Kommentar: Umweltschutz statt Missgunst
Tiefensee will noch in diesem Jahr einen Energiepass für Personenwagen ins Spiel bringen, der die Nutzlast und den CO2-Ausstoß darstellt. Ist das mehr als noch ein zusätzliches Modell zu den vielen, die schon diskutiert werden? Tiefensee will auf der einen Seite eine Skala der CO2-Belastung durch ein Auto so ähnlich darstellen, wie wir es schon vom Kühlschrank her kennen. Grün für die mit wenig CO2-Austoß, Gelb für die weniger guten und Rot für die, die an der oberen Grenze liegen. Doch dieses schlichte Schema will er ergänzen um einen Bezug zur Zuladung, in CO2 pro Kilogramm Zuladung.
Der VDA kommentiert diesen Nutzlast-Vorschlag gar nicht, kommt aber zu der wahrhaft überraschenden Feststellung, dass ein Auto kein Kühlschrank sei. Der Verband mahnt eine europäische, statt einer nur kurzfristig geltenden deutschen Regelung an. Der ADAC findet Gefallen an diesem System.
Der Verein Deutsche Umwelthilfe (DUH) wählt wieder überdeutliche Worte, nennt den Vorschlag scheinheilig und systematische Volksverdummung und erinnert an seinen Vorschlag, die Großen zu bestrafen, am besten so wie Portugal, wo ein VW Touareg V 10 TDI mehr als das 200-fache an Zulassungssteuer kostet als ein Kleinwagen mit weniger als 120 g/km CO2, nämlich 11 388,60 Euro.
Und aus Brüssel begleitet EU-Umweltkommissar Stavros Dimas diese Kakophonie mit großer Sympathie: "Die Zukunft liegt in energiesparenden und umweltfreundlichen Autos und nicht in großen Fahrzeugen, die Energie verschwenden"; sagt er der "Welt" in einem Interview, und "Umweltschutz schafft sichere Arbeitsplätze, er vernichtet sie nicht". Im Prinzip hat er da sicher recht, zum Beispiel bei Solar oder Windkraft. Doch das gilt nur solange, wie der Stromkunde diese Technologien mit Zuschlägen auf den Strompreis subventioniert.
Beiden - Stavros und der DUH - schwebt eben vor, den Kleinwagen für alle zu verordnen. In dieses Konzept passt der Tiefensee-Vorschlag nun allerdings gar nicht. Denn betrachtet man Zuladung und CO2 im Zusammenhang, dann ist der Porsche Cayenne so gut wie der Smart. Alle Kleinwagen, deren Konstrukteure nicht auf die Zuladung geachtet haben, rutschen dann mit ihren Produkten an das ungünstige Ende der Tabelle.
Große Familien werden den Vorschlag begrüßen; denn ihr Van oder Kleinbus hat danach in Zukunft gute Chancen. Die Geschäftsreisenden, die Tag für Tag auf der Autobahn liegen, werden ebenfalls gern auf das Dimas-Mobil verzichten. Dasselbe gilt für alle, die aus beruflichen Gründen schwere Fahrzeuge mit Allradantrieb und hoher Nutzlast benötigen. Bleiben nur noch diejenigen, die sich heute als das Angriffsziel für die zur Zeit üblichen Missgunst-Kampagnen im Namen des Umweltschutzes sehen. Die neigen glücklicherweise nicht dazu, große Strecken mit ihren Autos zurückzulegen. Um die muss sich nur am Rande kümmern, wer wirksam Umweltschutz betreiben will.
Die Richtung stimmt, Herr Minister. Wenn schon die einfache Erhöhung der Mineralölsteuer als Ersatz für die Kraftfahrzeugsteuer politisch nicht durchzusetzen und in Europa nicht zu harmonisieren ist, dann spricht vieles für sein Konzept oder ein sehr ähnliches. Das sollte er so schnell wie möglich nach Brüssel tragen, solange die dort noch keine bessere Idee haben, wie man den Kohlendioxidausstoß so bei der Steuer berücksichtigt, dass der Umweltschutz und nicht der Neid die Feder führt. (ar/Sm) Letzte Änderung: 10.04.2007
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