Seit dem Jahre 2000 ist der aktuelle M3 nun schon auf dem Sportwagen-Markt. Und steht trotzdem schon vor seiner Ablösung.
Die M3-Eigner runzeln die Stirn, denn nach wie vor ist der schnelle Münchner konkurrenzfähig. Selbst neben der frischesten Konkurrenz macht er eine unverändert gute Figur. Doch zu groß scheint der Druck des Wettbewerbes zu sein, der sich mit Hochdrehzahl-, Hubraum- und Aufladungskonzepten gegenseitig die Kunden wegzuschnappen versucht. Dem süddeutschen Autobauer könnte dieses illustre Treiben eigentlich gleichgültig sein - der noch aktuelle, 343 PS starke M3 zählt mitnichten zum alten Eisen.
Gewissermaßen im Schlepptau der zehnzylindrigen M5 und M6 wird auch das Herz des zukünftigen M3 wachsen, um zwei Zylinder. Ob allerdings auch dieser V8 bei der jährlich stattfindenden Veranstaltung „Engine of the Year Award“ - dem weltweit bedeutendsten Motoren-Wettbewerb - so abräumen wird, wie es sein sechszylindriger Vorgänger schaffte, bleibt abzuwarten. Schließlich hat sich BMW die Latte selbst sehr hoch gelegt. Ihnen ist es als erster Hersteller gelungen, in einem Jahr sechs verschiedene Preise zu erringen. Die Ingenieure erhielten für die Investition ihres Hirnschmalzes in modernen Motorenbau Preise, wie andere Angestellte Bußgeldbescheide. So wurde zum einen der 507 PS-V-10-Hochleistungsmotor des BMW M5/M6 als „Best New Engine 2005“, “Best Performance Engine 2005/2006“ und zudem als „Gewinner der Klasse über 4 Liter Hubraum“ in den letzten beiden Jahren gewählt. Doch auch das Aggregat des BMW M3 sahnte ordentlich ab: Sieg in der Klasse von drei bis vier Litern Hubraum. Am herausragendsten ist jedoch der Umstand, dass diese Auszeichnung für den Motor des M3 zum sechsten Mal in Serie eingestrichen wurde. Ein einsamer Rekord, an dem die Konkurrenz noch sehr lange zu knabbern haben wird - so sie es denn ob ihrer technischen Basis überhaupt erreichen kann. Genau aus diesem Grunde werden einige Unentschlossene auch nach Einführung des zukünftigen M3 den „Alten“ noch lange bei ihrer Kaufentscheidung berücksichtigen.
Um nachvollziehen zu können, warum der M3 so nachhaltig wettbewerbsfähig ist, bedarf es eines etwas tieferen Blickes unter sein „power-dome“-gekennzeichnetes Blechkleid. 3,2 Liter Hubraum, 343 PS bei 7900 U./min., 106 PS Literleistung und ein maximales Drehmoment von 365 Newtonmetern sind Garanten für Fahrspaß nach Herzenslaune. Verpackt in einen Viersitzer, der selbst bei voller Besetzung samt Gepäck keine klaustrophobischen Zustände heraufbeschwört. Garniert mit einem Fahrwerk, das wie kaum ein zweites im Sportwagen-Sektor den extrem schwierigen Spagat zwischen Alltagstauglichkeit und Rennstrecken-Kompatibiltät erfüllt. Mit weit weniger als zehn Liter Durchschnittsverbrauch über die Landstrasse gleiten? Oder doch lieber Porsche auf der Nordschleife hetzen? Der Fahrer hat es sprichwörtlich selbst in der Hand. Vorausgesetzt, er hat sich für das optionale „Competition“-Paket entschlossen. Dieses umfasst neben den gegenüber der M3-Serie geänderten Feder-/Dämpfer-Einstellungen zusätzlich eine direktere Lenkübersetzung. Als optische wie haptische Dreingabe sind dann noch das Lenkrad als auch der Schaltknauf mit Alcantara überzogen, das Cockpit ziert zudem eine Leiste namens „Alu-Tech“. In Kombination mit dem sequenziellen M-Getriebe „SMG“ erscheint einem die Fahrt am Limit dann phasenweise beinahe virtuell - so perfekt arbeitet alles zusammen.
Beim SMG-Getriebe können je nach Laune des Fahrers und Untergrund der Strasse zwei Schaltmodi angewählt werden: sequenziell oder automatisiert. Bremsen, Runterschalten mit Gänsehaut-Zwischengas, Einlenken, Scheitelpunkt anpeilen und unter kehligem Röhren Herausbeschleunigen zum nächsten Eck. Da springt das Sportfahrerherz vor Freude beinahe aus der Brust. Wer das auch nur einmal für wenige Runden auf einer gesperrten Piste hat ausprobieren dürfen, möchte nichts anderes mehr machen.
Doch es kommt noch toller. In der rechten Lenkradspeiche wartet ein vereinsamt wirkendes Knöpfchen darauf, vom Fahrer gedrückt zu werden. Er entpuppt sich als weiteres Bonbon in der offenbar von komplett Motorsport-verrückten Ingenieuren gefüllten Fahrphysik-Wundertüte. BMW nennt dieses Programm „M Track Mode“, was den M3 dann nochmals eine Spur zackiger in der Gasannahme macht und dem Heck ein wenig mehr Raum zum Tanz auf den Curbs lässt. Dennoch bleibt zugunsten der Sicherheit neben den großzügiger gestatteten Anstell- und Driftwinkeln das doppelte Netz des Stabilitätsprogramms weiter aktiv - wenn auch auf fahrphysikalisch extrem hohen Niveau. Ein Hersteller, der so fürsorglich und konsequent an die Vorlieben seiner Kunden denkt, gehört bei jedem „gentleman-driver“ ins Abendgebet eingeschlossen.
Dank des SMG-Getriebes lässt sich der M3 allerdings auch denkbar entspannt bewegen. Vor dem knuffigen Schaltknüppel - einer Art Chrom-Leder-Skulptur - befindet sich eine Taste, mit der sich die Dauer der Schaltvorgänge einstellen lässt. In der Stadt bietet das breite Arbeitsfenster des Getriebes so erhebliche Vorteile, da im komfortabelsten Schaltmodus die Kupplung dann besonders weich arbeitet. Das erleichtert das Anfahren im zweiten Gang bei winterlichen Bedingungen ebenso wie das Rollen im Stop-and-go-Verkehr. Und es scheint, als wolle sich so der M3 ganz still und leise verabschieden. Aber es wird ihm nicht gelingen. Die verschworene wie fachkundige Fangemeinschaft des M3 wird ihm auch in den kommenden Jahren die Treue halten. Bis sie den Versuchungen des Neuen erliegt - und den M3 weiterhin zum erfolgreichsten M-Modell aller Zeiten macht.
Quelle: P.Tonne Carportal.tv