Kommentar: Feindbilder

Wer einen großen Sport Utility Vehicle (SUV) fahre, der könne ruhig auch mehr für die Umweltbelastungen durch dieses Fahrzeug bezahlen, meint der aus Griechenland stammende EU-Umweltkommissar Stavros Dimas und erklärt damit diese Fahrzeugklasse zu politisch unkorrekten, sozial unverträglichen Vehikeln. Das war nun ein gänzlich unglücklicher Auftrittsapplaus für die zweite Generation des Volkswagen Touareg, aber auch für den Porsche Cayenne nach seinem aktuellen Facelift und für den immer noch frischen Audi Q7.

Was treibt bloß einen EU-Kommissar dazu, solche Feindbilder aufzubauen? Die technischen Fakten geben ihm dazu jedenfalls keinen Anlass. Das zeigt ein Vergleich zwischen Limousinen und SUV mit gleichem Motor und Allradantrieb. Der Mercedes-Benz ML zum Beispiel wiegt nur rund 50 Kilogramm mehr als die S-Klasse mit 4matic-Antrieb. Es ist also nicht das Gewicht, das hier den Verbrauch wesentlich nach oben drückt.

Eher wirkt sich bei diesem Pärchen die größere Stirnfläche des SUV aus. Ihretwegen liegt der Durchschnittsverbrauch mit dem 3,2 Liter Sechszylinder-Diesel um 0,9 Liter, also nur rund zehn Prozent höher. Das kann also nicht der Anlass für eine solch dramatische Aussage sein, denn selbst die riesige R-Klasse mit langem Radstand - ein Fahrzeug, dass in Deutschland kaum Abnehmer finden wird, aber in den USA ein Star ist - wiegt nur rund 200 Kilogramm mehr als die S-Klasse und liegt mit dem gleichen Motor im Durchschnittsverbrauch nicht höher.

An der Verkehrsfläche kann es ebenfalls nicht liegen. Da SUV eher in die Höhe als in die Länge gebaut werden, benötigen sie grundsätzlich weniger Straßenfläche.

Die weitaus meisten Fahrzeuge dieser Klasse aus deutscher Produktion gehen in den Export. In den Abnehmerländern zählen sie alle zu den Klassenbesten beim Verbrauch und damit auch beim Ausstoß von Kohlendioxid.

Rational ist der Aufbau des SUV als Feindbild also nicht gerechtfertigt. Warum also bedient ein EU-Umweltkommissar mit seiner Aussage Emotionen und Vorurteile gleichzeitig? Gönnt Dimas den Autofahrern in diesen Ländern den Fortschritt Made in Germany nicht oder will er deutschen Herstellern den Export erschweren, indem er diese Fahrzeuge in Europa diskreditiert?

Keine andere Autonation in Europa kann auch nur andeutungsweise einen solch großen und umsatzschweren Exporterfolg mit Premium-SUV und mit großen Limousinen vorweisen. Die Bundesregierung wird auch deswegen sorgfältig darauf achten müssen, dass die Umsetzungsvorschriften für die neuen Höchstwerte beim Kohlendioxid-Ausstoß nicht große Motoren, große Limousinen oder SUV ächten. (ar/Sm) Letzte Änderung: 12.02.2007

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