Nutzfahrzeug IAA: Schwere Jungs

Im vergangenen Jahr lieferte DAF Trucks N.V., ein Tochterunternehmen der amerikanischen PACCAR Inc., einem der weltweit größten Hersteller von Nutzfahrzeugen, fast 61 000 Lkws aus. Damit gehört DAF zu den führenden Hersteller leichter, mittelschwerer und schwerer Lkws. In Europa hat DAF in der Kategorie über 15 Tonnen einen Marktanteil von etwa 14 Prozent.

Auf der IAA Nutzfahrzeuge 2008 zeigt DAF eine Vorschau auf die Verbesserungen seiner Baureihen CF und XF105, die ab Juni 2009 in die Produktion einfließen werden. Beide Modellreihen bekommen eine neue Innenausstattung, einen verbesserten Antriebsstrang und als Zusatzausstattung einen adaptiven Tempomaten (ACC) sowie ein Auffahrwarnsystem (FCW). Als erster Lkw-Hersteller bietet DAF alle Modelle als EEV-Version (Enhanced Environmentally friendly Vehicles = besonders umweltfreundliche Fahrzeuge) an. Die Nutzfahrzeuge haben damit 50 Prozent weniger Partikelemissionen als die 2009 in Kraft tretende Norm Euro 5 vorschreibt. Darüber hinaus stellt DAF den ab kommendem Jahr in Produktion gehenden LF Hybrid-Lkw und die Sonderversion seines Topmodells XF105 zum 80jährigen Firmenjubiläum vor.

Die auffälligste Veränderung bei den Modellreihen CF und XF105 ist die Innenausstattung. Neue Materialien und Farbschemen kommen zum Einsatz, etwa Farben wie "pastellgelb" (für Wand- und Deckenverkleidung, Matratzen und Vorhänge), "braunschwarz" und "kamelgrau" (für Armaturentafel, Türenverkleidungen und Sitze). Die Armaturentafel des XF105 Super Space Cab ist zweifarbig gestaltet: ein dunkler Farbton für den oberen und ein hellerer Farbton für den unteren Bereich. Alle Modelle der Baureihen CF und XF105 verfügen über neue Sitze mit einer komfortablen, strukturierten Polsterung, die Kopfstützen zeigen das DAF-Logo als Relief.

Optimiert hat DAF den Antriebsstrang. Interne Motorverbesserungen sollen in Verbindung mit der Antriebsstrangoptimierung einen geringeren Kraftstoffverbrauch gewährleisten. Eine weitere Neuerung ist das 12-Gang-Schaltgetriebe (ZF Ecosplit), das standardmäßig erhältlich sein wird. Es ist außerdem bis zu 30 kg leichter als das aktuell verfügbare 16-Gang-Getriebe. Geliefert werden kann auch ein neuer, kompakterer und reaktionsfreudigerer Intarder. Die Hinterachsuntersetzungen wurden erweitert um den Antriebsstrang besser an die spezifischen Einsatzbereiche und Fahreigenschaften anzupassen. Als Ergänzung zur schnellsten Untersetzung 2,53:1 kommt die Hinterachsuntersetzung 2,80:1 hinzu.

Als Zusatzausstattung gibt es ab Juni 2009 für Fahrzeuge der Baureihen CF und XF105 auch adaptive Tempomaten und ein Auffahrwarnsystem. Der adaptive Tempomat sorgt dafür, dass der Lkw automatisch einen voreingestellten Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einhält. Verringert sich der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug, bremst das System den Lkw indem es nacheinander Kraftstoffzufuhr, Motorbremse, Intarder und die regulären Bremsen anpasst. Eine Warnmeldung informiert den Fahrer, wenn er zusätzliche Bremsleistung erbringen muss, um eine maximale Bremsverzögerung zu erreichen. Den adaptiven Tempomat gibt es in Verbindung mit dem Auffahrwarnsystem (Forward Collision Warning). Dieses warnt den Fahrer, wenn er einschreiten muss, um eine Kollision zu vermeiden. Beide Systeme nutzen einen Radarsensor am Kühlergrill.

Als erster Lkw-Hersteller bietet DAF eine Nachtverriegelung für die Fahrerhaustüren an, um die Fahrer vor Einbruch und Raub zu schützen. Die Verriegelung soll schnell und einfach in jedem DAF XF105 nachgerüstet werden können. Zentrale Anforderungen bei der Entwicklung von DAF Night Lock waren höchstmögliche Widerstandsfähigkeit, leichter Einbau und einfache Bedienung. Damit der Fahrer das Fahrerhaus im Notfall zügig verlassen kann, lässt sich die Verriegelung durch Drücken des roten Knopfes schnell öffnen. Bei verriegeltem Night Lock soll die Tür des Lkws nicht einmal mit einer Brechstange geöffnet werden können.

Die von DAF entwickelten und produzierten PACCAR-Motoren erfüllen dank der DAF SCR-Technologie in Kombination mit intelligenten Hochdruck-Einspritzsystemen ohne Rußfilter die Euro 5-Norm. Durch den Einbau passiver Rußfiltern kann der Partikelausstoß um weitere 50 Prozent reduziert werden. So können die Emissionswerte der EEV-Norm erreicht werden. Nach Einführung der 9,2 Liter PACCAR-PR-EEV-Motoren im vergangenen Jahr sind sie nun auch für den DAF CF75 für den Verteilerverkehr (Leistung von 250 bis 360 PS) erhältlich. Außerdem sind für den DAF CF85 und XF105 EEV-Versionen des 12,9-Liter-PACCAR-MX-Motors (Leistung von 360 bis 510 PS) und mit passivem Rußfilter verfügbar. Eine 160 PS starke EEV-Version des LF bietet DAF eigens für den innerstädtischen Lieferverkehr an. Das Antriebsaggregat erreicht die EEV-Emissionswerte sogar ohne den Einsatz eines Rußfilters.

Im Januar 2008 hat mit einem Feldversuch die letzte Phase des Entwicklungsprozesses mit dem LF Hybrid-Lkw begonnen. Die Lkw werden durch Kunden in Großbritannien und auf dem Festland im Praxiseinsatz getestet. Zum Einsatz kommt ein paralleler Hybridantrieb aus Diesel- und Elektromotor. Die Nutzfahrzeuge werden entweder vom Dieselmotor, vom Elektromotor oder einer Kombination aus beiden angetrieben. Die Lkw sind mit einem 4,5-Liter-PACCAR-FR-Dieselmotor (EEV) (max. Leistung 118 kW/160 PS) ausgestattet, der mit einem computergesteuerten Eaton-6-Gang-Getriebe (Autoshift) verbunden ist. Zwischen Kupplung und Getriebe ist ein Elektromotor eingebaut, der als Antrieb oder als Generator genutzt werden kann. Die beim Bremsen freigesetzte Energie wird in Lithium-Ionen-Batterien gespeichert und steht für Beschleunigungsvorgänge zur Verfügung.

Auch DAF schenkt Telematic-Systemen große Beachtung. Das Datenkommunikationssystem ermöglicht dem Transportunternehmer die Optimierung von Flottenmanagement und Betriebsabläufen. Die Technik, seit Juli in sechs europäischen Ländern erhältlich, erlaubt den Austausch von Nachrichten zwischen Lkw und Zentrale. Außerdem bietet es eine Navigationsfunktion, die Zentrale weiß also immer genau wo sich das Fahrzeug gerade befindet. Das DAF Telematics-Systems soll sich sowohl vom Fahrer als auch vom Personal in der Zentrale einfach bedienen lassen. Der Transportunternehmer benötigt zum Zugriff auf die Daten lediglich einen Internetzugang. Die mehrfarbige Bedienkonsole hat lediglich sechs Menütasten. Über ein paar Tastendrücke kann der Fahrer auf die gewünschte Funktion zugreifen.

Zudem feiert DAF seinen 80. Firmengeburtstag mit einer speziellen Version seines Spitzenmodells XF105. Die Geburtstags-Version wird in begrenzter Stückzahl gefertigt, sie ist glänzend schwarzen mit silberfarbenen Akzenten gehalten und bietet eine umfangreiche Ausstattung. (ar/nic)
Letzte Änderung: 27.09.2008

Modellgepflegt: Das Fahrerhaus der CF-Serie in neuen Farben. Foto: Auto-Reporter/DAF
Modellgepflegt: Das Fahrerhaus der CF-Serie in neuen Farben. Foto: Auto-Reporter/DAF
Zum 80jährigen Firmenjubiläum: Sonderserie des DAF XF105 in schwarz. Foto: Auto-Reporter/DAF
Zum 80jährigen Firmenjubiläum: Sonderserie des DAF XF105 in schwarz. Foto: Auto-Reporter/DAF


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