Kommentar: Das Ansinnen ehrt

Keine Frage, das Ansinnen der Initiative "Pro Tempolimit" zur Senkung des CO2-Ausstoßes und der Verkehrstoten ehrt. Weniger ruhmreich und noch weniger hilfreich sind allerdings einige Äußerungen, die auf Nebenkriegsschauplätzen zu teilweise abstrusen Schlussfolgerungen führen.

So stellte Dr. Gerd Rosenkranz, Leiter des Referates Politik und Presse der Deutschen Umwelthilfe (DUH), auf der Pressekonferenz zur Vorstellung der Initiative am Montag (5. November 2007) in Berlin fest: "0,1 Prozent der Straßen bestimmt heutzutage über die Konstruktion von Autos und ihre Geschwindigkeit." Von nahezu jedem Kleinwagen gebe es inzwischen auch eine Version mit "Tempo 200 plus", bemängelt Michael Gehrmann, Bundesvorsitzender des Verkehrsclub Deutschland (VCD). Viel Geld könne da gespart werden, wenn solche Entwicklungen nicht mehr nötig täten und unsere Autos dadurch vielleicht sogar etwas billiger werden könnten. Auch in Sachen Sicherheit müsste dann vielleicht nicht mehr ganz so viel Aufwand betrieben werden wie heute, ließ sich da an einer Stelle heraushören, auch wenn das niemand ausdrücklich so sagte.

Ebenfalls fragwürdig ist die Annahme, das Durchschnittstempo auf den Autobahnen habe sich nach der letzten Erhebung vor 15 Jahren (132,3 km/h) sicherlich noch erhöht, auch wenn es leider keine konkreten Zahlen gebe. Wegen des gestiegenen Verkehrsaufkommens und der Einführung von weiteren festen und temporären Geschwindigkeitsbegrenzungen auf bestimmten Abschnitten dürfte das Tempo wohl eher zurückgegangen sein. Einige Quellen sprechen von mittlerweile 117 km/h im Schnitt.

Die Behauptung, die Autoindustrie sei gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf den letzten 6000 bis 9000 freien Autobahnkilometern dieser Welt, weil sie dann ihre schnellen und teuren Fahrzeuge nicht mehr verkaufen könnte, die die Gewinne einfahren, ist ebenfalls Unfug. Bei Porsche, Mercedes-Benz und Audi jagt zurzeit ein Exportrekord den nächsten und Ferrari oder Lamborghini setzen Autos auch nach England ab, wo mit 112 km/h das europaweit niedrigste Tempolimit auf Autobahnen gilt.

Einen Aston Martin oder Bugatti, dessen Geschwindigkeit werksseitig auf- sagen wir einmal- 160 km/h beschnitten würde, und - zum Glück - die Einstellung der Entwicklung von immer besseren Sicherheitssystemen wird es auch mit Tempolimit nicht geben.

Der Hinweis, Deutschland isoliere sich mit seiner "Freie Fahrt für freie Bürger"-Philosophie vom Rest der Welt, ist ebenfalls kein rationales, sondern ein emotionales Argument. Niemand ist gezwungen sich einen Kleinwagen mit "Tempo 200 plus X" zu kaufen oder mit 250 km/h über die Autobahn zu rasen. (ar/jri) Letzte Änderung: 06.11.2007









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