ots.Audio: Franz Beckenbauer wird 65 - und plaudert im Exklusivinterview aus seinem Leben
In Italien wurde ihm mal in der ersten Nacht sein neuer Mercedes gestohlen - der Markenrepräsentant von Mercedes-Benz hat es als junger Spieler bedauert, dass er keinen Sportwagen fahren konnte Interview mit dem Mercedes-Benz Markenrepräsentanten
Anmoderation:
Er ist Fußball-Weltmeister als Spieler und Trainer, Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft und fünffacher Bambi-Preisträger - er ist eben "die Lichtgestalt". Morgen (Sa., 11.9.) wird Franz Beckenbauer stolze 65 Jahre alt - doch ans Rentnerdasein denkt der Kaiser noch lange nicht. Wir werden ihn auch in Zukunft in den verschiedensten Funktionen erleben, ob als TV-Experte, als Vorsitzender der Franz Beckenbauer-Stiftung oder als Mercedes-Benz Markenrepräsentant. Über mangelnde Projekte und Herausforderungen kann sich unsere Fußball-Legende also nicht beklagen. Doch vorher wird morgen erstmal der stolze Geburtstag gefeiert.
Interview mit Franz Beckenbauer
1. Franz Beckenbauer, Sie werden am Samstag 65 Jahre alt. Welche Bedeutung hat dieses Datum für Sie? Es ist ein Tag wie jeder andere auch. Ich weiß nicht, wie es morgen ist, wenn Sie mich jetzt fragen, aber ich denke, ich werde morgen genauso reagieren wie heute, nämlich nichts Besonderes. Ich werde im Stadion sein und mir das Spiel Bayern gegen Werder Bremen anschauen, denn wo feiert ein Fußballer Geburtstag? Im Stadion. Das wird die ganze Feier sein. Dann am Sonntag habe ich ein Golfturnier organisiert mit Freunden und mit Familienmitgliedern, und so vertreiben wir uns dann die Zeit. (0'33)
2. Andere kommen mit 65 ins Rentenalter, wie sieht das bei Ihnen aus? Ich habe mich noch nie um Zahlen gekümmert. Ich kenn einige, die dann plötzlich anfangen, Beschwerden zu kriegen, weil sie 50 werden oder 55 oder 60. Das ist bei mir nie eingetreten, und das wird auch mit dem 65. nicht eintreten. Für mich ist das eine Jahreszahl oder eine Zahl. Ich glaube, wichtig ist wie man sich fühlt, das ist entscheidend, nicht die Zahl. (0'57)
3. Wenn Sie auf die vergangenen 65 Jahre zurückblicken und eine erste Lebensbilanz ziehen - sind Sie zufrieden? Es gibt natürlich viele Möglichkeiten, zurückzublicken, das ist klar. Es ist ja auch viel passiert in den letzten 65 Jahren. Aber ich blicke zurück in Dankbarkeit, das bringe ich auch jeden Tag zum Ausdruck, und bin glücklich und freue mich, dieses Alter erreicht zu haben, denn vor 200 oder 300 Jahren sind die Menschen noch nicht so alt geworden, also wäre ich schon längst nicht mehr da. Das genieße ich, ich freue mich jeden Tag, meine Kinder zu sehen, meine Familie zu sehen. Sonst bin ich auch noch ein bisschen beschäftigt im Fussball, was FIFA, UEFA und so weiter angeht. Für meinen Geschmack etwas zu viel, das heißt für mich ein Zeichen, um etwas zurückzuschrauben, nur, ich weiß im Moment noch nicht wo. (0'44)
4. Was würden Sie als Ihr größtes Erlebnis bezeichnen - was war Ihre größte Niederlage? Ja, aber Niederlagen prägen doch. Wir können nicht nur immer von Siegen leben. Dann wissen wir gar nicht, wie eine Niederlage ausschaut oder wie es heißt, dann eben auch mal in schlechten Zeiten zu reagieren. Ich denke, die Abwechslung ist gut, aber auf der anderen Seite, sage ich, ist mein Leben so positiv verlaufen, dass die positiven Aspekte überwiegen. Alles andere, glaube ich, wäre echt gelogen. Aber man muss auch im Leben mit Niederlagen fertig werden, wie gesagt, denn erst, wenn man mal schlechtere Zeiten hat oder wenn man mal Niederlagen hinnehmen muss, dann weiß man erst, wie schön es ist, Erfolge zu haben (0'35)
5. Sie sind kurz vor dem 65. Geburtstag wieder zurückgekehrt zu Mercedes-Benz als Markenrepräsentant - welche Beziehung haben Sie zu der Marke? Ich war sehr früh Familienvater. Ich war ja 23 und habe drei Kinder gehabt, also brauchte ich ein dementsprechend großes Auto. Ich habe natürlich meine Mannschaftskameraden beneidet, die ledig waren und da mit den Sportwagen vorgefahren sind. Und ich bin mit der Limousine vorgefahren, aber ich habe mich daran gewöhnt - und seitdem, seit dieser Zeit, ich kann mich noch gut an den Leiter der Niederlassung in München erinnern, ein Herr Glock, dann kam der Karl Dersch, sein Nachfolger, ein typischer Münchener, typischer Bayer, der mich da immer auch gut betreut hat. Also man sieht, obwohl mein Erinnerungsvermögen auch ein bisschen nachgelassen hat, die wichtigen Sachen im Leben habe ich behalten, also die Statthalter von Mercedes in München, die sind mir haften geblieben. (0'45)
6. Als Familienvater haben Sie die Zuverlässigkeit an Ihrem Mercedes geschätzt. Sie sind hoffentlich nie enttäuscht worden? Ich hatte sehr viel Vertrauen und bin auch lange das Produkt gefahren, bis auf einmal, ich glaube das war nach der Europameisterschaft 1976, da habe ich mit meiner Familie Urlaub in Italien gemacht, und da bin ich mit dem damaligen 6,9-Liter-Mercedes runter gefahren und fast zu Fuß nach Hause gekommen, weil in dieser Zeit in Italien alles gestohlen wurde, was nicht fest irgendwo angebunden war, und mein Mercedes auch. Den hat man mir gleich in der ersten Nacht vom Parkplatz weg gestohlen, und ich war dann auf Hilfe von Freunden angewiesen, um wieder zurück zu kommen nach Hause. (0'37)
7. Was sind Ihre Wünsche zum 65. Geburtstag, was hätten Sie gerne als Geschenk? Wenn mir jemand was schenken will, ok, dann soll er das machen, aber in Form einer Spende zu Gunsten meiner Stiftung. Ich habe eine Stiftung gegründet vor 28 Jahren in Hamburg für Behinderte und Hilfsbedürftige. Also wenn mir einer was schenken will, dann bitte in die Stiftung spenden. Ansonsten Wünsche mit Sicherheit nicht mehr, also persönliche Wünsche. Wünschen würde ich mir natürlich, es würde keine Kriege mehr auf der Welt geben, es würden alle freundlich zueinander sein, es wäre so, wie sich der liebe Gott das halt vorstellt. Aber so weit sind wir noch nicht. Vielleicht wird das irgendwann einmal in ein paar Millionen Jahren, wenn's die Menschen dann überhaupt noch gibt, der Fall sein. Also persönliche Wünsche nicht. (0'37)
8. Eines Ihrer größten Geschenke - haben Sie dieser Tage gesagt - sind Ihre Kinder. Ja, das ist ein Geschenk des Himmels, in meinem Alter, was ja nicht normal ist. Normal bist du in dem Alter Großvater, was ich ja auch bin. Ich bin achtfacher Großvater und hab dann nebenbei noch zwei Kinder mit meiner jetzigen Ehefrau, und das genieße ich natürlich, ich genieße es jeden Tag. Joel ist jetzt 10, die Francesca wird jetzt 7 im nächsten Monat, wird jetzt eingeschult am Montag, also die Aufregung in der Familie ist dementsprechend. Aber das sind schöne Momente. Wo erlebt man das noch als 65-Jähriger? Wie gesagt, normalerweise beschäftigst du dich in diesem Alter mit deinen Enkeln. (0'35)
Abmoderation:
Der "Kaiser" in Feierlaune! Morgen (11.09.2010) wird Franz Beckenbauer 65 und ganz Fußballdeutschland gratuliert.
ACHTUNG REDAKTIONEN:
Das Tonmaterial ist honorarfrei zur Verwendung. Sendemitschnitt bitte an ots.audio@newsaktuell.de.
Stuttgart (ots) Letzte Änderung: 10.09.2010
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