162 km/h einbremsen.

Als die EU die Krümmung der Banane regelte, war das ein Grund zum Schmunzeln, hatte aber auch wirtschaftliche Hintergründe. Die Banane aus den ehemaligen Kolonien der EU-Staaten sollte vor den schöneren aus dem Amerikanischen geschützt werden, und der Bananenkrieg begann.

Die 101-Meilen-Regel würde zwar keinen weiteren Wirtschaftskrieg auslösen, aber immerhin Heiterkeit bis hin zur Schadenfreude bei den außereuropäischen Autonationen. Kastrierte Autos aus Europa sind eben viel weniger eine Konkurrenz als die heutigen.

Davies wird man sicherlich zugute halten müssen, dass er es gut gemeint hat im Hinblick auf Treibstoffverbrauch und Fahrzeugsicherheit. Aber gut gemeint ist eben nicht gut gemacht. Erstens fahren auch auf deutschen Autobahnen nur Wenige so schnell, dass das verbrauchs- oder sicherheitsrelevant wäre. Und zweitens würde eine solche EU-Regel mehr die technologische Entwicklung als den Verkehr einbremsen.

Heute geschieht der technische Fortschritt beim Auto zuerst in der automobilen Oberklasse. Für die großen und schnellen werden die Technologien zur Schadstoffreduzierung und zur besseren Effizienz der Motoren entwickelt. Wir könnten uns heute glücklich schätzen, wenn die Kleinwagen diesen Fortschritt schon nachvollzogen hätten. Dasselbe gilt für die Fahrzeugsicherheit.

Eine Tempobremse à la Davies wird sich also gerade für die deutsche Automobilindustrie sehr schnell zu einer Technologiebremse entwickeln. Das wird nicht ohne Folgen für unsere Automobilindustrie bleiben, was eben andere freuen wird.

Es wäre aber ungerecht, nun Herrn Davies zu empfehlen, er möge sich lieber mit den Bananen oder der Krümmung anderer Früchte befassen. Denn sonst enthielt sein Bericht an das europäische Parlament viele Elemente, die den deutschen Herstellern gefallen dürften, zum Beispiel sein Vorschlag zur Unterscheidung der CO2-Richtwerte nach Fahrzeugsegmenten und seine Bereitschaft, den Stichtag für niedrigere CO2-Grenzwerte auf 2015 oder später zu verschieben. Aber niemand ist eben perfekt. (ar/Sm) Letzte Änderung: 22.06.2007









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