Kommentar: Deutschland AG/Auto

Augenzwinkernd stellt man das eine ums andere Mal fest, diese Automobilbranche sei eine große Familie. Niemand geht hier verloren, irgendwo bei einem Wettbewerber tauchen alle wieder auf. Aber auf einmal mehren sich sogar die Zeichen für Firmengrenzen übergreifenden Familiensinn. "Kooperation" und "Transparenz" scheinen sich in dieser Industrie zu den Worten des Jahres zu entwickeln.

Die Erzrivalen Daimler und BMW führen Gespräche über Plattformen oder über Motoren oder über beides ab. Andere deutsche Hersteller sind da auch nicht zurückhaltend. Gemeinsam bespricht man die Entwicklung von Hybridkonzepten und den dazugehörigen Lithumionen-Batterien. Kaum ein Thema scheint es noch zu geben, bei dem nicht jemand darauf hinweist, man müsse das Rad nicht neu erfinden.

Auch der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, spricht viel von Gemeinsamkeiten und schließt sogar den Automobilhandel sowie die Werkstätten mit ein, die nun beide wirklich nicht zu seinem Aufgabenbereich zählen. Aber: "Wir müssen gesamtheitlich denken", betont Wissmann. Man müsse - so der Hersteller-Präsident - verhindern, dass der Automobilhandel an den Rand seiner Existenz getrieben werde. Auch für seine Mitglieder unter den Zulieferern findet Wissmann in diesem Zusammenhang ein aufmunterndes Wort und spricht über Zusammenarbeit mit Kunden und Unterlieferanten.

Wächst da tatsächlich eine Deutschland AG/Auto? Die Hersteller und ihre Zulieferer stellen in Deutschland rund 750 000 Arbeitsplätze, 90 000 mehr als noch vor zehn Jahren. Welche andere Industrie kann das schon von sich behaupten? Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sind immens, der Erfolg auf dem Weltmarkt ebenfalls. Deutschland ist von vielen beneideter Auto-Weltmeister, führend in Technologie, auch führend bei der Verbrauchssenkung und damit bei der CO2-Reduzierung.

Doch Erfolg schafft bei anderen Neid und Missgunst. Sie lassen es uns immer wieder spüren. Zum Beispiel die Amerikaner, die den Diesel in den USA jahrelang verhindert haben und heute ein Auto mit einem Normverbrauch von elf Litern zum grünen Auto des Jahres wählen. Zum Beispiel die Kleinwagen produzierenden Länder mit dem Wortführer Sarkozy, bekannt für seine egoistische Industriepolitik (siehe Kernkraftwerk für Libyen oder 20-Milliarden-Verträge aus China). Jetzt will er der deutschen Automobilindustrie den Boden unter den Rädern wegziehen und gleichzeitig seinen Hersteller das teure Bemühen um CO2-Reduzierung ersparen. In Europa sind wir eben noch keine große Familie. Da ist es sicher nicht hinderlich, es gäbe sie tatsächlich - die Deutschland AG/Auto. (ar/Sm) Letzte Änderung: 01.12.2007









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