Zetsche beim VDA: Plädoyer für die Premium-Klasse

"Premium-Fahrzeuge sind nicht nur Exportschlager und Jobmotor, sie sind auch der wichtigste Treiber für Innovation", stellte Dr. Dieter Zetsche, Vizepräsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) und DaimlerChrysler-Chef heute zu Beginn des neunten Technischen Kongresses des VDA vor rund 650 Teilnehmern klar. "Ohne die Pionierleistungen bei Umweltschutz und Sicherheitstechnologien (bei Premium-Fahrzeugen) gäbe es heute wohl auch bei Kompaktwagen weder den 'Kat' noch das ESP." Auch deswegen müssten Regelungen zum Klimaschutz bei den Automobilen die "unterschiedlichen Fahrzeugsegmente im Blick haben".

Ein CO2-Limit, das alle Autos über einen Kamm schere, gehe am Verbraucher vorbei, erklärte Zetsche. "Denn der Energiebedarf unserer Autos ist so unterschiedlich wie die Mobilitätsbedürfnisse unserer Kunden." Ein Familien-Van habe eben einen anderen Verbrauch als der Smart, aber beide hätten ihre Berechtigung. Einen Lacher der Teilnehmer erntete Zetsche mit dem Satz: "Schließlich verursacht auch der Reistag höhere Heizkosten als ein Reihenhaus."

Zetsche beschrieb die Innovationskraft der Automobilindustrie als wichtigen Schlüssel, um die vielfältigen Anforderungen an einen Automobilhersteller miteinander nachhaltig in Einklang zu bringen. "Dabei heißt nachhaltig nicht nur umweltfreundlich. Es gilt auch, die Interessen von Millionen Menschen zu schützen, die tagtäglich auf das Auto angewiesen sind."

Den Staat forderte Zetsche auf, nicht nur fahrzeugsegment-spezifische CO2-Grenzen und eine CO2-basierte Kraftfahrzeugsteuer zu schaffen, sondern auch für ein sicheres und modernes Straßennetz zu sorgen. "Allein durch ineffiziente Verkehrsführung werden in Deutschland jährlich 12 Milliarden Liter Sprit in Staus vergeudet. Das entspricht rund 30 Millionen Tonnen CO2." Außerdem wies Zetsche auf das Alter unserer Pkw-Flotte hin, das mit rund acht Jahren höher als in der Vergangenheit liegt. Wenn sich der Fahrzeugbestand nur um ein Jahr verjünge, könnten 800 Millionen Liter Kraftstoff pro Jahr gespart werden. "Das sind zwei Millionen Tonnen CO2."

Als "Roadmap für nachhaltige Mobilität" bezeichnete Zetsche drei Elemente: Die Optimierung von Verbrennungsmotoren mit und ohne Hybridoption, den verstärkten Einsatz von hochwertigen und alternativen Kraftstoffen und als Langfristziel für das emissionsfreie Fahren den Einsatz der Brennstoffzelle. Zunächst gelte es, den Diesel so sauber zu machen wie den Benziner und den Benziner so sparsam wie den Diesel. "Jedes Prozent Diesel-Zuwachs im Fahrzeugbestand würde in Deutschland jährlich 210 000 Tonnen Kohlendioxid sparen."

Auch dem Hybridantrieb räumt Zetsche also eine Rolle in der Entwicklung zu umweltverträglichen Fahrzeugen ein, "vor allem in Kombination mit dem ohnehin sparsamen Diesel". Mit Blick auf den Dieselmarkt in den USA zitierte der DaimlerChrysler-Chef die US-amerikanische Umweltschutzbehörde EPA mit der Aussagen: Würden ein Drittel der in den USA zugelassenen Fahrzeuge mit Diesel betrieben, müssten die USA kein Öl mehr importieren. (ar/Sm)

Letzte Änderung: 28.03.2007









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