Systemintegration im Fokus
· Strong Hybrid für zusätzlichen Fahrspaß
· Größtes Hybrid-Marktwachstum in Nordamerika erwartet
Mit der Hybridtechnik lässt sich der Kraftstoffverbrauch von Kraftfahrzeugen gerade im Stadtverkehr wesentlich senken. Darüber hinaus sorgt der bei Mild und Strong Hybrids eingesetzte Elektromotor für zusätzliche Fahrdynamik und damit Fahrspaß. Die von Bosch angebotenen Hybridsysteme lassen sich in drei Funktionsklassen einteilen: die "Micro Hybrids" mit Start/Stopp-System, die "Mild Hybrids" mit "Boost"-Effekt und die "Strong Hybrids", die das Fahren über kurze Strecken mit Elektroantrieb ermöglichen.
Geplant für 2006: Das "Smart Electronic Start/Stop System"
In der Klasse der Micro Hybrids sieht Bosch hauptsächlich das kostengünstige "Smart Electronic Start/Stop System". Es arbeitet mit einem verstärkten Starter. Dieses System erfordert den geringsten Änderungsaufwand bei bestehenden Fahrzeugen und hat somit die Chance, in naher Zukunft große Stückzahlen zu erreichen. Gerade im Stadtverkehr stehen die Fahrzeuge häufig an roten Ampeln oder einfach aufgrund des dichten Verkehrs. Dann stoppt das Micro-Hybrid-System von Bosch selbsttätig den Motor. Möchte der Fahrer wieder starten und drückt die Kupplung, bringt das System den Motor komfortabel und schnell wieder zum Laufen. Der Einsatz dieses Start/Stopp-Systems kann den Kraftstoffverbrauch um bis zu acht Prozent senken. Für 2006 plant Bosch eine erste Serienanwendung des Mikrohybridsystems Smart Electronic Start/Stop.
Strong Hybrids von Bosch für zusätzlichen Fahrspaß
Der Übergang zwischen Mild und Strong Hybrids ist fließend. Beide enthalten die Vorteile der Micro-Hybrid-Systeme. Mild Hybrids haben eine Elektromaschine mit einer Leistung von bis zu 25 Kilowatt. Dieser relativ kleine Elektromotor bietet zusätzliche Kraft beim Überholen, also einen "Boost"-Effekt, und erlaubt im Zusammenspiel mit dem Verbrennungsmotor und Energierückgewinnung eine Kraftstoffeinsparung von bis zu 15 Prozent. Beides offeriert auch der Strong Hybrid. Er hat eine stärkere Elektromaschine bis zu 75 Kilowatt, in einigen Anwendungen sogar darüber hinaus. Damit ergibt sich eine Drehmomentunterstützung von bis zu 400 Newtonmetern aus dem Stillstand heraus, sowie eine Kraftstoffeinsparung von mehr als 20 Prozent im Mittel. Darüber hinaus ermöglicht es das System, kürzere Strecken nur mit Elektroantrieb und damit lokal emissionsfrei zu fahren. Bei diesen Hochleistungs-Elektroantrieben setzt Bosch auf selbst gefertigte, permanent erregte Synchronmaschinen, die von einer Hochvoltbatterie gespeist werden. Die Leistung der Antriebe wird mit der Batteriespannung skaliert. Nach heutiger Einschätzung erwartet Bosch beim Strong Hybrid ein Fahrzeug-Mehrgewicht von etwa 100 Kilogramm gegenüber einem konventionellen Benzinfahrzeug.
In technischer Hinsicht können Komponenten der Hybridantriebe wie Hochleistungsbatterien, elektrischer Antrieb und DC/DC-Wandler in ähnlicher Form auch für langfristig erwartete Brennstoffzellenfahrzeuge verwendet werden.
Hybridentwicklung bei Bosch
Bosch beschäftigt sich bereits seit mehr als 30 Jahren mit Hybridtechnologien. Kein anderer Automobilzulieferer ist technisch so breit aufgestellt – mit Know-how in der Benzin- und Dieseleinspritzung ebenso wie im Hybridantrieb einschließlich Brems- und Energiemanagement. Diese breite Aufstellung ist erforderlich, um die Systemintegrationsaufgabe bei Hybridsystemen kompetent zu erfüllen. Hierzu wurde das "Bosch-Projekthaus Hybridsysteme" gegründet. Ende 2004 arbeiteten dort bereits mehr als 60 Mitarbeiter an Entwicklung und Vertrieb des Hybridantriebs, Ende 2005 werden es schon rund 130 sein. Zusätzliche Mitarbeiter aus den anderen Bosch-Geschäftsbereichen unterstützen das Team, so dass 2005 insgesamt rund 200 Mitarbeiter in diesem neuen Geschäftsfeld für Akzente sorgen.
Wirtschaftliche Aspekte des Hybridantriebs
Der Hybridantrieb ermöglicht gegenüber gleichstarken Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor eine Reduktion von Kohlendioxid und anderen Emissionen, aber mit höherem technischen Aufwand. Der Hybridantrieb spielt seine spezifischen Vorteile hauptsächlich im gemischten Fahrzyklus aus, zum Beispiel im innerstädtischen Verkehr und im Überlandverkehr mit hoher Verkehrsdichte. Im Vergleich zu einem SUV mit Benzinmotor konventioneller Technologie, der 170 Kilowatt leistet, und Automatgetriebe konnten im Mittel mehr als 20 Prozent Kraftstoffeinsparung beziehungsweise Kohlendioxid-Reduzierung (C02) nachgewiesen werden. Dabei wurde die gleiche maximale Gesamtleistung durch Kombination eines kleineren Verbrennungsmotors mit einem zusätzlichen E-Motor zum Boosten vorausgesetzt. Bei Autobahnfahrt allerdings ist ein moderner Dieselantrieb im Vergleich zum Benzin-Hybrid verbrauchsgünstiger. Auch gegenüber einem hinsichtlich Kraftstoffverbrauch optimierten Ottomotor mit Direkteinspritzung verringert sich der Vorteil des Hybridantriebs. Diesel-Hybride bilden eine realistische Alternative, wenn es gelingt, die zweifachen Zusatzkosten zum Benzinantrieb (erstens für den Dieselantrieb, zweitens für den Elektroantrieb) durch Kostensenkung im Gesamtsystem, beispielsweise bei der Abgasnachbehandlung, teilweise zu kompensieren. Das Potenzial zur Verbrauchsreduzierung eines Diesel-Hybridfahrzeugs gegenüber einem Fahrzeug mit reinem Dieselmotor-Antrieb und Automatgetriebe beträgt bis zu 15 Prozent im gemischten Fahrbetrieb. Die Aussagen basieren auf Simulationsrechnungen, denen ein Fahrzeug gleicher maximaler Fahrleistung jeweils mit konventionellem und mit Hybridantrieb zugrunde liegt.
Die Marktchancen des Hybrids
Bisherige Marktschätzungen gehen für 2015 von einem Marktanteil von 5 Prozent in Japan, 4 Prozent in USA und 2 Prozent in Westeuropa aus. Schätzungen unabhängiger Marktforschungsunternehmen und einiger Fahrzeughersteller gehen sogar von zwei- bis dreimal höheren Marktanteilen aus. Bosch geht davon aus, dass im Jahr 2010 etwa 50 verschiedene Hybridmodelle weltweit auf dem Markt sein werden. Das größte Marktwachstum erwartet Bosch in Nordamerika.
Letzte Änderung: 27.09.2005
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