Kommentar zur LA Auto Show: Im Westen nichts Neues
Hinter den Kulissen wurden von den Deutschen zwei Themen heftig und kontrovers diskutiert: Ist Los Angelos für die deutschen Hersteller wichtiger als die bisher als Leitmesse gehandelte Motor-Show in Detroit? Und was wird mit Bluetec, der gemeinsamen Diesel-Initiative von Audi, Jeep, Mercedes-Benz und Volkswagen?
Doch beginnen wir mit den harten Fakten, gepresst in Blech. Dort sticht dem deutschen Betrachter natürlich der Tiguan ins Auge. Von sachkundiger Seite war zu hören, dass die Karosserie bis zur Serie sich nur noch in Details ändern werde. Das steht zu hoffen, denn das Design gefällt als gelungene Mischung von markanten und eleganten Elementen. Schade, dass dieses zweite "5000-mal-5000"-Projekt nach dem Touran noch so lange bis zu seiner Verwirklichung braucht. Denn der Tiguan passt in die Welt, auch heute schon.
Kommen wir nun zu den weichen Themen. Die deutschen Hersteller verkaufen ihre Fahrzeuge an der Westküste und an der Ostküste. In der Mitte beherrscht immer noch der Truck die Szene. In Kalifornien sitzt das Geld. So verkauft zum Beispiel Lamborghini 40 Prozent seiner Fahrzeuge in den USA und mehr als ein Drittel davon in Kalifornien. Kein Wunder, dass der Volkswagenkonzern beschlossen hat, für sich die Messe in LA aufzuwerten. Schließlich sitzt das Geld in Detroit längst nicht so locker wie an der Westküste.
Die LA Auto Show ist eine Publikumsmesse mit hohen Besucherzahlen. Die Show wird damit zu einem wichtigen Schaufenster für die Zielgruppe. Das Medieninteresse kann sich aber längst noch nicht mit dem in Detroit messen. Es wird daher wohl ein langer Weg werden, bis LA der Messe in Detroit den Rang ablaufen kann, zumal die anderen Deutschen nicht mit voller Kraft und die amerikanischen Hersteller noch weniger nachziehen.
Doch das hat auch Vorteile, wie man am Echo auf die Bekanntgabe der Bluetec-Allianz für den sauberen Diesel sehen konnte. Das warf in LA die Frage auf, warum BMW sich diesem Erstauftritt der Allianz verschlossen hat. Die einen sagen, BMW hätte sich beteiligt, wenn der große Knall nicht in LA, sondern Anfang Januar nächsten Jahres in Detroit geplant worden wäre. Die anderen sehen generelle Zurückhaltung bei den Münchnern. So erklärte ein Sprecher auf unsere Frage, ob BMW sich in Zukunft an der Blutec-Initiative beteiligen werde nur, das sei nicht auszuschließen.
Das klingt sehr nach langer Bank und lässt die Vermutung zu, dass BMW wieder einmal einen Sonderweg gehen wird, wie wir es ja schon beim Elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) erlebt haben. Damals hatte Mercedes-Benz auf seine Rechte an diesem Namen verzichtet, um die Durchsetzung des Systems zu beschleunigen und den Kunden nicht mit unterschiedlichsten Namen zu verwirren. Mercedes-Benz hatte allen die Erlaubnis gegeben, den Namen ESP zu verwenden, deren System bestimmte Mindestvoraussetzungen erfüllte.
Genauso wird das jetzt zwischen den Allianz-Partner auch gehalten. Wer die strengen US-amerikanischen Abgasvorschriften erfüllt, darf sich der Initiative anschließen und den die Marke Bluetec verwenden. Beim ESP hatte sich BMW für Dynamic Stability Control oder DSC entschieden. Heute kündigten die Münchner als Retourkutsche für Bluetec an, sie kämen 2008 mit einem "Advanced Diesel" auf den Markt. Vielleicht nennen sie den dann AD oder Greentec.
Ironie beiseite - es bleibt bedauerlich, dass nicht alle deutschen Unternehmen, die in den USA Marktbedeutung haben, sich an Bluetec beteiligt haben. Aber noch ist nicht aller Tage Abend, und Entscheidungen lassen sich auch korrigieren. ES ist vielleicht zu viel verlangt, dass BMW sich einreiht, wo doch das Unternehmen so viel Wert darauf legt, anders zu sein.
Immerhin darf man festhalten, dass sich die Öffentlichkeitsarbeiter der beteiligten Unternehmen um den Auftritt der deutschen Diesel in den USA verdient gemacht haben. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Initiative zur Allianz von ihnen ausging. Glückwunsch, meine Herren! So gesehen gibt es aus dem Westen doch etwas Neues zu berichten. Nun darf man hoffen, dass die Allianz-Partner zu ihrer Entscheidung stehen. (ar/Sm)
Letzte Änderung: 30.11.2006
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