Kommentar: Schweres Erbe
MZ trat nach dem Mauerfall kein leichtes Erbe an. Zu schwer wog nach der Wende und bis heute das DDR-Image, aber vor allem muss sich das Management eine verfehlte Modellpolitik anlasten lassen. Der kleine Motorradhersteller suchte zuletzt sein Heil in einer großvolumigen Baureihe und entsprechend zahlungskräftiger Kundschaft. Doch der Anschluss an die Weltspitze misslang. Die 1000er aus Zschopau startete mit einem schlecht abgestimmten Motormanagement und musste nachgebessert werden. Die mittlere Modellreihe wurde bis auf eine Variante ohne Not komplett fallen gelassen. Gerade sie hätte aber Einsteiger und Wiedereinsteiger bedienen können. Auf den Rollerboom antwortete MZ mit billiger Konfektionsware aus Asien.
Gerade ein auch zu besseren Nachwendezeiten stets kleiner Motorradhersteller hätte sein Glück in der Nische suchen und in der Tradition finden können. So wurde der Gespannbau, der auch im Westen den Nimbus von MZ bis heute nachhaltig nährt, Mitte der neunziger Jahre sang- und klanglos aufgegeben. Der damalige Geschäftsführer Petr-Karel Korous hatte hochtrabendere Pläne - und fiel tief. Der Einstieg des malayischen Investors Hong Leong schien die Rettung: Die 125er-Modelle hätten sich theoretisch massenhaft in Asien absetzen lassen können. Doch solche Gedanken scheiterten an hohen Einfuhrzöllen und der schlechten Qualität einer CKD-Produktion aus angelieferten Bauteilen vor Ort.
Die Kunde von einigen interessierten Investoren klingt wenig überzeugend. Zuversicht hört sich anders an. Und warum sollte mit einem Mal gelingen, was in 18 Jahren nicht geschafft wurde? (ar/jri) Letzte Änderung: 25.06.2008
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