Kommentar: Dicke Bretter bohren

Matthias Wissmann hatte bei seiner IAA-Eröffnungspressekonferenz in seiner Eigenschaft als Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) den Initiativen gegen das Automobil die Hand gereicht. Offene Diskussionen hatte er angeboten. Jetzt hat er sie. Die Grünen ließen gestern zwar durchblicken, sie könnten sich mit Grenzwerten befinden, die Fahrzeugsparten berücksichtigen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat heute Automobilherstellern kriminelles Verhalten bei der Ermittlung der CO2-Werte vorgeworfen.

Beide haben sich der angebotenen Umarmung der Industrie entzogen und klar gegen sie Stellung bezogen. Wobei allerdings ein wesentlicher Unterschied festgestellt werden muss: Die Grünen gehen das Thema konstruktiv an und kommen mit Vorschlägen, die erkennen lassen, dass sie die Rolle der deutschen Automobilindustrie für Deutschland stützen wollen. Die DUH dagegen agiert als reine Pressure-Group. Sie macht Druck und dies ohne glaubwürdige Bereitschaft, das angesprochene Problem aus der Welt zu schaffen.

Darin unterscheidet sich die DUH nicht von anderen Gruppen dieser Art. Sie ringen nur scheinbar um die Lösung, wollen aber den Konflikt. Jede Lösung eines Problems hat automatisch zur Folge, dass ein neues adressiert und genauso heftig mit einer Mischung von Unterstellungen, Teilformationen und viel Lärm attackiert wird. Der DUH-Geschäftsführer Dr. Jürgen Resch beherrscht dieses Handwerk nahezu perfekt.

Matthias Wissmann ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden; denn es bleibt ihm nichts anderes übrig, als gute Miene zu diesem fatalen Spiel zu machen und weiterhin Offenheit, Gesprächsbereitschaft und Umsetzung gemeinsam akzeptierter Problemlösungen anzubieten. Irgendwann werden die Medien und die Öffentlichkeit erkennen, was hier gespielt wird. Im Fall der deutschen Automobilindustrie wird Wissmann noch viele dicke Bretter bohren und dabei zusehen müssen, wie andere an dem Ast sägen, auf dem alle Deutschen sitzen. (ar/Sm) Letzte Änderung: 12.09.2007









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