Kommentar: Die Katze ist aus dem Sack

Die Fronten werden klarer. Mit seinem "Marschallplan" für die deutsche Automobilindustrie liegen nun wohl alle Forderungen des Vereins Deutsche Umwelthilfe (DUH) auf dem Tisch. Strafen für die deutschen Hersteller müssen her, weil die Hersteller bei den Spritverbräuchen zunehmend manipulieren. Aber auch die Autokäufer müssen bestraft werden, besonders diejenigen, die sich für ein Sport Utility Vehicle (SUV) entscheiden. Denen unterstellt man ein asoziales Kaufverhalten.

Die Katze ist also aus dem Sack. Ungeachtet aller Erfolge der Automobilindustrie soll eben genau diese geprügelt werden. Und viele Nichtwissende werden das honorieren und dabei sehenden Auges in eine andere Gesellschaft marschieren, in der nicht die Nachfrage das Angebot regelt, sondern der Staat bestimmen soll, welche Form der individuellen Mobilität politisch korrekt und zulässig ist. Schade eigentlich, dass die Trabant-Fabrik die Arbeit schon vor Jahren eingestellt hat.

Der Erfolg der deutschen Automobilindustrie finanziert auch Aktivisten wie die Deutsche Umwelthilfe. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Verein sich als Instrument der Industriepolitik anderer hergibt. Eine Strafsteuer, wie die für große SUV in Frankreich, die die dortige Industrie nicht herstellt, hätte die EU-Kommission noch vor kurzer Zeit als Handelhemmnis vor den Europäischen Gerichtshof gebracht.

Das Konzentrieren auf die SUV verwundert. Sitzen doch unter deren Motorhauben die gleichen Motoren wie in Limousinen desselben Herstellers. Der Mehrverbrauch eines SUV bewegt sich in derselben Größenordnung wie der, den wir für den Diesel-Rußfilter kürzlich in Kauf genommen haben. Warum also zeigt der Aufkleber, den die DUH jetzt anbietet, um "Klimakiller" zu brandmarken, ein SUV? Doch hoffentlich nicht, um die Missgunst der Nicht-SUV-Fahrer anzustacheln und zu illegalen Aktionen zu veranlassen.

Wie immer - es ist beeindruckend, wie die DUH mittlerweile in Sachen Auto auftritt. Sie bewegt sich in der Öffentlichkeit, als habe sie den Einfluss von mindestens einer der großen Bundestagsfraktionen hinter sich, und damit das Recht, der Politik Ratschläge zu geben und sie mit Forderungen zu konfrontieren. Auch persönliche Beleidigungen gehören zum arroganten Repertoire, zum Beispiel, wenn DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch den CSU-Generalsekretär Markus Söder einen "Polit-Dadaisten" nennt.

Um die Aufgabe, mit Vereinen wie diesen einen Dialog zu führen, ist der designierte Präsident des Verbands der Automobilindustrie, Matthias Wissmann, nicht zu beneiden. Hier geht es nicht nur um dicke Bretter, die zu bohren sind. Hier muss er auch mit Beton in den Köpfen fertig werden. (ar/Sm) Letzte Änderung: 02.04.2007









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