Kommentar: Stammtisch-Denke
Beginnen wir mit dem Auseinandernehmen dieser Argumentation beim einfachsten Thema. Unter den mehr als neun Jahren alten Autos gibt es keine Spritsparer, die heutigen Maßstäben standhalten könnten. Jeder Hersteller hat in dem vergangenen Jahrzehnt dazugelernt und den Verbrauch reduziert. Das leuchtet doch wohl jedem ein.
Schwieriger wird es mit der Einsicht häufig bei dem Argument, wir Deutschen müssten uns auch beim Autos erst einmal um uns selbst kümmern. Doch wir leben vom Export. Wenn jetzt andere beginnen, so zu denken - was sich leider angesichts der Krise abzeichnet - dann bedeutet das den Tod vieler Bereiche unserer Volkswirtschaft. Wir Deutsche sind also die Letzten, die so denken dürfen, nicht einmal am oft geschmähten Stammtisch.
Doch die, die jetzt - wie jetzt auch der VCD - solch populistischen Unsinn zwar nicht glauben, aber für ihre Sache einsetzen, müssen sich vorhalten halten lassen, dass sie vom Autogeschäft nichts verstehen. Wer baut die Elektrik? Ein Schwabe? Wer baut die Bremse? Ein Hesse? Wer baut die Reifen? Ein Niedersachse? Und wo kommen die vielen anderen Teile her, die jeder Fahrzeughersteller heute von Zulieferern weltweit bezieht?
Gar dramatisch wird es, wenn man diese Denkweise auf den Umweltschutz anwendet. War nicht da stets das Argument der Aktivisten, dass die Abgase keine Grenzen kennen? Beginnen wir nicht gerade mit der Diskussion über die Rolle unseres Dieselrußes beim Abtauen der Gletscher im Himalaya?
Eigentlich wäre es dann doch nur Recht und billig, nun im Hinblick auf die Themen Kohlendioxid und Ruß sich eine Dreck um die anderen zu kümmern. Wir sind doch schon vorbildlich. Wer sonst kennt schon die Umweltplakette? Wo sonst sind alle neuen Diesel-Personenwagen mit Filter ausgestattet? Sollen sich doch die Leute im Himalaya um ihre Gletscher kümmern - oder habe ich da jetzt etwas falsch verstanden? War die Sache mit dem Protektionismus gar nicht ernst gemeint, sondern nur ein wohlfeiles politisches Argument?
Noch sind wir eine Welt. Und statt uns aktionistisch, sinnlos, messianisch und überheblich darauf zu stürzen, den Lauf der Erde um die Sonne mit Umweltplaketten in Deutschland zu beeinflussen, sollten wir uns lieber beizeiten darauf vorbereiten, mit den Folgen des offenbar unvermeidlichen Klimawandels fertigzuwerden. Dabei ist der VCD samt seiner erneuten Abwrackprämien-Attacke mal wieder leider nicht hilfreich.(ar/Sm)
Peter Schwerdtmann Letzte Änderung: 07.07.2009
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