Lee Iacocca: Bob Eaton war mein schlimmster Fehler
Lee Iacocca hat sich stets selbst für den Größten gehalten und offenbar auch für den letzten großen Manager der Szene. Mit seinen Leistungen als Manager und mit vielen Büchern hat er diesen Anspruch und Ruf unterlegt. Jetzt schiebt er eine Abrechnung mit Bob Eaton nach, seinem Nachfolger bei Chrysler. Seine Anklage baut er geschickt als Selbstbezichtigung auf: "Eaton kam von GM, mit guter Papierform. Aber er hat's nicht geschafft. Niemals. Das war mein Fehler. Ich kann nicht einmal meinen Vorstand dafür verantwortlich machen; denn der hat mit vertraut."
Iacocca sieht sich ebenfalls in der Verantwortung dafür, dass Eaton in Panik geriet und an Daimler-Benz verkaufte. Nach seinem Rückzug bei Chrysler sei 1995 der Milliarden schwere Investor Kirk Kerkorian auf ihn mit dem Wunsch zugekommen, Chrysler zu kaufen. Kerkorian, der zu der Zeit bereits zehn Prozent der Chrysler-Anteile besaß, habe eine interessante Idee entwickelt. "Er überzeugte mich, dass die Privatisierung von Chrysler für alle Seiten von Vorteil sein könnte." Chrysler-Aktionäre sollten einen Preis geboten bekommen, der mit 55 US-Dollar um 40 Prozent über der Notierung an der Börse lag. Fünf Prozent des Unternehmens sollte das Management übernehmen, und 20 Prozent sollten an die Mitarbeiter gehen.
Aber der Plan wurde nie verwirklicht. "Dafür geriet Bob Eaton in Panik." Eaton hätte das - so Iacocca - nutzen sollen, um die Zukunft von Chrysler zu sichern. Damals leitete er das Unternehmen mit den weltweit günstigsten Herstellkosten, "und bekam es dennoch mit der Angst zu tun". Anstatt eine solchen Plan zu durchdenken, "stürzte sich Eaton Hals über Kopf in den Merger mit Daimler-Benz".
Iacocca ist sich sicher, dass Eaton fest davon überzeugt war, für das Überleben von Chrysler einen europäischen Partner zu brauchen. Dann sei er von Jürgen Schrempp, dem Vorstandsvorsitzenden der Daimler-Benz AG, ausmanövriert worden. Nach Iacoccas Ansicht hatte Schrempp nichts zu bieten. Der Anteil von Mercedes-Benz am US-Markt lag bei einem Prozent, "und niemand konnte erklären, was die Gemeinsamkeiten der beiden Unternehmen sein könnten".
Schrempp beschrieb das Zusammengehen als einen Merger unter gleichen. "Das war ein Witz", kommentiert das Lee Iacocca in seinem Buch. "Jedermann konnte sehen, dass es sich um eine Übernahme handelte." Iacocca stellt die Frage: "Wenn es wirklich ein Merger gewesen wäre, hätte die Firma dann nicht das große amerikanische Automobil-Unternehmen sein müssen?" Stattdessen sei die Zentrale nach Stuttgart gewandert. Auch die Idee des doppelten Vorstandvorsitzes von Eaton und Schrempp hält Iacocca von Anfang an für undurchführbar. "Schließlich gibt es auch nicht zwei Präsidenten, Könige oder Päpste."
Auch zur Geschichte des gemeinsamen Firmennamens liefert Lee Iacocca Details. Eaton habe das Unternehmen "ChryslerDaimler-Benz" nennen wollen. Aber Schrempp habe den Handel davon abhängig gemacht, dass der Name "DaimlerChrysler" gewählt wurde. "Eaton sei so auf den Merger fixiert gewesen, dass er auf Schrempps Bluff reingefallen sei. Er erklärte seinem Vorstand, dass der Name nicht wichtig sei. "Walter P. Chrysler wird in seinem Grab rotiert haben."
Niemand im Chrysler-Vorstand habe sich gegen die Entwicklung gesperrt. "Haben die alle geschlafen?" Sie seien wohl zu gierig auf den kurzfristigen Erfolg an der Börse gewesen. "Ich zweifle, ob sich irgendjemand von denen gefragt hat, wo die Synergien zwischen beiden Unternehmen liegen."
In einer Pressekonferenz anlässlich des zehnten Bestehens des Mercedes-Benz-Werk im US-Bundesstaat Alabama gab der heutige Vorstandsvorsitzende der DaimlerChrysler AG Dieter Zetsche eine passende Antwort: Die Synergien zwischen einem Premiumhersteller und einem Massenhersteller seien überschätzt worden. (ar/Sm)
("Where have all the Leaders gone" von Lee Iacocca mit Catherine Whitney. Simon and Schuster, 2007 - ISBN 978-1-4165-4247-7) Letzte Änderung: 13.07.2007
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