Lee Iacocca (2): US-Präsident hat keine Zeit für die Großen Drei

Den Mangel an starken Unternehmerpersönlichkeiten in der Generation nach ihm nennt Lee Iacocca, der ehemalige President von Ford und Chairman von Chrysler einen wesentlichen Treiber für den Niedergang der amerikanischen Automobilindustrie. Der große alte Mann des Automobilmanagements der Vergangenheit prangert in seinem neuen Buch "Where have all the Leaders Gone?" aber auch das Versagen der US-Administration an.

Auf eine kurze Formel gebracht, klagt der Alt-Guru, Detroit habe für die USA den Zweiten Weltkrieg gewonnen, danach für den Wohlstand der Amerikaner gesorgt und die Weltwirtschaft auf Trab gebracht. Jetzt, da die Großen Drei in Detroit die Hilfe der Regierung brauchen, sei die nicht ansprechbar.

Iacocca fragt: "Wie konnte es geschehen, dass General Motors von 60 Prozent Marktanteil auf 25 Prozent abstürzte? Wie konnte es Toyota schaffen, Ford auf seinem eigenen Territorium zu übertreffen? Wieso geriet Chrysler in Panik, ausgerechnet im besten Verkaufsjahr seiner Geschichte?"

Für Krisen hätte sich Iacocca kühne Entscheidungen gewünscht. Genau die hätten die Amerikaner nicht zustande gebracht. Als Beispiel für die heutige Rolle der Automobilindustrie in den USA nennt Iacocca den Versuch der Chefs von GM, Ford und Chrysler, darüber ein Gespräch mit Präsident George W. Busch führen zu können. Monatelang hätten sie auf den Termin warten müssen. "Bush hatte zwar Zeit, den Gewinner des Wettbewerbs "American Idol" zu empfangen, aber nicht für die Spitzen der Automobilindustrie."

Ende 2006 hätten die Automanager dann 45 Minuten mit dem Präsidenten verbringen dürfen und wären dann mit Gemeinplätzen abgespeist worden. So hätte ihnen der Präsident mit auf dem Weg gegeben: "Detroit muss lernen, sich im Wettbewerb zu behaupten" und "Sie müssen Autos bauen, die im Markt relevant sind".

Die Großen Drei hätten das Gespräch gesucht, um eine ernste Tagesordnung abzuarbeiten. Sie hätte die Hilfe der Regierung in drei Punkten erwartet: Die unausgeglichene Handelbilanz, ausgelöst durch Japans Manipulationen des Yen-Kurses, die Krise des Gesundheitssystems und die Notwendigkeit, alternative Kraftstoffe wie Ethanol auf den Weg zu bringen.

Iacocca zieht die bittere Lehre aus diesen Erfahrungen: Immer wenn der Staat Detroit brauchte, hätten sich die Unternehmen voll eingesetzt. "Jetzt, da Detroit den Staat um Unterstützung beim Wiederaufbau der Automobilindustrie bittet, hat der Präsident dafür 45 Minuten."

*

Siehe auch "Auto-Reporter" vom 13. Juli 2007: Lee Iacocca: Bob Eaton war mein schlimmster Fehler

("Where have all the Leaders gone" von Lee Iacocca mit Catherine Whitney. Simon and Schuster, 2007 - ISBN 978-1-4165-4247-7) Letzte Änderung: 15.07.2007









Leser dieser News interessierten sich auch für folgende Themen:

Autonews Archiv
Aktuelle Umfrage
Würden Sie auf ein Auto verzichten, wenn Sie könnten?
Kfz-Newsletter
Jede Woche die aktuellen News über neue Autos, Termine und Unterhaltsames aus der Kfz-Branche
Newsletter abonnieren

Sie sind hier: Startseite > Autonews > Archiv > Juli 2007 > Lee Iacocca (2): US-Präsident hat keine Zeit...