Umweltbundesamt kritisiert Lärm-Belastung in Deutschland
"Es ist höchste Zeit für eine Trendwende bei der Lärmbelastung der Bevölkerung. Denn: Lärm ist nicht nur lästig - er kann auch krank machen. Wir müssen mehr gegen die Lärmbelastung unserer Bevölkerung tun. Noch herrscht zu viel Ruhe um den Lärm", so Troge. Studien für das UBA zeigen, dass Verkehrslärm zunehmend Schlafstörungen verursache und sich das Risiko erhöhe, besonders an Störungen des Herz-Kreislauf-Systems zu erkranken: So untermauere eine im UBA erarbeitete Literaturstudie den Zusammenhang zwischen Straßenverkehrslärm und Herzinfarkten. Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, steigt bei Männern um etwa 30 Prozent, falls sie längere Zeit in Gebieten mit hohem Verkehrslärm wohnen, deren mittlerer Schallpegel im Außenbereich am Tag über 65 Dezibel liege. Zwischen Fluglärm und erhöhtem Arzneimittelverbrauch bestehe demnach ebenfalls ein direkter Zusammenhang.
Trotz dieser bekannten negativen Auswirkungen des Verkehrs gebe es keine Trendwende: Die Lärmpegel liege unverändert auf einem hohen Niveau, so das UBA. Eine Ursache hierfür dürfte darin liegen, dass EU, Bund, Länder und Gemeinden die Wirkungen des Lärms bei ihren planerischen Entscheidungen bislang nicht ausreichend berücksichtigen, vor allem bei der Verkehrs- und städtebaulichen Planung. Mit der EG-Umgebungslärmrichtlinie solle dieses Thema jedoch zukünftig stärker in die kommunale Planung eingebunden. Zunächst soll es Erhebungen über die Lärmbelastung der Bevölkerung in großen Ballungsräumen und an Hauptverkehrswegen bis zum 30. Juni 2007 geben.
Der VDA hält stellt eine positive Entwicklung entgegen. "Heute sind sechs neue Pkw zusammen so laut wie ein einziger Pkw im Jahr 1980, und bei den Lkw braucht man heute sogar 13 Neufahrzeuge, um den Geräuschpegel eines Brummis von damals zu erreichen", teilte der Verband heute (24. April) mit. Möglich wurde dies unter anderem durch optimiertes Motorenmanagement, eine weitgehende Kapselung der Motoren, leise Reifen und leistungsfähigere Schalldämpfer. Dabei sei die Reduzierung des Lärms ein ebenso wichtiges Ziel wie die Reduzierung von Emissionen. Moderne Motoren seien mittlerweile so leise geworden, dass die Geräuschemissionen des Autoverkehrs heute deutlich von den Geräuschen dominiert werden, die beim Kontakt von Reifen und Fahrbahn entstehen. Entscheidend für eine weitere Senkung des Straßenlärms sei deshalb vor allem die Qualität der Fahrbahnoberfläche, betonte der VDA. "Bei einem schlechten Fahrbahnbelag nützt auch der leiseste Reifen wenig." Angesichts des mangelhaften Zustands vieler Straßen in weiten Teilen Deutschlands bestehe hier ein außerordentlich hohes Potenzial für Verbesserungen. Neue Fahrbahnbeläge können die Lärmbelastung um bis zu neun Dezibel senken, das empfinde der Mensch nahezu als Halbierung des Schalls.
Mit der EG-Umgebungslärmrichtlinie solle dieses Thema jedoch zukünftig stärker in die kommunale Planung eingebunden werden, so das UBA. Die Richtlinie sieht in einem ersten Schritt vor, die Lärmbelastung der Bevölkerung in großen Ballungsräumen und an Hauptverkehrswegen bis zum 30. Juni 2007 zu erfassen. Unter Beteiligung der Öffentlichkeit sollen dann bis zum 18. Juli 2008 nationale Aktionspläne gegen den Lärm entstehen. Mit dieser verbindlichen Beteiligung der Bevölkerung könnte es zu einer breiten politischen Diskussion über die Lärmwirkungen kommen. Auch bisher nur selten angewandte Maßnahmen - etwa lärmarme Straßenbeläge - könnten verstärkt Anwendung finden. Vorläufiges Ziel sind Belastungswerte unter 65 Dezibel als 24-Stundenwert und 55 Dezibel im Nachtzeitraum einzuhalten. Das UBA rät dazu, mittelfristig die Lärmbelastung auf 60 Dezibel als 24-Stundenwert und 50 Dezibel nachts zu senken. (ar/os)
Letzte Änderung: 24.04.2007
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