Müllermilch macht Bio-Sprit

Die Unternehmensgruppe Theo Müller ("Müllermilch") wird künftig ins Geschäft der Bio-Kraftstoffe einsteigen. Wie das Unternehmen heute mitteilte, wird es weltweit erste Anlage zur Herstellung von Bio-Ethanol aus dem Molke-Restprodukt Melasse bauen. Ab 2008 werden jährlich zehn Millionen Liter des umweltfreundlichen Kraftstoff-Zusatzes produziert. "Wir haben ein weltweit einzigartiges Verfahren entwickelt, das Bio-Ethanol aus teilentzuckertem Permeat gewinnt - der so genannten Melasse", sagt Stefan Müller, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Theo Müller.

"Melasse entsteht als Restprodukt bei der Käseherstellung. Diese ist für uns praktisch ein kostenloser Rohstoff, wir sind dadurch besonders wettbewerbsfähig und von der Preisentwicklung beim Getreide unabhängig." Hinzu komme laut Müller, ein zusätzlicher Anbau von Biomasse sei nicht notwendig.

Im kommenden Monat soll mit dem Bau des neuen Produktionsgebäudes am Standort Leppersdorf (Sachsen) begonnen werden. Das Unternehmen wird 20 Millionen Euro in die Bio-Ethanol-Anlage investieren. Derzeit befinde sich das Unternehmen in Gesprächen mit Ethanol-Herstellern, die durch den Zukauf des Kraftstoff-Zusatzes von Müller ihre Kapazitäten aufstocken wollen. Das Produktions-Verfahren bezeichnete das Unternehmen als "simpel und effizient": Bei der Herstellung von Käse fällt Molke an, aus der Eiweiß und Milchzucker abgetrennt werden. Bisher wurde die verbleibende Melasse entsorgt. Jetzt wird das Beiprodukt durch Zugabe von Hefe zu Alkohol vergoren und in einer Destillationsanlage von Wasser und Mineralien getrennt. Letztlich entsteht zu 99,8 Prozent reines Bio-Ethanol, das ohne Weiterbehandlung als Kraftstoff eingesetzt werden kann. Der Prozess wird streng von der Lebensmittelherstellung getrennt.

Noch sei die CO2-Bilanz bei der herkömmlichen Herstellung von Ethanol aus Biomasse umstritten. Zwar entsteht bei der Gärung nur soviel CO2 wie die Pflanze aufgenommen hat, doch sind die Verarbeitungsprozesse zusätzlich energieaufwendig. Das sei beim Herstellungsprozess von Müller anders: "Die komplizierte Umwandlung der Biomasse zu einem kohlenhydratreichen Ausgangsprodukt entfällt bei uns. Außerdem setzen wir das bei der Gärung entstehende Kohlendioxid zum Großteil wieder in unserem Werk ein. Damit sparen wir uns künftig den Zukauf von Kohlendioxid, das zum Transport unter großem Energieaufwand verflüssigt und bei minus 30 Grad Celsius gelagert werden muss", erläutert Müller. (ar/os) Letzte Änderung: 26.03.2007









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