Tagesfahrlicht an Autos soll Unfallzahlen senken

Die Frage nach dem Nutzeffekt von Tagesfahrlicht an Autos wird von Verkehrsexperten immer wieder diskutiert. Wie eine Studie des Instituts Road Safety Research in Holland (SWOV) im Auftrag der Europäischen Kommission nachweist, sind Anzahl und Schwere der Unfälle rückläufig, wenn tagsüber mit Licht gefahren wird.

Zu ähnlichen Ergebnissen gelangte ein Modellversuch der Verkehrswacht in Niedersachsen: Auf ausgewählten unfallträchtigen Kreis- und Landstraßen ereigneten sich dort am Tage 25 Prozent weniger tödliche Unfälle, weil die Verkehrsteilnehmer freiwillig das Licht einschalteten. Es gab 80 Prozent weniger Kollisionen zwischen einbiegenden und kreuzenden, 35 Prozent weniger Zusammenstöße mit entgegenkommenden Fahrzeugen und 26,8 Prozent weniger tödliche Unfälle bei Tageslicht und Dämmerung.

Neu ist die Überlegung nicht, die Sicherheit auf den Straßen mit Einschalten des Fahrlichts zu erhöhen. Bereits seit dem 1. Oktober 1988 müssen Motorräder in Deutschland tagsüber mit Licht fahren, und in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden ist das Licht am Tag für alle Kraftfahrzeuge seit langem gesetzlich vorgeschrieben. Auch Österreich empfiehlt das Tagesfahrlicht, allerdings ohne es zur Pflicht zu machen.

Aus Sicht von Unfallexperten spricht viel für das Tagesfahrlicht: "Es ist absolut sinnvoll, auch am Tage mit Licht zu fahren, denn beleuchtete Fahrzeuge sind für andere viel besser zu erkennen", sagt Jörg Ahlgrimm, Sachverständiger bei DEKRA. "Auch Geschwindigkeit und Fahrtrichtung lassen sich leichter einschätzen." Weitere Vorteile sieht er bei Fahrten durch Wälder und Alleen mit plötzlichem Wechsel von Licht und Schatten, bei grellem Gegenlicht oder bei schwachen Kontrasten in eintöniger Landschaft. Grundsätzlich gilt: Je früher ein entgegenkommendes, kreuzendes oder einbiegendes Fahrzeug erkannt wird, desto geringer ist das Risiko eines Unfalls.

Jedoch hat das Tagesfahrlicht nicht nur Befürworter. So befürchtet zum Beispiel Elmar Forke vom Institut für Zweiradsicherheit (IfZ) Sicherheitsdefizite für Zweiradfahrer. Die Tageslichtpflicht für Motorradfahrer habe die Kollisionssituationen für diese um 30 bis 40 Prozent verringert. "Fahren künftig auch Pkw tagsüber mit Abblendlicht, werden Motorradfahrer wieder schlechter wahrgenommen." Einwände kommen auch von Ökologen, da Licht zusätzlich Energie kostet. Ein Opel Astra, zum Beispiel, verbraucht nach Angaben des Herstellers mit eingeschaltetem Abblendlicht etwa 0,2 Liter mehr Kraftstoff.

Lösen könnte das Dilemma eine Tagesfahrleuchte, wie sie derzeit von der Zubehörindustrie entwickelt wird. Sie verbraucht mit 6 Watt pro Scheinwerfer nur einen Bruchteil der Energie des Abblendlichts von 55 Watt. Der Mehrverbrauch von Kraftstoff ist minimal. Damit wäre nach Ansicht von Jörg Ahlgrimm auch den Motorradfahrern geholfen. Da diese mit Abblendlicht fahren, würden sie sich von Autos mit schwächerem Tagesfahrlicht nach wie vor deutlich unterscheiden. Letzte Änderung: 03.01.2004









Leser dieser News interessierten sich auch für folgende Themen:

Autonews Archiv
Aktuelle Umfrage
Würden Sie auf ein Auto verzichten, wenn Sie könnten?
Kfz-Newsletter
Jede Woche die aktuellen News über neue Autos, Termine und Unterhaltsames aus der Kfz-Branche
Newsletter abonnieren

Sie sind hier: Startseite > Autonews > Archiv > Januar 2004 > Tagesfahrlicht an Autos soll Unfallzahlen senken