Kommentar: Vorsicht! Einäugig!
Sortiert man die Personenwagen nach dem Kohlendioxid-Ausstoß geraten Fahrzeuge an die Spitze der Tabelle, die nur wenig als Familienauto taugen. So dürfen drei der vier Drittplatzierten (Citroën C1 1.0 Advanced, Peugeot 107 Petit Filou 70 und der Toyota Aygo 1.0) nur sehr wenig zuladen. Die Spanne reicht von 260 Kilogramm bis 305 Kilogramm. Abgesehen davon, dass alle drei bei weitem nicht die kommoden Langstreckenexperten sind, dürfen für die Urlaubsfahrt nur noch leichte Passagiere zusteigen. Das Gepäck schickt ein gesetzestreuer Fahrer dann besser mit der Bahn.
Wer glaubt, die Situation sei beim Sieger Toyota Prius (beim VCD das beste Familienauto) und beim Zweiten, dem Honda Civic Hybrid (beim VCD das beste Fahrzeug der Kompaktklasse), anders, der täuscht sich. Beide sehen zwar aus wie richtige Vier- oder Fünfsitzer mit großem Kofferraum. Aber auch sie dürfen nur 350 Kilogramm zuladen. Das kann selbst der Daihatsu Cuore 1.0 besser. Der automobile Winzling, der sich den dritten Platz mit Aygo und Konsorten teilen muss, darf immerhin 485 Kilogramm transportieren.
Bei den beiden Hybrid-Fahrzeugen muss man außerdem noch erwähnen, dass auch sie für den Familienurlaub rasch an Reiz verlieren, wenn man mit ihnen schnell an den Urlaubsort gelangen will. Ihre Stärke zeigen Hybrid-Fahrzeuge dieses Konzepts in Ballungsräumen und nicht auf der Autobahn. Auf der schnellen Langstrecke verschwindet der Verbrauchsvorteil. Wie sagte doch kürzlich der Pressemann eines der beiden Sieger beim VCD. Der Hybrid wurde für den Stau gebaut.
Das ist sicherlich eine zu plakative Formulierung. Fakt aber ist, dass die Prämiierten sich im Nahverkehr als Kraftstoff sparende Vehicle bewähren können. Sie bieten insgesamt zwei bis drei Personen Platz, sind also eher als Zweitwagen und nicht als alleiniges Fahrzeug der Familie geeignet. Doch alle diese Fahrzeuge haben ihre Berechtigung und ihren Markt. Allein der Käufer entscheidet, was er braucht und was er finanzieren will.
Umso weniger scheint der Versuch sinnvoll, alle Fahrzeugklassen über einen Grenzwert-Kamm scheren zu wollen. Die Besten im Sinne des VCD emittieren 35 Gramm bis 40 Gramm pro Passagier, der Familien-Van und der achtsitzige Kleinbus aber nicht das Sieben- oder Achtfache. Wer heute einen Personenwagen anschaffen will, kann sich also nicht allein auf Listen wie die des VCD verlassen. Es gibt mehr Kriterien als den einäugigen Blick auf den Kohlendioxidausstoß.
Der VCD behauptet in einem Statement zur Liste, es gebe "außer bei den Siebensitzern schon heute in jeder Fahrzeugklasse Pkw, die weniger als 120 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren". Da stellt sich dem Fachmann die Frage, wo die für den VCD akzeptablen Fahrzeugklassen aufhören. Gut, dass sich jeder von uns auf die eigene Vernunft stützen kann und nicht auf die Einäugigen hören muss. (ar/Sm) Letzte Änderung: 20.08.2008
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