Kommentar: Kleinwagen statt Kleinbus

Alles ist relativ. Das werden die drei Ministerien nun wieder mal erfahren, die sich mit der Kennzeichnung des Kohlendioxid-Ausstoßes von Fahrzeugen befassen. Der Verkehrs- und der Umweltminister wollen neben dem absoluten Wert für die CO2-Emission auch die Nutzlast einbringen, um das Klimagas und das Fahrzeuggewicht für die Bewertung eines Fahrzeugs zu berücksichtigen. Der Wirtschaftsminister möchte offenbar sogar die Fahrzeug-Typen und -Klassen getrennt betrachtet sehen. Und Umweltschützer bezeichnen den eingeschlagenen Weg als einen, der "Spritfresser" bevorzugt.

Damit stellt sich die Frage: Was ist ein Spritfresser? Sind das etwa alle Allradfahrzeuge? Wohl kaum, schließlich haben wir gelernt, dass der Allradantrieb auf der Straße nicht nur im Winter ein wesentlicher Sicherheitsfaktor und bei allen Geländefahrzeugen im professionellen Einsatz sowieso unverzichtbar ist. Sind dann die SUV die Bösen? Zumindest haben sich viele auf diese Fahrzeuggattung eingeschossen, obwohl die meisten dieser Fahrzeuge auf derselben Plattform daherkommen wie große Limousinen aus demselben Unternehmen. Über die regt sich aber erstaunlicherweise (noch) niemand auf.

Vans, Kleinbusse und auch SUV bieten sieben bis neun Sitzplätze für die Familie und für die Geschäftsreise. Sind das Spritfresser, obwohl sie häufig mehr Passagiere pro Liter bewegen? Oder gelten sie nur dann also solche, wenn sie nur mit dem Fahrer besetzt sind? Oder ist es etwa verwerflich, wenn jemand von einer höheren Sitzposition den besseren Überblick haben möchte und das bequemere Ein- und Aussteigen bevorzugt?

Betrachten wir die Fragestellung doch auch einmal von einer anderen Seite - vonunten. Kleinwagen, die ganz offensichtlich nicht als Spritfresser abqualifiziert werden, gehen aber häufig gar nicht so sparsam mit dem Treibstoff um. Zum einen Teil liegt das an weniger effizienten Benzinmotoren, denen man kein HighTech spendieren kann, weil es der Kleinwagenpreis das nicht hergibt. Zum anderen Teil fehlt vielfach das Angebot eines sparsamen Dieselmotors.

Die Größe eines Fahrzeugs sagt also noch lange nichts über die Wirtschaftlichkeit und damit die höhere Umweltverträglichkeit seines Antriebs aus. Es ist heute noch die Regel, dass die großen, starken und modernen Motoren effizienter arbeiten als die kleinen. Deswegen kam der Vorschlag aus dem Verkehrsministerium im April nicht von ungefähr, die Nutzlast mit ins Kalkül zu ziehen. Je mehr, desto mehr Passagiere oder desto mehr Ladung. Und es ist nun einmal im Sinne der Umwelt, lieber einen Kleinbus einzusetzen als zwei Kleinwagen.

Wenn jemandem ein besseres Verfahren einfällt, dann soll er es in die Diskussion einbringen. Doch im Moment verstärkt sich der Eindruck, es gehe der außerparlamentarischen Umwelt-Oposition nicht um eine treffende Einstufung, sondern darum, das SUV, den Van und den Kleinbus durch Kleinwagen zu ersetzen. (ar/Sm) Letzte Änderung: 29.05.2007









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