Sinn: "Kein Grund zur Panik - wir sind noch knapp unter dem Gipfel"

Der Chef des Münchner Ifo-Institutes, Hans-Werner Sinn, hält die abwartende Strategie von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Bewältigung der Konjunkturkrise für richtig und stützt auch das als zu zaghaft kritisierte Konjunkturprogramm der Bundesregierung. "Das Paket ist ok. Ich kann nur raten, jetzt nichts zu überstürzen."

"Da wir mit erheblichem zeitlichen Abstand hinter der US-Konjunktur herhinken, müssen wir uns mit neuen Programmen nicht sonderlich beeilen", sagte Sinn im Gespräch mit den "VDI-Nachrichten". "Konjunkturprogramme sind immer nur Strohfeuer. Man muss sich sehr genau überlegen, wann man sie auflegt, denn man hat nicht genug Stroh, um dauerhaft damit zu heizen." Aus diesem Grund lehnt Sinn auch das kurzfristig aufgelegte EU-Konjunkturprogramm im Volumen von 200 Milliarden Euro ab. "Es kommt aus den genannten Gründen zu früh. Außerdem enthält es viele Umverteilungselemente zu unseren Lasten."

Deutschland habe Zeit, auf die Krise zu reagieren. "Derzeit liegt die Arbeitslosigkeit auf dem tiefsten Stand seit 16 Jahren. Das ist nicht die Situation, in der man ein Konjunkturprogramm macht", warnt Sinn. Völlig unklar sei, wie lange die Krise dauere. "Wir gehen jetzt bergab, sind aber noch ganz oben, direkt unter dem Gipfel. Wir wissen nicht genau wie lange die Rezession dauern wird. Währt sie drei oder vier Jahre, wie beim letzten Mal, dann reicht das staatliche Geld nicht, sie zu überbrücken. Sinn sorgt sich darum, dass die Politik durch die Krise von ihrem Ziel eines ausgeglichenen Haushaltes abrückt

Keine Prognose wagt Sinn, wann die Konjunktur wieder an Fahrt gewinnt. "Ich sehe das Ende der Schwächephase noch nicht. Die Flaute wird das Jahr 2010 umfassen. Die Arbeitslosigkeit wird auch in dem Jahr noch zunehmen, und vermutlich kommen wir dann wieder über vier Millionen. Die Agenda 2010, die uns am Arbeitsmarkt, über die Konjunktur hinaus, eine erhebliche Zusatzdynamik gebracht hat, wird uns helfen, mit der Krise etwas besser fertig zu werden."

Deutliche Kritik äußert Sinn an der Kreditzurückhaltung der Banken. "Die Kreditvergabe der Banken wird merklich restriktiver, doch ich zögere, schon jetzt von einer Kreditklemme zu reden. Die jüngste Ifo-Kreditumfrage zeigt, dass bereits 35 Prozent der Unternehmen die Kreditvergabe der Banken als restriktiv empfinden. Bei großen Unternehmen liegt der Prozentsatz bereits bei 40 Prozent." (ar/Sm) Letzte Änderung: 21.12.2008









Leser dieser News interessierten sich auch für folgende Themen:

Autonews Archiv
Aktuelle Umfrage
Würden Sie auf ein Auto verzichten, wenn Sie könnten?
Kfz-Newsletter
Jede Woche die aktuellen News über neue Autos, Termine und Unterhaltsames aus der Kfz-Branche
Newsletter abonnieren

Sie sind hier: Startseite > Autonews > Archiv > Dezember 2008 > Sinn: "Kein Grund zur Panik - wir sind noch...