Einmillionstes Motorrad-ABS von Bosch

Im japanischen Tochigi ist das einmillionste Motorrad-ABS vom Band gelaufen. Basierend auf der aktuellen Generation 9 bietet Bosch für alle Motorräder das jeweils passende System an: vom Front-ABS für den Massenmarkt in Ländern wie Indien, China und den Asean-Staaten hin zur derzeit anlaufenden Motorrad-Stabilitätskontrolle MSC, die bei Hochleistungsmotorrädern auch bei starker Schräglage in Kurven eine Vollbremsung ohne blockierende Räder ermöglicht. Während es beim Auto darum geht, das Fahrzeug lenkbar zu halten, soll ABS beim Motorrad vor allem den Sturz verhindern.
Ende der 1980er Jahre startete Bosch, ausgehend von den Bremsregelsystemen der Pkw, die Entwicklung des Motorrad-ABS. 1994 schließlich liefen die ersten Systeme für eine Suzuki-Polizeimaschine in Japan vom Band. In den Jahren darauf wuchsen die Stückzahlen nur langsam. Dies änderte sich 2009. Einerseits stieg das Interesse an der Sicherheitstechnik, andererseits hatte Bosch mit der ABS-Generation 9 erstmals ein System entwickelt, das nicht von der Pkw-Technik abgeleitet, sondern spezifisch für den Motorrad-Einsatz entwickelt. Das Ergebnis im Vergleich zur Vorgängergeneration: hohe Leistung bei halbierter Größe und Gewicht. Die Nachfrage übertraf alle Erwartungen. So stieg die Produktion von 2009 bis 2013 jährlich im Schnitt um gut 50 Prozent. Allein 2013 wurden über 350 000 Systeme gefertigt. Mittlerweile hat bereits jedes vierte in Europa produzierte Motorrad ein ABS an Bord.

Den Sicherheitsgewinn durch ABS bestätigen Auswertungen der deutschen Unfalldatenbank GIDAS. Ein Viertel aller Motorradunfälle ließe sich mit serienmäßigem ABS verhindern. Bei einem weiteren Drittel dieser Unfälle ließe sich mit dem Blockierschutz zumindest die Schwere mindern. Nahezu jeder zweite Motorradunfall mit Todesfolge ereignet sich in Kurven – hier liegt noch die Achillesferse von Motorrad-ABS-Systemen. Mit der Motorrad-Stabilitätskontrolle MSC, die Ende 2013 erstmals bei der KTM 1190 Adventure in Serie geht, hat Bosch nun aber auch ein kurvensicheres ABS entwickelt. Das neue System passt Motor- und Bremsleistung dem aktuellen Fahrzustand an, um das Motorrad stabil zu halten und erfasst dafür beispielsweise auch den Schräglagenwinkel.

Bosch hat die ABS-Generation 9 modular aufgebaut, so dass sich Varianten für unterschiedliche Funktionsumfänge realisieren lassen. Das Front-ABS ABS 9 light ist eine kostengünstige Lösung insbesondere für Länder wie Indien, wo robuste und einfache Systeme für kostengünstige Zweiräder gefragt sind. Da in vielen Ländern Asiens selbst bei Motorrädern mit Hubräumen über 250 Kubikzentimeter Hubraum die Hinterräder oftmals noch übermechanische Seilzüge gebremst werden, regelt das Front-ABS von Bosch ausschließlich das Vorderrad. Die Variante ABS 9 base bietet bereits den vollen Blockierschutz an beiden Rädern. ABS 9 plus wiederum ist besonders für leistungsstarke Maschinen geeignet. Mithilfe eines zusätzlichen Drucksensors greift das System bereits beim Druckaufbau ein. Dadurch wird die Regelung und die integrierte Hinterradabhebe-Erkennung gegenüber dem ABS 9 base noch einmal deutlich verbessert. Die leistungsfähigste Ausbaustufe ABS 9 enhanced bietet zusätzlich die sogenannte E-CBS-Funktion. Dieses Kürzel steht für „electronic Combined Brake System“, zu Deutsch elektronisches Verbund-Bremssystem. Es genügt bei dieser Version, wenn der Fahrer nur eine der beiden Bremsen – wahlweise vorne oder hinten – betätigt: ABS 9 enhanced schaltet die zweite Bremse automatisch zu, ohne dass die Bedienkraft für den Fahrer ansteigt oder die Dosierung sich verändert. (ampnet/jri)

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Beitrag zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2013

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