Opel Astra OPC Testbericht

Gewitterstimmung - Opel Astra OPC
240 PS, ein grimmig in der Mitte der Heckschürze platziertes Endrohr und eine Spitze von 244 km/h prädestinieren den Opel Astra OPC, sich bei den starken Kompakten einen der ganz vorderen Plätze zu ergattern. Carportal prüfte, ob es in der Gruppe der Kompakten für das Podium reicht.

Wie die Wappen zu Zeiten des Flickenteppichs in Deutschland signalisiert die blaue Basisfarbe der OPC-Modelle: wir sind eine Familie. Und was für eine. Schrecklich nett trifft es nicht, eher erfreulich flott. Den Mitgliedern der OPC-Clique ist gemein, dass sie allesamt - abhängig ihres originären Klassensegments - die Schnellsten ihrer Zunft darstellen. Ob Micro- oder Maxi-Van, Kombi oder Coupé: die OPCs sind richtig heiß. Geschmiedet von kühlen Ingenieursköpfen. Und noch cooleren Rennfahrern.

Der Astra OPC ist so ein heißes Eisen. Erhältlich ab 28.000 Euro, garniert mit einem 2-l-Aggregat, das dank Turbolader und Vierventiltechnik 240 PS generiert. Bei Opel heißt das dann: extra scharf gewürzt, was bei einer Literleistung von 120 PS nicht übertrieben ist. Bereits bei niedriger Drehzahl, bei 2400 Umdrehungen pro Minute steht das maximale Drehmoment von 320 Newtonmetern zur Gänze an. Ordentlich Qualm also, was jedoch die angetriebenen Vorderräder nicht nur in engen Kehren und Abzweigen an ihre Traktionsgrenze bringt. Es empfiehlt sich deshalb die behutsame Form der Beschleunigung, um die Antriebskräfte nicht zu plump auf die Räder und - leider - auch teilweise ins Lenkrad dringen zu lassen. Wer die Kurbelwelle nach dem Drehmomentzenit 3200 Mal schneller rotieren lässt, wird mit einer Mehrleistung von 40 Mehr-PS gegenüber dem Basismotor aus Opel GTC Turbo in die Sitze gedrückt. Um dieses Leistungsplus zu realisieren, wird der mit quadratischem Bohrungs-/Hubverhältnis aufwartende Vierzylinder mit mehr Ladedruck, größeren Einspritzdüsen und Spritzölkühlung der Kolben aufgewertet. Diese Leistung reicht, um das Coupé in nur 6,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und auf maximal 244 km/h zu beschleunigen.

Allerdings ist der Astra weniger der Heißsporn für die linke Spur auf der Autobahn, denn vielmehr der sorgfältig abgestimmte Sportwagen. Der Dreitürer zeigt seine ganzen Fahrwerksreserven erst dann in voller Blüte, wenn man ihn artgerecht, also auf der Rennstrecke, die Sporen gibt. Dann "blitzt" die mühsame wie aufwendige Abstimmungsarbeit der Fahrwerksingenieure durch, die bei der Erfüllung ihres Lastenheftes auf die professionelle Unterstützung des zweifachen LeMans-Siegers und Gewinner des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring bauen konnten: Manuel Reuter. Ein Vollblut-Rennfahrer, der - so elegant er sich bei seiner Rolle als OPC-Repräsentant darstellt - seinen Job als Berater im Bereich "Fahrwerksentwicklung" ehrgeizig wie gewissenhaft angeht. "Uns war es bei der Abstimmung des Astra OPC - wie auch bei den anderen OPC-Modellen - außerordentlich wichtig, neben den notwendigen Anforderungen für den Alltag zusätzlich Spielraum für die sportliche Klientel zu bieten. Also jenen Kunden, die ihr Fahrzeug nicht nur zum Fahren von A nach B, sondern auch privat auf der Rennstrecke nutzen wollen. Aus diesem Grunde haben wir mit viel Aufwand das IDSPlus-Fahrwerk verfeinert, das mittels Knopfdruck eine betont sportlichere Auslegung bietet. Der Vorteil: Im täglichen Umgang bietet der Astra OPC erstaunlich viel Komfort, der sich nach Belieben abschalten lässt. Unserer Meinung nach ist uns das mit allen OPC-Modellen sehr gut gelungen! Und die Zeiten beweisen das ja wohl auch!". Das Schmunzeln von Herrn Reuter ebenso.

Konkret werden bei der Steuerung des Fahrwerkes unterschiedliche Informationen seitens des Stabilitätsprogrammes ESPPlus, der Traktionskontrolle und der Bremsanlage miteinander vernetzt. Das Ergebnis ist dann eben jene Agilität, die im Zusammenspiel mit der elektronischen Stossdämpferkennung CDC (Continuous Damping Control/Kontinuierliche Dämpferkontrolle) die in das Fahrwerk eingeleiten Kräfte beinahe in Echtzeit an die jeweiligen Fahrbahnzustände anpasst. Und wenn es der Fahrer bei der Zeitenjagd so richtig wissen will, kann er sich mittels eines weiteren Tastendrucks weiter reduzierter Eingriffe der Regelelektronik erfreuen: die "SportSwitch"-Taste macht den Astra dann zum lupenreinen Kurvenfresser, der sich mit ein wenig Gefühl auch mit einem leicht eindrehenden Heck bewegen lässt.

Was dabei herauskommt, wenn ein Profi den Fronttriebler an seine Leistungsgrenze bringt, beweist folgende Kennziffer: 8:35. In Worten bedeutet das nichts Anderes, als das der Astra OPC für eine komplette Nordschleifen-Runde nur sehr schlanke acht Minuten und 35 Sekunden benötigt, um die anspruchsvollste Rennstrecke der Welt zu meistern. Das unterstreicht mehr als deutlich die Leistungsfähigkeit der einzelnen Komponenten des Astra OPC und demonstriert seine Qualitäten unter härtesten Bedingungen.

Womit ein weiteres Kapitel sinn-, beinahe liebevollen Automobilbaus aufgeschlagen wird. Die fahrdynamischen Qualitäten hat der Astra OPC nun nachhaltig bewiesen, doch wie sieht es im Innenraum aus? Außen hui, innen pfui? Mitnichten, das Cockpit spiegelt den authentischen Charakter an allen Ecken und Kanten ebenso schlüssig wider. Wie zum Beispiel bei der quasi durch das gesamte Fahrzeug hindurchlaufenden Kante, die sich über die Motorhaube ins Innere über das Armaturenbrett bis nach hinten zum Heck durchzieht. Oder die Instrumente, die mit ihrem vollen Ausschlag ihrer Zeiger beim Dreh des Zündschlüssels suggerieren: Wir sind wach! Bist Du es auch? Oder die hervorragenden und speziell in der OPC-Formensprache gezeichneten Recaro-Schalensitze, die den Fahrer auch bei forschester Kurvenfahrt fest hinter dem Lederlenkrad verankern. Das der Fahrer dazu noch auf einer Alu-Pedalerie steppen darf, nimmt man beinahe schon als Selbstverständlichkeit wahr.

Getoppt wird der Auftritt des Opel Astra OPC durch seinen gesellschaftsfähigen wie zeitgemäßen Durst. Selbst Leute mit gering ausgeprägter Sensibilität im Gasfuß werden selten mit Durchschnittsverbräuchen jenseits der 10-Liter-Marke abgemahnt. Gemessen an den Fahrleistungen mehr als angemessen, zumal auch Durchschnittsverbräuche mit weit weniger als acht Litern pro 100 Kilometer Strecke absolut keine Seltenheit sind.

Fazit: Die Auslegung des Astra OPC in der dritten Generation ist in Summe äußerst konsequent und bezüglich der Qualität seiner Eigenschaften zudem sehr gekonnt entwickelt worden. In punkto Optik, Abstimmung und Leistungsentfaltung lässt er keinen Zweifel an seiner Bestimmung: Sport & Spaß stehen im Vordergrund - das sollen auch die Anderen sehen. Das er zudem noch genügsam mit dem Sprit umgeht, macht ihn dabei umso sympathischer. Und gefährlich für die Konkurrenz.


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Astra Bilder

Quelle: P.Tonne Carportal.tv


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