BMW 130i Testbericht

Ein Dreiliter-Aggregat in der kleinsten Baureihe des BMW-Konzerns kann eigentlich nur eines bedeuten: Fahrspaß ohne Grenzen in kompaktem Format. Der Test zeigt, dass, wer ein wirklich großes Herz hat, nicht unbedingt ein Sportler sein muss.

265 PS aus drei Litern Hubraum, dazu ein Sportfahrwerk - und weil das Auge bekanntlich mitisst - das optionale M-Paket beim Einser: voilà. So oder ähnlich müsste sich der Wunschzettel eines jeden 1er-Lenkers lesen. Doch die Realität sieht anders aus, der Charakter des bayerischen Sprosses gibt sich unerwartet zwiespältig, obwohl die technischen Zutaten auf Sportlerqualitäten erster Güte schließen lassen. Man ist sogar geneigt - ohne die BMW-interne Vergangenheit über Gebühr zu strapazieren - anzunehmen, man säße quasi im "M1". Doch dem ist leider nicht so. Da kann auch das im Zuge des georderten "M Sportpaketes" allenthalben platzierte Logo der M GmbH wenig ändern. Es gilt demnach, Ursachenforschung zu betreiben.

Beginnen wir mit dem Motor, der Konkurrenz übergreifend nach wie vor zum Besten gehört, was je an Ottomotoren in Großserie gebaut worden ist. Sensationelle Elastizität, eine Laufeigenschaft par excellence und der insgesamt erstaunlich niedrige Verbrauch führen die Mitstreiter seit Jahren in beinahe düpierender Weise vor. Ein Automobil, das bei 250 km/h elektronisch eingebremst wird und sich andererseits außerorts mit weniger als sieben (!) Litern Kraftstoff auf hundert Kilometer begnügt - welcher Hersteller bietet Ähnliches? Bei BMW nennt man das schlicht "six in line", ein klassischer Reihen-Sechszylinder-Motor, kurz: ein Gedicht. Doch so wirklich sportlich ist er nicht, auch wenn der Spurt aus dem Stand in schlanken 6,1 Sekunden absolviert ist. Denn die Gene weisen ihn mit einem maximalen Drehmoment von 315 Newtonmetern eher als Drehmoment-Bullen denn als Drehzahlorgel aus. Wer das berücksichtigt und sich nicht fortwährend in einem Mini-M3 wähnt, wird also begeistert sein. Der Schub aus niedrigen Drehzahlen gepaart mit der Laufruhe sind alltäglich immer wieder Anlass zur Begeisterung. Doch, war da nicht noch was? Ach ja, das erwähnte Sportpaket. In der Aufpreisliste, verschlüsselt unter dem Code "337", bietet es zum Gegenwert von 2.100,- Euro neben einer hochwertigeren Innenausstattung mit Sportsitzen für Fahrer und Beifahrer zusätzlich ein M-Lederlenkrad, Einstiegsleisten mit dem Motorsportlogo und eine Fußstütze für die flotteren der durchzogenen Kurven. Allerlei Annehmlichkeiten also, wäre da nicht das inkludierte M-Sportfahrwerk. Um an dieser Stelle Missverständnissen von vornherein vorzubeugen: hier wird auf hohem Niveau gemeckert. Doch BMW hat (sich) in der Vergangenheit die Latte (selbst) sehr hoch gelegt. Da ist es durchaus legitim, die Neuen in der BMW-Familie mit den Qualitäten ihrer Vorgänger zu vergleichen.

Und so wirkt die Abstimmung des 130i insgesamt etwa zehn bis fünfzehn Prozent zu stramm, zu straff, zu direkt. Niemand erwartet von einem BMW weichgespültes Einlenkverhalten oder gänzlich von den Insassen ferngehaltene Einflüsse der Fahrbahnoberfläche. Aber unabhängig davon, ob es die beinahe knöcherne Schaltung ist oder die Art und Weise, wie das Fahrwerk Bodenwellen und Schläge in völlig BMW-untypischer Weise verknust, es kommt Verstimmung auf. Schon nach wenigen hundert gefahrenen Kilometern steht fest: das M-Sportpaket schießt über das Ziel hinaus, die Druckstufe ist definitiv zu hoch. So werden die berechtigterweise an BMW gestellten Anforderungen hinsichtlich des Spagates zwischen Komfort- und Sportanspruch nicht erfüllt. Erst bei stark forciertem Tempo kommen die Vorzüge dieser Abstimmung besser zur Geltung. Beim Eiskunstlauf nennt man so etwas dann wohl "Abzug in der B-Note"...

Aber kann es das schon gewesen sein? Ein leistungsstarker, charismatischer BMW, der mit seiner Janusköpfigkeit das eigene, von Marketingstrategen mühsam geschnitzte Fan-Lager spaltet? Die Antwort lautet: Jein. Denn gepunktet wird auf anderem Terrain, bei der Verarbeitung. In diesem Fahrzeugsegment sind nur wenige Konkurrenzmodelle so akkurat verarbeitet wie der kleinste aller BMW´s. Einzig die Anmutung, bzw. die Haptik des Kunststoffes bei den Türverkleidungen und beim Armaturenbrett ist qualitativ zu weit vom nächsten Modell, dem Dreier, entfernt. So zieht sich durch die Vorstellung des BMW 130i mit M Sportpaket die Unausgewogenheit wie ein roter Faden. Hinzu kommt, dass die Preispolitik der Münchner an der Schmerzgrenze ist. Weit über 40.000 Euro kostete der - zugegeben mit nahezu allen Extras ausgestattete - Testwagen. Das ist eine stolze Summe, die die Wahl zugunsten der nicht minder begeisternden Dieselmotoren im Einser noch leichter macht. Vom Preisvorteil ganz zu schweigen.


BMW Bilder

Quelle: P.Tonne Carportal.tv


Aktuelle Umfrage
Wollen Sie 2009 ein Auto kaufen?
 
 
 
 
Weitere Umfragen
Suche
Auto des Tages
Porsche Cayenne
Porsche Cayenne
Gewinnspiel
Autogewinnspiel
Autonews Partner

Impressum