Standard & Poor´s sieht Risiko für Hersteller durch strenge Abgasnormen

Neben einer weitgehend gesättigten Nachfrage und intensivem globalem Wettbewerb kommt eine weitere langfristige Herausforderung auf die Automobilhersteller zu: Eine strengere Umweltschutzgesetzgebung, mit dem Ziel, Schadstoff- und Treibhausgasemissionen zu reduzieren und einen effizienteren Kraftstoffverbrauch zu erreichen. Die Ratingagentur Standard & Poor's betrachtet die vorgeschlagenen Regelungen sogar als Risiko für die finanzielle Leistungsfähigkeit der Automobilhersteller, besonders da einige durch hauchdünne Margen bereits erheblich unter Druck stehen. Dies teilte S&P am Dienstag mit.

Während der profitabelste Hersteller BMW über 2200 Euro operativen Gewinn je Fahrzeug generiert, würde er gleichzeitig wegen der hohen durchschnittlichen CO2-Emissionen der BMW Fahrzeugflotte von höheren Kosten für die Einhaltung der neuen Standards betroffen sein. Auf der anderen Seite sind viele europäische Volumenhersteller, mit Margen von 500 Euro pro Fahrzeug, bereits deutlich näher an den vorgeschlagenen Zielvorgaben. General Motors, Ford und Chrysler haben den Angaben zufolge zunächst mit drängenderen Problemen, wie der Verringerung der Kosten durch Altlasten und den hohen Verlusten im operativen Automobilgeschäft in Nordamerika zu kämpfen. Erst wenn hier substanzielle Fortschritte bei der Trendwende erzielt werden, wird die viel langfristigere Frage nach der Einhaltung gesetzlicher Emissionsgrenzwerte ein wichtiger Faktor für das Kreditrating.

Die genauen Kosten, die die Einhaltung der strengeren Standards für die Autohersteller bedeuten würde, seien aber schwer abzuschätzen. In einer vorläufige Analyse erwartet die U.S. National Highway Transportation Safty Administration jedoch bis 2017 ein Ansteigen der Herstellungskosten - wenn nicht sogar der Preise - für Light Trucks um 1900 US-Dollar und für PKW um 1300 US-Dollar. Branchenschätzungen in Europa gehen von Kosten allein für die Verbesserung der Effizienz von 600 bis 3000 Euro pro Fahrzeug aus.

Die von der EU-Kommission geplante Absenkung der CO2-Emission auf 120 Gramm pro Kilometer bis 2012 ist nach Einschätzung des BMW-Vorstandsvorsitzenden Norbert Reithofer "ein verdammt hartes Ziel". Die von den der Politik aufgestellte Forderung werde "jeden Hersteller einige Milliarden Euro kosten", da die Vermeidung jedes weiteren Gramms CO2 immer aufwändiger werde, sagte er in einem Interview mit dem am kommenden Donnerstag erscheinenden Magazin "Capital". Die Vorgabe aus Brüssel bedeute einen Durchschnittsverbrauch aller Neuwagen in Europa ab 2012 unter 5,3 Liter pro hundert Kilometer bei einem Ausstoß von 130 Gramm pro Kilometer. BMW selbst könne mit seinem großen Anteil sportlicher und leistungsstarker Modelle die 140 Gramm pro Kilometer im Jahr 2008 nicht erreichen, so der BMW-Chef. Das sei aber "von vornherein klar gewesen". Die 140 Gramm waren und sind immer ein Gemeinschaftsziel im Durchschnitt aller Hersteller", sagte er. (ar/tkn) Letzte Änderung: 08.05.2007









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