Kommentar. Spannung steht ins Haus

Ob das der deutschen Automobilindustrie das Ringen um einen praxisorientierten Umgang mit den neuen europäischen Grenzwerten für Kohlendioxid erleichtert? Christian Streiff, Chef des französischen Autokonzerns PSA, wird ab 1. Januar 2008 die Rolle des Präsidenten des europäischen Verbands der Automobilhersteller (ACEA) übernehmen. Für die Fahrzeuge seiner Marken Peugeot und Citroen sieht er zwar die Deutschen als Maßstab, will aber seine Kleinwagen bei der CO2-Reduzierung möglichst ungeschoren davonkommen lassen.

Streiff übernimmt das Amt vom Fiat-Chef Sergio Machionne. Beide sind Mitglieder in der scherzhaft "Club Med" genannten Gruppe von Herstellern, deren Aktivitäten in Brüssel den deutschen Herstellern das Leben schwer machen. Während der IAA im September in Frankfurt hatte Matthias Wissmann als Präsident des deutschen Verbands der Automobilindustrie (VDA) noch die frohe Botschaft verbreitet, es gebe auf der Ebene von ACEA ein gemeinsames Vorgehen gegenüber der Umweltverwaltung in Brüssel. Das war leider eine zu optimistische Einschätzung.

Inzwischen hat der französische Präsident Sarkozy in Brüssel einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, der den Kleinen allzu viele Anstrengungen bei der Reduzierung des Verbrauchs erspart und die Großen benachteiligt. Diesen Vorschlag hat er inzwischen auch schon in das französische System der Kraftfahrzeugsteuer übernommen. Danach werden die großen Fahrzeuge, mit denen die Deutschen ihr Geld verdienen, stark verteuert und die Kleinen müssen sich nicht in Zeug legen, um zu Steuervorteilen zu kommen-

Der Club Med hat also einen starken Verbündeten in der Politik gefunden, die Mehrheit der EU-Staaten hinter sich versammelt und so den Markt der deutschen Hersteller angegriffen. Man darf gespannt sein, wie der neue ACEA-Präsident sich in seinem neuen Amt verhält. Ebenso spannend wird es, das Verhalten des VDA und der deutschen Politik zu beobachten. (ar/Sm) Letzte Änderung: 07.12.2007









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